Sarah Connor, Nena, Wirtz Schlossgarten-Open-Air: Zeitreise durch die deutsche Popmusik

Von Andre Pottebaum


Osnabrück. Sommer, Sonne und nahezu ausverkauftes Haus – so präsentierte sich das Schlossgarten-Open-Air 2018 am zweiten Tag. Mit Daniel Wirtz, Nena, und Sarah Connor wartete eine bunte Mischung aus Rock und Pop auf die zahlenden Gäste, die mit einer Achterbahnfahrt durch vier Jahrzehnte deutsche Popmusik belohnt wurden.

Den Anfang machte Rockmusiker Daniel Wirtz, ehemaliger Frontmann der Band „Sub7even“. „Habt ihr Bock auf Kamikaze und ein bisschen feiern?“, fragt der 43-Jährige das Publikum gleich zu Beginn seines Auftritts. Dann legt er los, Vollgas-Musik mit Power in der Stimme und derben Riffs an der Gitarre. Doch Wirtz kann auch anders: Emotional, mitreißend, fast schon melancholisch performt er seinen Song „Wenn sie diesen Tango hört“. Die Beine übereinandergeschlagen, setzt er sich ganz nah ans Publikum, nur er und die Klänge der Gitarre. Das Publikum ist gerührt.

Doch Wirtz wäre nicht Wirtz, wenn er nicht auch eine Botschaft hätte. „Wir sollten einfach mal rausgehen, in den Park, das Telefon zur Seite legen. Genießt doch mal den Moment“, fordert er seine Zuhörer auf. Mit „Entdeckung der Langsamkeit“ setzt er sein Ansinnen musikalisch um, spricht davon, dem „täglichen Meinungsbrei“ für einen Moment zu entfliehen. Auch politisch nimmt der Vollblut-Musiker kein Blatt vor den Mund. „Wenn wir nicht einfach die Tore schließen und Menschen absaufen lassen, dann wäre das ganz nett“, sagt der Sänger, der mit seinem Hit „Frei“ ein letztes Mal das Publikum mitreißt. (Zum Nachlesen: Der Liveticker an Tag 2 beim Schlossgarten-Open-Air 2018)

Tuchfühlung auf der „kleinsten Bühne der Welt“

Weniger politisch und nachdenklich, dafür umso energiegeladener ging es anschließend bei Nena zur Sache. Die Pop-Queen der Neuen Deutschen Welle lieferte, was sie bereits im Vorfeld versprach, „eine Zeitreise durch vier Jahrzehnte Nena“. Original-Sound aus den 80ern und Hits zum Mitsingen, wie „Nur geträumt“, einem der ersten Kassenschlager der Sängerin, sorgten von Anfang an für ausgelassene Stimmung. In wechselnden Outfits, die von einer weißen Fransenjacke, über einen schwarzen Einteiler bis hin zum rot glitzernden Blazer reichten, hüpfte die 58-Jährige immer wieder über die Bühne und bewies auch nach 40 Jahren im Geschäft, das sie nichts von ihrer jugendlichen Attitüde verloren hat.

Ganz im Gegenteil: Auf der kleinsten Bühne der Welt, einer wenige Quadratmeter großen Stage mitten im Publikum, ging Nena auf Tuchfühlung mit ihren Gästen. „So habe ich damals angefangen“, sagt sie und gibt mit ihrem Song „Berufsjugendlich“, das aus der Feder von Rap-Legende Samy Deluxe stammt, richtig Gas. Viel braucht sie dabei nicht, um das Publikum immer näher an sich ranzuholen – Gitarrist und Percussionist, mehr Platz bietet die kleine Bühne nicht. „Es ist schön, so nah bei euch zu sein“, freut sich die Künstlerin. Im Vollsprint geht es anschließend zurück, ehe sie mit der Hymne der Neuen Deutschen Welle, „99 Luftballons“ und ihren Hits „Leuchtturm“ sowie „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ ihre Ausnahmekarriere im untergehenden Abendlicht musikalisch Revue passieren lässt. (Lesen Sie auch: Schlossgarten-Open-Air – Der Freitag im Zeichen des Punk)

Besucherin stiehlt Sarah Connor die Show

Während auffällig viele Familien aus dem Osnabrücker Umland den Weg in den Schlossgarten gefunden haben, wird die Bühne aufwendig für den Höhepunkt des Abends vorbereitet: Headlinerin Sarah Connor. Die gebürtige Delmenhorsterin lässt nicht lange auf sich warten und bereitet ihren Fans gleich zu Beginn einen warmherzigen Empfang. „Osnabrück, ich bin froh endlich da zu sein. Lasst uns feiern und tanzen“, sagt die Sängerin. „Wir machen jetzt eine kleine Zeitreise.“ Das Publikum ist begeistert. Ein deutsches Liebeslied und eine Hommage von Connors bester Freundin, die sie zu einem Song verarbeitet hat, geben einen Eindruck von Connors musikalischer Range, die seit einigen Jahren bevorzugt auf deutsch singt.

Ihren Durchbruch schaffte die 38-Jährige Anfang der 2000er auf englisch, mit ihrer Single „Let’s Get Back to Bed – Boy!“, ehe sie mit „Bounce“, „From Zero to Hero“ und „From Sarah with Love“ weitere Erfolge feierte. Vor allem die Art, wie Connor mit dem Publikum spielt, kommt gut an. So wird eine Besucherin, die eigentlich nur ein Foto mit der Sängerin machen wollte, zum heimlichen Star des Abends. Zu „Time of my Life“ greift der Gast, der vorher auf die Bühne geholt wurde, selbst zum Mikro und überrascht mit ihrer Stimme nicht nur das Publikum. Die Zuhörer toben und Connor ist sichtlich gerührt.

Im nächtlich anmutenden Flair des Schlossgartens kehrt die Wahl-Berlinerin anschließend zurück zu ihrer Muttersprache. Mit ihrem Song „Keiner ist wie du“, das im Original von Gregor Meyle stammt, und ihrem aktuellen Hit „Wie schön du bist“ sorgt die Sängerin gleich für mehrere Gänsehautmomente. „Ich danke euch für diesen wunderschönen Abend. Es war ein bisschen wie Heimat“, sagt Connor zum Abschied, die unter tosendem Applaus die Bühne verlässt und damit die Zeitreise durch ihre wilde Karriere beendet. (Galerie: Die schönsten Bilder vom zweiten Tag des Schlossgarten-Open-Airs 2018)


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