Mix aus Musik, Text und Comedy Bartsch in der Lagerhalle: Zwischen Anarchie und Melancholie

Von Uta Biestmann-Kotte

Mit seinem Programm „Heiterkeit als Recht auf Freiheit“ gastierte Poetry Slammer Jason Bartsch im Biergarten der Lagerhalle. Foto: Thomas OsterfeldMit seinem Programm „Heiterkeit als Recht auf Freiheit“ gastierte Poetry Slammer Jason Bartsch im Biergarten der Lagerhalle. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. In seinem ersten Soloprogramm „Heiterkeit als Recht auf Freiheit“ präsentierte sich Musiker und Poetry-Poet Jason Bartsch am Samstag im Biergarten der Lagerhalle als ebenso spitzzüngiger wie empfindsamer Slammer.

Der junge Typ mit der Brille und dem Laptop kennt sich mit den Unwägbarkeiten des Lebens bestens aus. Kurzerhand erklärt er den Weihnachtsmann und Mario Barth zu „Märtyrern der Liebe“ und entwirft eine Campus-Szenerie, in der Hochschul-Quidditch auf PVC-Stäben ausgetragen wird. In rasantem Tempo slammt er zudem eine Sportreportage herunter, in der ein Pferd namens Rüdiger über ein Hindernis aus spielenden Kindern springt.

Amüsant, abstrus und nicht frei von anarchistischen Spitzen – so präsentierte sich Musiker und Slam-Poet Jason Bartsch am Samstag mit seinem ersten Soloprogramm „Heiterkeit als Recht auf Freiheit“ beim „Streetpoetry“ im Biergarten der Lagerhalle. Dabei nahm der 23-jährige Bochumer den Titel seines Programms durchaus wörtlich, wenn er etwa die Reaktionen einzelner Zuschauer aufs Korn nahm oder gegen Populismus ebenso klare Kante zeigte wie gegen die Bayern-Tümelei eines Horst Seehofer oder die Hartz-IV-Ansichten eines Jens Spahn.

Auch sanftere Töne

Im Zusammenspiel mit Laptop und Loopmaschine beschwor Jason Bartsch zudem so manchen „Weirder Moment“ der fiktiven Dadaistin Grete Penelope Mars herauf oder machte Zugfahrten mit nervigen Mitreisenden ebenso zum Thema wie Donald Trumps Slang oder den vergessenen Apollo 11-Astronauten Michael Collins, der statt als erster Mensch den Mond zu betreten in der Raumkapsel geblieben war.

Herberts Grönemeyers bekannte Ruhrpott-Hymne wurde von Bartsch zum Song „4478 Bochum“ aktualisiert, in der Spitzen gegen das „Ghetto“ Herne nicht fehlten.

Einen interessanten Nebeneffekt von Bartschs Bühnenprogramm bot die Location vor der Lagerhalle, in der Passanten oder vorüber fahrende Fahrradfahrer wie Statisten von Bartschs heiter-freiheitlicher Welt wirkten. Dass der junge Poetry-Provokateur auch sanftere Töne anschlagen kann, bewies er mit einem Lied über Depressionen und einer Liebeserklärung an seinen Vater, die einmal mehr deutlich machte, wie nahe sich Anarchie und Melancholie stehen können.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN