600 Teilnehmer Osnabrücker demonstrieren für Seenotrettung im Mittelmeer

Von Antonia Wahmhoff

Etwa 600 Teilnehmer gingen am Samstag in Osnabrück auf die Straße, um für sichere Fluchtwege nach Europa zu demonstrieren. Foto: Thomas OsterfeldEtwa 600 Teilnehmer gingen am Samstag in Osnabrück auf die Straße, um für sichere Fluchtwege nach Europa zu demonstrieren. Foto: Thomas Osterfeld

awa Osnabrück. „Stoppt das Sterben im Mittelmeer!“, fordert die Bewegung „Seebrücke Osnabrück“. 600 Menschen gingen am Samstag auf die Straße, um für sichere Fluchtwege nach Europa zu demonstrieren und Solidarität mit den Geflüchteten zu zeigen.

Die „Seebrücke“ protestiert gegen die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung und fordert sichere Fluchtwege nach Europa. Rund 600 Menschen waren dem Aufruf der Bewegung gefolgt.

Die Demonstration startete mm Bahnhof. Hier begrüßten Veranstalterin Renate Vestner-Heise (Flüchtlingshilfe Rosenplatz) und Michael Bünte (Helpage) die Teilnehmer. „1500 Menschen sind in diesem Jahr im Mittelmeer ertrunken. 850 alleine in den Monaten Juni und Juli“, machte Bünte auf die Problematik aufmerksam und kündigte an: „Wir wollen allen denen eine Stimme geben, die sich von der aktuellen Politik der Abschottung Deutschlands und Europas nicht anstecken lassen wollen.“

Demonstranten bekennen Farbe

Vom Bahnhof aus bewegte sich der Zug durch die Innenstadt – und bekannte dabei Farbe. Denn die Demonstranten machten sowohl mit ihrer Kleidung als auch mit Luftballons und Plakaten in der Warnfarbe orange auf sich aufmerksam. Schon im Vorfeld hatten die Veranstalter dazu aufgerufen, als Zeichen der Solidarität mit den Geflüchteten und der Seenotrettung die Farbe der Rettungswesten zu tragen.

„Sichere Wege für Geflüchtete“

Eine Abschlusskundgebung fand auf dem Platz der Deutschen Einheit vor dem Theater statt. Gerrit Schulte, Vorsitzender der Caritas Osnabrück, erinnerte dabei an das christliche Anliegen, Menschen in Seenot zu retten. Viel Beifall bekam auch Najlaa Jlilati. Die gebürtige Syrerin lebt seit 2015 mit ihrer Familie und Osnabrück und arbeitet in der Frauenberatungsstelle. Sie berichtete von der großen Belastung der Frauen, die mit ihren Kindern und älteren Familienangehörigen aus ihren Heimatländern flüchten. „Wir brauchen sichere Wege für Geflüchtete und geschützten Wohnraum für allein reisende Frauen und ihre Kinder“, so Jlilati.

Ansprache an Oberbürgermeister Griesert

Maria Neunteufel von der Initiative „No Lager“ verwies in ihrer Rede auf Städte, in denen die Bürgermeister anbieten, Menschen aus der Seenotrettung aufzunehmen, und richtete ihre Worte direkt an Oberbürgermeister Wolfgang Griesert: „Auch Sie, Herr Griesert, können ein Teil der Seebrücke sein. Osnabrück kann zum sicheren Hafen werden, wenn wir uns dafür einsetzen!“ Tim Zumloh vom Verein „Exil“ kritisierte politisch Verantwortliche für fehlenden Mut und Klarheit und betonte: „Eine echte demokratische Lösung kann nur die Seebrücke sein.“

Die Demo ging vom Bahnhofsvorplatz bis in die Innenstadt. Foto: Thomas Osterfeld

Die bundesweite Bewegung „Seebrücke“ gründete sich Ende Juni. Federführend in Osnabrück sind die Initiative „50 aus Idomeni“, der Verein „Exil“, die Flüchtlingshilfe Rosenplatz und die Gruppen „Griechenland-Solidarität“, „Attac“ und „Refugee Law Clinic“. Der Aufruf zur Demonstration wurde unterstützt vom Caritasverband der Diözese Osnabrück, dem Bistum Osnabrück, dem Aktionszentrum Dritte Welt, Help Age e. V., DGB und IG Metall.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN