Fiddler‘s Green, Donots, Dropkick Murphys Schlossgarten-Open-Air: Der Freitag im Zeichen des Punk

Von Frederik Tebbe


Osnabrück. Die vierte Auflage des Schlossgarten Open Airs feierte am Freitagabend mit etwa 8000 Gästen ihren lauten Einstieg: Mit Fiddler‘s Green, den Donots und Dropkick Murphys zeigte sich dieser im Zeichen des Punk und Rock mit verzerrten Gitarren, rauen Gesängen – und jeder Menge Irish Folk.

Es ist ein typischer Donots-Moment: Irgendwer auf der Bühne sagt, was ihm gerade in den Sinn kommt – und das Publikum setzt es ohne zu zögern in die Tat um. Als während der Show der Ibbenbürener Punk-Band ein Schuh auf die Bühne geworfen wird, bitten die Musiker darum, doch auch bitte den dazugehörigen Fuß zu sehen. Und Sänger Ingo Knollmann spinnt es gleich weiter: „Zeigt doch mal alle eure Füße! Wir wollen alle Füße statt alle Hände sehen!“ Einen kurzen Moment später lassen sich die ersten Fans von ihren Freunden kopfüber in die Höhe stemmen. Die Band muss lachen. „Und jetzt alle klatschen!“ Und die auf dem Kopfstehenden tun es – mit ihren Füßen.

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Das Publikum auf links krempeln

Die Donots sind im Grunde dafür geschaffen, Festivals wie das Schlossgarten Open Air zu spielen. Sie benötigen vielleicht anderthalb Lieder, um ein Publikum jeglicher Größenordnung auf links zu krempeln und danach fressen die Leute ihnen aus der Hand. Das liegt an ihren ebenso eingängigen wie tanzbaren Songs, die aber Attitüde und Haltung haben – und am Charisma und der Spielfreude der Band, die all das seit bald 25 Jahren macht. In Osnabrück kehren die Donots für gewöhnlich nicht im Sommer ein – sie spielen dort sonst jährlich ihr Jahresabschlusskonzert zwischen Weihnachten und Silvester im Rosenhof. Doch es ist schön, dass das Schlossgarten Open Air nach vergangenen Auflagen, die eher im Pop verortet waren, sich mit den Donots quasi Lokalmatadoren nimmt und einen Tag im Zeichen des Punkrock veranstaltet.

Heimvorteil

Die Donots spielen ihr Set zwischen Fiddler‘s Green und Dropkick Murphys. Bands, die Irish Folk mit Rock beziehungsweise Punk und Oi kombinieren. Die Donots sind also im Grunde die Exoten im Line Up, spielen aber ein hervorragendes Festival-Set, in dessen Fokus hauptsächlich ihre letzten beiden, deutschsprachigen Alben „Karacho“ und „Lauter als Bomben“ stehen. Und sie nutzen den Heimvorteil: Ingo Knollmann erzählt, wie er selbst mal einige Zeit in Osnabrück gewohnt hat und sagt Dinge, die Frontmänner dieser Größenordnung für gewöhnlich nicht sagen. Etwa: „Ich will, dass ihr einen Circle Pit bis nach Hasbergen bildet, und ihr einen bis nach Bünde.“ Und sein Bruder und Gitarrist Guido Knollmann lädt gleich das halbe Festival in seinen Vorgarten daheim in Ibbenbüren ein. Es sind ausgelassene 75 Minuten, in denen die Band aber auch ernste Aspekte setzt und gegen Nazis mobilisiert oder etwa auf die Organisation Help Age aufmerksam macht, die auf dem Festival Becherpfand sammelt und dessen Erlöse der Flüchtlingshilfe zukommen lässt.

„I‘m Shipping Up To Boston“

Im Anschluss an die Donots wird es mit den Headlinern Dropkick Murphys wesentlich derber. Die Band aus Boston – breiteren Kreisen vor allem bekannt geworden mit ihrem Hit „I‘m Shipping Up To Boston“, der der Soundtrack zu Martin Scorseses „The Departed“ mit Jack Nicholson, Matt Damon und Leonardo DiCaprio war – spielt ihren Mix aus Irish Folk und rauem Straßenpunk vor einem begeisterten Publikum. Die Band prügelt sich quer durch ihre 22-jährige Karriere. Die Menge tobt, Fans lassen sich über die Menge tragen, werden von den Security-Leuten vor der Bühne aufgefangen – und springen direkt wieder zurück in die Menschenmasse, um weiterzufeiern. Das Bier läuft – bei Bedarf übrigens in stattlichen Ein-Liter-Bechern auf dem Festival serviert – und die Stimmung ist super.

Irische Traditionals

Vorbereitet haben dies zu Beginn des Abends Fiddler‘s Green. Der Folk-Rock der Band aus Erlangen ist weniger dreckig als der von Dropkick Murphys. Neben eigenen Kompositionen interpretieren sie irische Traditionals, grundsätzlich klingen sie noch wesentlich traditioneller als ihre amerikanischen Kollegen. Etwa mit Geige und Akkordeon ausgestattet wecken Fiddler‘s Green das Bedürfnis, dass jetzt dringend ein Pint Guinness oder Kilkenny oder am besten gleich eine handbreit Whiskey ausgeschenkt werden sollte. Für den Shanty „John Kanaka“ lassen sie extra einen kleinen Tresen auf der Bühne aufbauen und nutzen Bierbecher als Percussion. Ein stimmiger Auftakt, für das, was danach kommt.

Kühle Brise

Generell hat das Schlossgarten Open Air aber Glück mit dem Wetter: Nach den Wochen der Hitze ist es ideal, dass es am Tag zuvor geregnet hat. Es weht eine kühle Brise über das Gelände an der Uni, es ist warm genug, um sommerlich gekleidet zu sein und kühl genug, um nicht zu viel zu schwitzen. Das gelingt dafür hervorragend im Mosh-Pit im Publikum – beim Tanzen und beim Gröhlen, beim Zuprosten und Applaudieren. Das Schlossgarten Open Air steht am Freitag im Zeichen von Rock und Punk – und das steht dem Festival ausgezeichnet.


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