Crew-Mitglied der „Mein Schiff 6“ Der Traumjob einer Osnabrückerin auf hoher See

Von Antonia Wahmhoff


awa Osnabrück. Die große weite Welt kennenzulernen, davon träumte Annika Richter schon früh. Nach ihrem Abschluss heuerte sie auf einem Kreuzfahrtschiff an und verwirklichte sich diesen Traum. Mit der „Mein Schiff 6“ war sie in den Häfen dieser Welt unterwegs. Nach ihrem ersten sechsmonatigen Aufenthalt erzählte sie uns von ihren Erfahrungen.

„Das Reisefieber hat mich schon früh gepackt“, sagt Annika Richter und lacht. Sechs Monate lebte und arbeitete sie zuletzt auf einem Kreuzfahrtschiff. Was für die einen unvorstellbar wäre, ist für die Osnabrückerin ein Traumjob. Nach ihrem Fachabitur am Wirtschaftsgymnasium machte die jetzt 22-Jährige eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, zunächst in Boppard in Rheinland-Pfalz, dann im Steigenberger-Hotel Remarque in Osnabrück. „Danach wollte ich was ganz Neues ausprobieren“, sagt Richter.

Kurzerhand ging sie nach Südtirol, um in der Nähe von Meran auf einer Alm zu arbeiten. „Schafställe ausmisten und Hühner füttern gehörte zur Tagesordnung“, erinnert sie sich. Doch nicht genug mit dem Kontrastprogramm: Noch während ihres Aufenthalts auf dem auf 1800 Metern gelegenen Bauernhof in den Alpen bewarb sie sich als Rezeptionistin auf einem Kreuzfahrtschiff. Auf ein Bewerbungsgespräch in Salzburg folgte die Zusage. Die junge Frau meldete sich wohnsitzlos und bestieg wenig später die „Mein Schiff 6“. Von Jamaika aus startete sie ihre erste Mittelamerika-Route: Mexiko, Belize, Panama, Costa Rica, Honduras, Kolumbien, Dominikanische Republik. Jeden Tag ein anderer Hafen.

„Ansprechpartner für alles“

An Bord kümmerte sich Richter als Rezeptionistin um jegliche Anliegen der Passagiere. „Wir waren Ansprechpartner für alles“, sagt sie und erzählt von Gästen mit Internetproblemen, Urlaubern mit Seekrankheit oder auch einem mitreisenden Teddy, der einen Stempel für seinen persönlichen Reisepass benötigte. Untergebracht war die gelernte Hotelfachfrau in einer Einzelkabine – mit Bett zum Herunterklappen. Das Bad teilte sie sich mit einer Kollegin. Die Enge sei für sie kein Problem gewesen. „Ich war eher positiv überrascht, dass ich ein Zimmer für mich allein hatte“, erinnert sie sich.

Später ergab sich für die 22-Jährige eine Jobveränderung an Bord. Sie wechselte von der Rezeption in den Unterhaltungsbereich, genauer in die Position des „Infotainment and Guest Artist Administrator“. Mit dieser komplizierten Berufsbezeichnung war Richter dafür zuständig, Veranstaltungen zu koordinieren und Künstler zu betreuen.

„Kein Land in Sicht“

Von Mittelamerika aus ging es dann in den Mittelmeerraum. Die Überfahrt dauerte 16 Tage. Zwischen der karibischen Insel St. Martin und dem portugiesischen Madeira hieß es für sechs Tage: „Kein Land in Sicht“. Bekommt man nicht ein mulmiges Gefühl, wenn man so lange ausschließlich von Wasser umgeben ist? „Nein“, sagt Richter. „Ich habe mich immer sehr sicher gefühlt.“ Jeder Einsatz an Bord starte für die Crew mit einem intensiven Sicherheitstraining. „Dabei werden alle Eventualitäten durchgespielt.“

Die „Autobahn“ der Crew

Die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes bestehe aus rund 1000 Angestellten. „Es kommen Menschen aus 52 Nationen zusammen“, berichtet Richter. Die Kommunikation laufe weitgehend über die Bordsprache Englisch. „Alle haben ihre eigene Geschichte. Das war sehr inspirierend.“ Die Crewmitglieder verbinde natürlich die Reiseaffinität – offenbar eine Grundvoraussetzung für die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff. „Die Stimmung untereinander ist einzigartig und nicht mit dem Arbeiten an Land zu vergleichen“, erzählt sie begeistert. Man lebe wie in einer großen Familie zusammen und schließe schnell Freundschaften. Auf der „Autobahn“ – einem langen Gang, der sich im für die Passagiere nicht zugänglichen Crew-Bereich durch das ganze Schiff zieht –, würden sich alle untereinander grüßen.

Sieben Tage die Woche arbeiten, nur knappe Zeitfenster, um das große Schiff für einen Passagierwechsel vorzubereiten – kann man unter diesen Bedingungen die Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff überhaupt genießen? Richter bejaht. Wenn man während einer Pause auf einer Sonnenliege auf dem Crew-Deck oder bei Landgang sogar an einem Traumstrand liegen kann, fühle sich das kurzzeitig an wie Urlaub.

Neue Route nach kurzem Heimaturlaub

Nun war die 22-Jährige für zwei Wochen auf Heimaturlaub in Osnabrück. Die Zeit hat sie vor allem dazu genutzt, Familie und Freunde zu besuchen. Viel Zeit zum Verschnaufen blieb allerdings nicht. Denn schon an diesem Wochenende geht es für die Osnabrückerin wieder los: In Kiel steigt sie auf die neue „Mein Schiff 1“ auf, die erst im Frühjahr getauft wurde. In der Premierensaison gehen die Fahrten ins Nordland und zu den Kanaren.

Und wie es dann weitergeht? Richter hat keine festen Pläne, sondern möchte die Zukunft auf sich zukommen lassen. „Mein großer Wunsch wäre es, eine Route in Asien zu begleiten“, schwärmt sie. „Da der Ablauf auf dem Schiff jedoch sehr schnelllebig ist, plane ich noch nicht so weit.“ Dennoch scheint eines sicher zu sein: Neben dem Reisefieber hat die junge Frau auch ein akuter Kreuzfahrt-Virus erwischt.


Die „Mein Schiff 6“ gehört zur Kreuzfahrtflotte von TUI Cruises. Als vierter Neubau der Reederei ist sie seit Mai 2017 im Einsatz. 2534 Passagiere sind für das fast 300 Meter lange Schiff zugelassen.

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