Bundesbehörde ermittelt Flugbetrieb nach tödlichem Unfall am FMO wieder aufgenommen

Von Sebastian Philipp

Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) haben am Donnerstag die Ermittlungen rund um den Flugzeugabsturz am FMO aufgenommen. Foto: Ina Fassbender/dpaMitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) haben am Donnerstag die Ermittlungen rund um den Flugzeugabsturz am FMO aufgenommen. Foto: Ina Fassbender/dpa

Greven. Am Tag nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs am Flughafen Münster/Osnabrück hat sich der Flugbetrieb wieder normalisiert. Derweil hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung Ermittlungen aufgenommen. Die Ursachenforschung könnte jedoch Monate in Anspruch nehmen.

Am Donnerstagmittag war ein Kleinflugzeug aus den Niederlanden beim Landeanflug auf den Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) verunglückt. Die zweimotorige Maschine überschlug sich dabei und blieb rücklings neben der Start- und Landebahn liegen. Für beide Insassen – einen 59 Jahre alten Mann aus Recklinghausen und einen 64-Jährigen aus den Niederlanden – kam jede Hilfe zu spät.

Flugbetrieb für Stunden ausgesetzt

Während der Rettungs- und Bergungsarbeiten ruhte der Flugbetrieb am FMO für mehrere Stunden. Flüge zum und vom Grevener Airport wurden nach Bremen und Paderborn umgeleitet, innerdeutsche Verbindungen teilweise annulliert. Erst gegen 19.30 Uhr wurde die Start- und Landebahn wieder freigegeben. 

Am Freitag hat sich der Flugbetrieb nach Angaben von FMO-Sprecher Andrés Heinemann wieder normalisiert. Lediglich eine Maschine der Fluggesellschaft Germania werde heute noch eine Verspätung von etwa 1,5 Stunden haben. Mitten in der Hauptsaison kehrt der FMO somit – zumindest was den Flugplan angeht – wieder zur Normalität zurück. 

Braunschweiger Behörde ermittelt

Für die Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat die Arbeit dagegen erst begonnen. Ermittler der Behörde trafen noch am Donnerstagnachmittag am Unglücksort ein – ein übliches Vorgehen, wie Sprecher Germout Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. Die BFU kommt immer dann ins Spiel, wenn sich Unfälle mit Flugzeugen ereignen. Allerdings müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Ermittlungen bei Unfällen mit Leichtflugzeugen werden beispielsweise von der BFU erst dann aufgenommen, wenn Menschen ums Leben gekommen sind. "Ansonsten untersuchen wir alles bis hin zu schweren Unglücken mit großen Linienmaschinen – auch wenn solche Fälle zum Glück eher selten passieren", sagt Freitag. Seine Behörde war auch an den Ermittlungen zum Absturz einer Germanwings-Maschine in den Alpen beteiligt. 

Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) haben am Donnerstag die Ermittlungen rund um den Flugzeugabsturz am FMO aufgenommen. Foto: Ina Fassbender/dpa

Die BFU ist laut Freitag rund um die Uhr besetzt. "Das unterscheidet uns vielleicht von anderen Behörden. Wir haben eine Rufbereitschaft, unsere Untersucher sitzen quasi stets auf gepackten Koffern." Im Fall des FMO-Unglücks griffen am Donnerstag die Mechanismen: Nach der Meldung des Unglücks entschied die Behördenleitung schnell, dass Untersuchungen vor Ort vorgenommen werden müssen. Die Unfallstelle muss dabei für die BFU-Mitarbeiter unangetastet bleiben, damit mögliche Spuren nicht unwiederbringlich verloren gehen. "Die Unfallstelle geben wir Hand in Hand mit der jeweiligen Staatsanwaltschaft erst dann frei, wenn Spuren gesichert sind", erklärt Freitag. 

Ermittler greifen auf Routinen zurück

Die Ermittler der BFU folgen gewissen Routinen bei der Untersuchung von Flugzeugwracks: Gibt es Reifenspuren? Wie liegen die Leichen der Opfer? Gibt es offenkundige technische Defekte am Flugzeug? All das dokumentieren die BFU-Mitarbeiter mit Fotos und Notizen. "Eine wichtige Frage ist auch, ob alles das am Unfallort liegt, was auch zum Flugzeug dazugehört. Oder fehlt vielleicht eine Tragfläche", sagt Freitag.


Die FMO-Flüge nach Varna und Palma de Mallorca wurden am Donnerstag umgeleitet. Passagieren standen für den Transport Reisebusse zur Verfügung. Foto: Andre Partmann


Etwa zwei bis drei Tage benötigen die Ermittler in der Regel für die Bestandsaufnahme vor Ort – manchmal ist das eine richtige Spurensuche, sagt Freitag. Momentan lagert das Wrack vom FMO-Unfall in einer Halle auf dem Flughafengelände. Relativ zeitnah soll entschieden werden, ob Teile des gecrashten Flugzeugs in die BFU-Zentrale gebracht werden oder gar das komplette Wrack. Die Detailarbeit findet in den kommenden Wochen dann in Braunschweig statt. Experten der BFU fertigen in Kleinstarbeit einen Zwischenbericht an. "Das ist im Grunde eine Aneinanderreihung von Fakten und das Ergebnis der Dokumentation", erklärt Freitag. 

Drei Faktoren maßgeblich

Im Fokus der Betrachtung stehen dabei grundsätzlich drei Faktoren: der Mensch, die Maschine und die Umwelt. Ist der Pilot flugtauglich gewesen? War die Maschine gewartet? Welche Rolle könnte das Wetter bei einem Unglück gespielt haben? Diesen und anderen Fragen gehen die Ermittler nach. 

Etwa sechs bis acht Wochen nach dem Unglück werden die Ergebnisse des Zwischenberichts in einem regelmäßig erscheinenden Bulletin der Behörde veröffentlicht. Anschließend erfolgt die Bewertung, was ursächlich für das Unglück gewesen sein könnte.

Mit einem schnellen Ergebnis ist laut Freitag nicht zu rechnen. Hintergrund: Am Untersuchungsbericht sind zahlreiche andere Stellen beteiligt. Außerdem pflegt die BFU laut Freitag hohe Qualitätsstandards. Möglicherweise ist somit erst in zwölf Monaten klar, wieso das Kleinflugzeug am Donnerstag am FMO verunglückte – wenn überhaupt eine konkrete Ursache benannt werden kann. 

Rund 250 Fälle pro Jahr untersucht die Braunschweiger Behörde im Jahr. Dazu kommen laut Freitag noch etwa 50 bis 100 sogenannte "schwere Störungen", also Beinahe-Unfälle. 38 Mitarbeiter sind bei der BFU beschäftigt, sie kommen aus unterschiedlichen Fachrichtungen, wie Freitag betont. "Wir haben natürlich viele Ingenieure aus verschiedenen Bereichen, die meistens ein Spezialgebiet besitzen." Dazu kommen die sogenannten Untersucher – also quasi freie Mitarbeiter, die kurzfristig zur Begutachtung von Unfallstellen herangezogen werden. 



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