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Harte Bedingungen Vorerst kein Geld für neue Schleusen am Osnabrücker Stichkanal

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Die Hollager Schleuse ist 82 Meter lang und damit nicht lang genug für die Frachtschiffe der nächsten Generation. Foto: Gert WestdörpDie Hollager Schleuse ist 82 Meter lang und damit nicht lang genug für die Frachtschiffe der nächsten Generation. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der Ausbau der Schleusen im Osnabrücker Stichkanal rückt in weite Ferne. Das Verkehrsministerium erwartet, dass der Warenumschlag im Osnabrücker Hafen zuvor verdoppelt wird.

Das geht aus dem Protokoll einer vertraulichen Sitzung hervor, an der im Februar je ein Vertreter der Stadtwerke, des Kreises, der Stadt, die CDU-Bundestagsabgeordneten Mathias Middelberg und Georg Schirmbeck, der parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), und Mitarbeiter des Ministeriums teilnahmen.

Hat der Osnabrücker Hafen eine Zukunft?
Ferlemann bekräftigte den Willen des Bundes, den Mittellandkanal einschließlich der Stichkanäle auszubauen. Dazu sei die Bundesregierung vertraglich und moralisch verpflichtet. Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes machte deutlich, dass Stadt und Landkreis klar zum leistungsgerechten Ausbau des Stadthafens stehen. Für die Wirtschaft der Region sei der Hafen mit zwei sich ergänzenden Standorten in Osnabrück und Bohmte „von hoher Wichtigkeit“.

Welche Bedingungen stellt das Ministerium?
Beim Ausbau der Schleusen Hollage und Haste reagierten die Experten aus dem Verkehrsministerium verhalten: Die Region müsse „eine Perspektive aufzeigen“, dass die heutige Tonnage auf der Wasserstraße nicht sinke. Das Ministerium gehe davon aus, dass längerfristig die Verladung von Steinen zurückgehen werde.

Ein Mitarbeiter des Verkehrsministeriums wird mit den Worten zitiert: Es würde sicherlich Probleme bereiten, den Neubau der Schleusen zu rechtfertigen, wenn die Tonnage unterhalb von einer Million Tonnen im Jahr liege. Dann würde es „besonderer Begründungen bedürfen, insbesondere im Vergleich zu anderen Stichkanälen und entsprechenden Schleusenvorhaben“.

Lässt sich die Tonnage verdoppeln?
Eine Million Tonnen Umschlag – das ist ein ehrgeiziges Ziel. Bislang werden im Schnitt jährlich eine halbe Million Tonnen umgeschlagen, im vergangenen Jahr waren es 565 000 Tonnen. Es sind vor allem Massengüter wie Schrott, Öl und Steine.

Die Tonnage zu verdoppeln „ist nicht absehbar“, sagt Werner Tegeler, künftiger Geschäftsführer der Eisenbahn- und Hafen-Betriebsgesellschaft Region Osnabrück (EHB). Es stünden zwar Erweiterungsflächen im Hafengebiet zur Verfügung, so Tegeler. „Ich würde aber keine Prognose wagen, ob oder wann eine Firmenansiedlung realisiert werden kann.“

Warum müssen die Schleusen ausgebaut werden?
Der Stichkanal ist gerade für 40 Millionen Euro ausgebaut worden. Er ist jetzt breit genug für moderne Großmotorgüterschiffe (GMS). Das Problem: Die beiden Schleusen sind zu kurz. Die 2000 Tonnen fassenden GMS sind 110 Meter lang, die Becken der alten Schleusen aber nur 82 Meter. Ältere Binnenschiffe passen zwar hinein, aber die Zahl der Frachter dieser Größenordnung nimmt ab. Die Planer gehen von rund 120 Millionen Euro für die Verlängerung der Schleusenbecken aus. Bund und Land teilen sich die Kosten der Schleusen im Verhältnis 93 zu sieben Prozent. Die beiden Schleusen sind in tadellosem Zustand und halten nach Expertenmeinung noch Jahrzehnte.

Sollen Betriebe von Osnabrück zum Hafen Bohmte umgesiedelt werden?
Die Region sagt eindeutig Nein. In Erwägung gezogen worden war eine Verlegung des Schrottumschlags für das Stahlwerk Georgsmarienhütte an einen künftigen Hafenergänzungsstandort Bohmte. Die Osnabrücker Vertreter bezeichneten das als „absolut indiskutabel“. Der Hafen Osnabrück sei für die weitere Zukunft der Georgsmarienhütte GmbH unabdingbar und müsse weiterentwickelt werden.

Könnte eine Absenkung des Wasserspiegels auch die Kosten senken?
Ein Experte aus dem Verkehrsministerium brachte den Gedanken ins Spiel, den Wasserspiegel im Kanal zu senken und dadurch eine Schleuse einzusparen. Das solle ingenieurtechnisch geprüft werden. Nach dem Urteil des künftigen Hafen-Geschäftsführers Werner Tegeler keine gute Idee. Der Höhenunterschied zwischen Hafen und Mittellandkanal beträgt neun Meter. Den Wasserspiegel im Osnabrücker Hafen um 4,50 Meter abzusenken sei unmöglich.

Wird der Stichkanal zum „Randnetz“ abgestuft?
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg gibt Entwarnung: Die angestrebte Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) werde keine Auswirkungen auf die Entwicklung des Stichkanals haben. Er widersprach damit Aussagen seines SPD-Kollegen Martin Schwanholz, der eine Abstufung des Stichkanals in die Fünftklassigkeit befürchtet. Der Stichkanal würde damit zum „Randnetz“ gehören, für das keine Investitionsmittel mehr bereitgestellt werden sollen.

Für den Mittellandkanal gelte ein Regierungsabkommen, das der Bund mit den Ländern 1965 geschlossen habe, sagte Middelberg. Darin seien die Ausbaumaßnahmen unter Mitfinanzierung der Länder festgeschrieben worden. „Schon deshalb kann der Bund sich da nicht einseitig herausstehlen.“


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