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Solarausbau stark verlangsamt Jetzt 500 Kilowatt: Osnabrücker Bürger-Energiegenossenschaft „nwerk“ nimmt elfte Anlage in Betrieb

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<em>Über ein neues Sonnenkraftwerk</em> auf dem Schuldach freuen sich (v.l.) Boris Pistorius, Thomas Salz, Reinhard Ernst, Otto Wetzig, Daniela Frühauf, Detlef Gerdts, Thilo Knauer und Alois Plüster. Foto: Egmont SeilerÜber ein neues Sonnenkraftwerk auf dem Schuldach freuen sich (v.l.) Boris Pistorius, Thomas Salz, Reinhard Ernst, Otto Wetzig, Daniela Frühauf, Detlef Gerdts, Thilo Knauer und Alois Plüster. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Nach der explosionsartigen Entwicklung der Sonnenstrom-Kraftwerks-Kapazitäten in Osnabrück verzeichnet die Stadt inzwischen einen abrupten Einschnitt. Grund sei die Unsicherheit bei den Förderbedingungen. Die schrecke Investoren derzeit ab, hieß es jetzt bei der Inbetriebnahme einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule „In der Wüste“.

Die Anlage auf dem Schuldach ist die 11. Fotovoltaikanlage der Bürger-Energiegenossenschaft nwerk . Sie hat eine Leistung von 72 kWp und einen Jahresertrag von vermutlich 61000 kWh. Sie erhöht die Stromproduktion der nwerk-Genossenschaft auf 500 kWp, ausschließlich installiert mit Handwerksbetrieben der Region. Vorstandsvorsitzender Otto Wetzig malte das aktuelle Bild der Sonnenstrom-Branche in der Region mit dunklen Wolken: „Aufgrund der seit Ende Februar dieses Jahres andauernden Verunsicherung hinsichtlich der zukünftigen Vergütung für Strom aus Sonnenenergie befindet sich auch die Osnabrücker Fotovoltaikbranche in der Krise. Erste Unternehmen mussten bereits Arbeitnehmer entlassen oder gar Insolvenz anmelden.“

Oberbürgermeister Boris Pistorius wies auf die Bedeutung der Fotovoltaik als Bestandteil der Energiewende hin. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Osnabrück, die aus den von Wetzig beklagten Gründen auf die Errichtung einer großen Flächenanlage in Hellern verzichtet haben – aus finanziellen Gründen. Pistorius fordert einen „Marshallplan für die Energiewende“, um für Investoren Planungssicherheit herzustellen und auf allen Gebieten der regenerativen Energien voranzukommen. Die aktuellen Regelungen öffneten jedenfalls den Markt weit für chinesische Importprodukte.

So wie die Anlage auf dem Schuldach in der Wüste auch. Otto Wetzig sagte, dass die Genossenschaft hier erstmals auf chinesische Module zurückgegriffen habe. Bisher habe der nwerk-Vorstand immer mit Bauteilen aus deutscher oder europäischer Herstellung gearbeitet. Dass die Osnabrücker nicht die Einzigen sind, die aus finanziellen Gründen auf China-Importe zurückgreifen, hätten einige deutsche Hersteller schmerzhaft zu spüren bekommen. So habe sich zum Beispiel der traditionsreiche Hersteller Schott aus dem Solargeschäft zurückgezogen. 1100 Arbeitsplätze fielen damit weg.

Thomas Salz, Vorstandsmitglied der Sparkasse Osnabrück, bestätigte die Verunsicherung der Investoren in der Region. Bereits im Februar hätten einzelne Kreditnehmer einen Rückzieher gemacht, obwohl sie bereits die Förderzusage für die von ihnen geplante Fotovoltaikanlage hatten. Aber die Verunsicherung sei so groß gewesen, dass sie selbst dieser amtlichen Bestätigung für die zu erwartende Einspeisevergütung misstraut hätten.

Detlef Gerdts, Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt, bedauert die aktuelle Lage. Seit 2008 hat sich die theoretische Maximalleistung der in Osnabrück installierten Sonnenkraftwerke von knapp 2700 Kilowatt (kWp)auf rund 13000 kWp erhöht. Gerdts: „Seit April ist fast nichts mehr dazugekommen.“ Das Fernziel bleibe jedoch, alle geeigneten Dachflächen in Osnabrück mit Fotovoltaik zu bestücken und damit die Stromproduktion von derzeit 13 Millionen Kilowattstunden (kWh) auf knapp 270 kWh zu verzwanzigfachen. Damit wäre mehr als der Bedarf aller Osnabrücker Haushalte gedeckt.

Steigende Strompreise könnten aber dafür sorgen, dass auch künftig in Fotovoltaik investiert wird. Hierzu müsse aber noch Stromspeichertechnik weiterentwickelt werden, die es erlaubt, mehr vom Strom vom eigenen Dach selbst zu verbrauchen.


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