Umfrage in der Innenstadt So denken die Osnabrücker über die allgemeine Dienstpflicht

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Auch in Alten- und Pflegeheimen könnten junge Leute künftig eingesetzt werden – nicht auf freiwilliger Basis, sondern als Teil einer allgemeinen Dienstpflicht, die die derzeit ausgesetzte Wehrpflicht ersetzen könnte. (Foto: imago/wolterfoto)Auch in Alten- und Pflegeheimen könnten junge Leute künftig eingesetzt werden – nicht auf freiwilliger Basis, sondern als Teil einer allgemeinen Dienstpflicht, die die derzeit ausgesetzte Wehrpflicht ersetzen könnte. (Foto: imago/wolterfoto)

Osnabrück. Sollte eine Dienstpflicht eingeführt werden? Oder sollte man jungen Menschen nach der Schule die Wahl lassen, sich freiwillig zu engagieren? Die Osnabrücker in der Fußgängerzone haben dazu eine klare Meinung.

Gerade junge Menschen wären von einer Dienstpflicht direkt betroffen. Die 19-jährige Leonie Clausjürgens findet aber, dass man mit Zwang nie weit kommt: "Wenn man den Anreiz für ein freiwilliges Jahr erhöhen würde oder mehr Werbung dafür macht, hilft das schon." Falls aber doch eine Dienstpflicht eingeführt werde, solle er in sozialen Einrichtungen wie Kinderdörfern oder Altenheimen abgeleistet werden, damit der Dienst der Gesellschaft zugute kommt.



Leonie Clausjürgens findet, man sollte nichts erzwingen. Foto: Oliver Wichmann




Der 20-jährige Roderich Wildfeuer findet eine freiwillige Arbeit für den Staat grundsätzlich gut, hält eine Wehrpflicht aber nicht für notwendig, da die Bundeswehr nur für die Verteidigung da sei und nicht für fragliche Auslandseinsätze. Ein verpflichtendes Engagement im sozialen Bereich hält er aber für eine gute Alternative, da viele direkt nach der Schule studieren gehen, ohne die Arbeitswelt kennengelernt zu haben. Seine Freundin Tina Kersten, 21, hat allerdings Bedenken bei der Motivation der jungen Menschen, wenn der Dienst verpflichtend ist. "Wenn man dazu gezwungen wird, fängt man das Jahr mit dem Gedanken an, nur möglichst schnell wieder fertig zu sein." 


Roderich Wildfeuer und seine Freundin Tina Kersten beleuchten das Thema von mehreren Seiten. Foto: Oliver Wichmann


Die 60-jährige Angelika Kogge-Pelke würde an der Freiwilligkeit der Dienste festhalten. "Ich denke, dass sich die Leute dann nochmal intensiver dafür entscheiden." Sie wünscht vielen Jugendlichen, dass sie die Möglichkeit für ein freiwilliges Jahr ergreifen, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Auch bei der Bundeswehr hält sie die Freiwilligkeit für sinnvoll.



Angelika Kogge-Pelke findet es sinnvoll, die Dienste auf freiwilliger Basis zu belassen. Foto: Oliver Wichmann


Von einer Wehrpflicht hält Birgit Schlüß nichts, begrüßt aber ein verpflichtendes Jahr für alle Schulabgänger im Sozialen Bereich. Die 56-Jährige arbeitet in einer Bank und ist dort für die Azubis zuständig. "Ich habe die Erfahrung gemacht, das viele junge Menschen erstmal eine Ausbildung anfangen, ohne zu wissen, was sie überhaupt wollen, und dann häufig nochmal in eine ganz andere Richtung wechseln. Um sich selber erstmal zu festigen und zu stärken, macht ein Dienst durchaus Sinn."


Birgit Schlüß findet für Schulabgänger ein verpflichtendes Jahr im Sozialen Bereich sinnvoll. Foto: Oliver Wichmann


"Das ist ein sehr kompliziertes Gebiet", sagt Lothar Ramp. Er hält es für schwierig eine gerechte Lösung zu finden. "Es gibt viele junge Menschen, die erstmal was für die Allgemeinheit machen sollten und sich danach ihrer weiteren Berufsausbildung widmen können. Der 68-Jährige hält aber die Organisation für schwierig, damit auch wirklich alle erfasst werden und sich keiner drücken kann, wie es früher beim Wehrdienst der Fall gewesen sei. Dass die jungen Menschen quasi zum Dienst für die Allgemeinheit gezwungen werden, hält er nicht für bedenklich. "Wenn man weiß, dass es jeden gleich betrifft, ist die Bereitschaft wahrscheinlich höher." Die Wehrpflicht sollte allerdings nicht wieder eingeführt werden. "Man kann niemanden dazu zwingen eine Waffe in die Hand zu nehmen."


Lothar Ramp findet eine gerechte Lösung wichtig, die alle betrifft. Foto: Oliver Wichmann



Christian Schindlbeck hat nach der Ausbildung selber einen Zivildienst gemacht und möchte diese Zeit nicht missen. "Man lernt viele neue Leute kennen, sammelt wertvolle Erfahrungen und macht was Sinnvolles." Der 46-Jährige glaubt, dass ein verpflichtender Dienst einigen nicht schaden würde. "Gerade die Familienkutschen-Generation lernt dann mal wieder etwas Disziplin, das würde der Gesellschaft gut tun."


Christian Schindlbeck findet, dass den jungen Menschen etwas Disziplin nicht schaden würde. Foto: Oliver Wichmann



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