Lärmschutz Schlossgarten-Open-Air: So laut wie ein Presslufthammer

Von Benjamin Havermann

Lärm bis in die tiefe Nacht? Christoph Hengholt, Veranstalter des Schlossgarten-Open-Airs, versichert, dass ab 23 Uhr die Musikanlage schweigt. Archivfoto: Katharina LeuckLärm bis in die tiefe Nacht? Christoph Hengholt, Veranstalter des Schlossgarten-Open-Airs, versichert, dass ab 23 Uhr die Musikanlage schweigt. Archivfoto: Katharina Leuck

Osnabrück. Am Freitag beginnt das Schlossgarten-Open-Air und bietet mit Nena und Sarah Connor hochkarätige Acts auf der Bühne. Wer keine Karte hat, aber in der Nähe wohnt, wird dies auch so mitkriegen – ob er will oder nicht. Was wird für den Lärmschutz getan?

Die meisten Vorbereitungen sind mittlerweile abgeschlossen. Die Bühne hinter dem Schloss steht und die Musikanlage bekommt noch die letzten Einstellungen. Die Festival-Besucher können sich also auf ein gut organisiertes und musikalisch aufregendes Wochenende freuen. Ob sich alle Anwohner aber genauso darüber freuen, ist fraglich.

„Wir bemühen uns, den Lärmpegel für die Anwohner so angenehm wie möglich zu halten“, sagt Veranstalter Christoph Hengholt von der Firma Goldrush. Man halte sich an alle rechtlichen Vorgaben und habe in der Vergangenheit auch keine Beschwerden vernommen. (Weiterlesen: Christoph Hengholt zieht die Strippen)

Ausnahmeregelung von der Stadt

Wie laut ein Konzert sein darf, regelt die Freizeitlärmrichtlinie. „Normalerweise ist zu den umliegenden Wohngebieten der Immissionsrichtwert von 70 Dezibel zur Tageszeit einzuhalten“, sagt Stadt-Sprecher Simon Vonstein. Das ist etwa so laut wie ein Auto, das 60 Kilometer pro Stunde fährt. Für die Nachtzeit hat die Stadt eine Ausnahmeregelung bewilligt, wonach diese um eine Stunde verschoben wurde. Nach 23 Uhr darf es somit nicht lauter sein als 55 Dezibel.

Während der Musikeinlagen wird es aber deutlich lauter. So gilt bei den Vorgruppen (von 18 bis 20.30 Uhr) ein Maximalpegel von 93 Dezibel und bei den Hauptgruppen (21.30 bis 23 Uhr) 98 Dezibel. Dies entspricht ungefähr einem Presslufthammer und kann bei längerer Beschallung zu Hörschäden führen. (Weiterlesen: Hier alle Infos zu den Acts)

Um sicherzustellen, dass diese Richtwerte eingehalten werden, wird die Beschallungsanlage durch einen Sachverständigen auf die genannten Maximalpegel eingestellt und mit einem Limiter versehen. Zudem werden Mitarbeiter der zuständigen Unteren Immissionsschutzbehörde vor Ort sein und Kontrollen durchführen, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten.

Festgelegt wurden diese Richtwerte im Baugenehmigungsverfahren in einer schalltechnische Berechnung. Diese legt dar, unter welchen Voraussetzungen die Immissionsrichtwerte eingehalten werden. „In die Baugenehmigung wurden auf dieser Grundlage Auflagen zum Schallschutz mit aufgenommen“, sagt Vonstein.

Keine Beschwerden bei der Polizei

Der Ärger der Anwohner hat sich im vergangenen Jahr zumindest laut Polizei in Grenzen gehalten. „Bei uns ist 2017 keine Ruhestörung im Zusammenhang mit dem Schlossgarten-Open-Air gemeldet worden“, sagt Anke Hamker von der Polizei. Wenn es aber nach 23 Uhr Beschwerden gebe und der Veranstalter nicht einsichtig sei, könne man im Extremfall die Musikanlage mitnehmen.

Soweit will es Veranstalter Hengholt nicht kommen lassen. „Um 23 Uhr wird definitiv Schluss sein“, versichert er. Seine Kollegen und er seien ein professionelles Team, das keinen unnötigen Ärger wolle. Schließlich wurde gerade erst ein Vertrag mit der Stadt geschlossen, der dem Veranstalter den Schlossgarten bis 2023 zusichert – und der ab nächstem Jahr ein dreitägiges Festival erlaubt.


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