Folge des Klimawandels Wie sich Osnabrück in Zukunft auf Starkregen vorbereiten will

Von Rainer Lahmann-Lammert

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Da kommen Autos ins Schwimmen: Dieser Starkregen ging Ende Juli in Hannover nieder. Foto: Peter Steffen/dpaDa kommen Autos ins Schwimmen: Dieser Starkregen ging Ende Juli in Hannover nieder. Foto: Peter Steffen/dpa

Osnabrück. Mit dem Klimawandel steigen nicht nur die Temperaturen, auch Starkregen kommt häufiger vor. 2014 richtete ein Unwetter in Münster Schäden über 300 Millionen Euro an. In Osnabrück will der Fachbereich Klimaschutz vorsorgen. "Eine Generationenaufgabe", sagt Fachbereichsleiter Detlef Gerdts.

Starkregen ist nicht zu verwechseln mit Hochwasser. Auch wenn die Folgen ähnlich sind, kann ein Starkregen nicht nur in tiefer gelegenen Gebieten die Keller absaufen lassen, sondern auch in höheren Lagen, die vom nächsten Fluss weit entfernt sind. Als sicher gilt, dass Unwetter mit Extremniederschlägen durch den Klimawandel auch in Mitteleuropa häufiger vorkommen. 

Wenn sich – wie in Münster – 100 oder 150 Liter Wasser innerhalb weniger Stunden auf einen Quadratmeter ergießen, kann die Kanalisation nur einen kleinen Teil davon auffangen. Die Rohre seien so dimensioniert, dass sie einen heftigen Regen, wie er im Durchschnitt alle fünf Jahre vorkommt, aufnehmen können, sagt Christiane Röse vom Netzbetrieb der Osnabrücker Stadtwerke, allerdings nur fünf Minuten lang. Es mache auch keinen Sinn, immer größere Kanäle zu bauen. Das Regenwasser müsse vorrangig oberirdisch abgefangen werden.

Hauseigentümer sind gefordert

Nicht nur die Stadt müsse sich auf Starkregen einstellen, sagt Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz. Jeder einzelne Hauseigentümer sei gefordert. Zuerst einmal durch eine Elementarschadenversicherung, denn durch eine gewöhnliche Wohngebäudeversicherung seien solche Risiken nicht immer abgedeckt. Wer sein Haus schützen wolle, müsse vor allem tief liegende Türen und Fenster absichern, im Zweifel durch Bodenschwellen oder Wassersperren. Weitere Hinweise gibt es auf der Internetseite der Stadt.

Gerdts sieht in der Starkregenvorsorge eine Herausforderung, die den Stadtplanern noch Arbeit für Jahrzehnte abverlangen wird. Beim Bau von Siedlungen, Straßen und in der Regenrückhaltung müsse vieles geändert werden, um die die Schäden wenigstens zu begrenzen. "Wir stehen erst ganz am Anfang", vermerkt der Fachbereichsleiter. Inzwischen habe sich die Stadt zwar gut auf Flusshochwasser vorbereitet, könne auf Extremniederschläge aber bislang nur reagieren, indem sie Sandsäcken und Pumpen bereithalte.

Was eine Kommune vorbeugend unternehmen kann, macht Kopenhagen vor. Die dänische Hauptstadt wurde im Juli 2011 von einem so heftigen Starkregen getroffen, dass die Schäden annähernd eine Milliarde Euro betragen haben sollen. Kopenhagen hat ein Programm aufgestellt, das zum Beispiel darauf abzielt, Straßen zu entsiegeln und Grünflächen mit Mulden auszustatten, die das Regenwasser einerseits zurückhalten und zudem versickern lassen. 

Straßen als Rückhaltebecken

Straßen, und Gehwege werden so konzipiert, dass sie bei einem 100-jährlichen Regenereignis kurzzeitig zehn Zentimeter hoch überflutet werden können. Das funktioniert natürlich nur, wenn alle Haus- und Kellereingänge ringsum gesichert sind. Dafür müssen allerdings die Hauseigentümer sorgen. Rinnen und Mulden entlang von Straßen sollen das Wasser kontrolliert abziehen lassen. Wo eine oberirdische Ableitung nicht möglich ist, werden unterirdisch alle Register gezogen – mit Kanalquerschnitten von bis zu sechs Metern.



2,80 Meter breit, 1,80 Meter hoch: So sieht einer der größeren Regenwasserkanäle in Osnabrück aus. Bei Starkregen könnte er dennoch überlaufen. Foto: Thomas Osterfeld

Bei neuen Siedlungen lasse sich so etwas ja leicht umsetzen, meint Fachdienstleiter Bernd Früchel, aber im Bestand werde es schwierig: "Wir können ja nicht Gebäude abreißen, die im Weg stehen". Da bleibe nur, jedes Quartier systematisch auf Gefährdungen zu untersuchen und Lösungen zu skizzieren. Den Strategen aus dem Fachbereich Umwelt und Klimaschutz ist klar, dass es dabei nicht eine Lösung für alle Probleme gibt, sondern je nach Situation aufeinander abgestimmte Schritte.  

Sinnvoller Beitrag zur Vorsorge

Gründächer, die Regenwasser speichern können, wären nach Ansicht von Fachbereichsleiter Detlef Gerdts ein sinnvoller Beitrag zur Starkregenvorsorge. Zudem stehen sie für ein besseres Mikroklima und schützen vor Überhitzung. Beim Klimaanpassungskonzept sollte also ein Rad in das andere greifen. Gerdts kann sich vorstellen, dass die neuen Überlegungen schon in die Umgestaltung der Martinistraße einfließen, die für die nächsten Jahren geplant ist.

In einem ersten Schritt will der Fachbereich mit einer Karte aufzeigen, wo das Regenwasser in Osnabrück bei einem Unwetter zur Gefahr werden könnte. Demnächst soll außerdem den Ratsgremien ein Maßnahmenkatalog vorgelegt werden. Ob der Rat für die Annahme stimmt, ist allerdings noch offen.


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