Bild vom Bademeister ist von gestern Badeaufsicht in Osnabrücks Freibädern und in der Region gesichert

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Viele Menschen haben bei der Hitze Abkühlung im Panoramabad in Georgsmarienhütte gesucht. Foto: Michael GründelViele Menschen haben bei der Hitze Abkühlung im Panoramabad in Georgsmarienhütte gesucht. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Bademeister, der faul auf das Freibadbecken starrt: Das ist ein bekanntes Klischee, dem Verantwortliche widersprechen. Auch in Osnabrück und Umgebung werden Schwimmmeister ausgebildet. Die Fachkräfte sind gefragt.

Sie sitzen da, wenn sich andere bei herrlichem Sommerwetter abkühlen – aber auch, wenn es kalt und nass ist. Dennoch sind sie im Freibad unersetzlich: die Schwimmmeister.

Korrekt heißen die hauptamtlichen Mitarbeiter Fachangestellte für Bäderbetriebe und haben eine dreijährige Ausbildung hinter sich. "Es geht längst nicht mehr darum, mit Goldkette und braungebrannt am Beckenrand zu stehen", sagt Joachim Heuser von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen zum Klischee des Bademeisters, wie die Schwimmmeister immer noch gerne genannt werden. Ein Begriff, den die Fachkräfte nicht mehr gerne hören.

Es gebe einen offensichtlichen Mangel an Fachkräften, beklagt der Verbandssprecher. Die sind nicht nur für die Badeaufsicht, sondern auch für die Technik zuständig. Die Schwimmbäder in Osnabrück und Umgebung sehen sich gut aufgestellt. Das gilt auch für kleinere Freibäder.

Die Stadtwerke Osnabrück verleihen Personal auch an andere kommunale Badbetreiber, etwa ans Waldbad Schledehausen. Dort wurde die Betriebsführung an die Stadtwerketochter Servos abgegeben, da diese über mehr Personal verfügt, wie Bürgermeister Guido Halfter sagt.

Mehr Probleme gibt es bei den Zusatzkräften, die die Badeaufsicht übernehmen können. "Aushilfskräfte, die uns als Rettungsschwimmer unterstützen, sind nur schwer zu bekommen", beklagt Thomas Kaulingfrecks vom Panoramabad Georgsmarienhütte. 

Bis zu fünf Zusatzkräfte an heißen Tagen

Beim Naturbad Hasbergen setzt man aus Kostengründen auf Aushilfen aus dem Förderverein oder der DLRG.  Bis zu fünf Zusatzkräfte werden an heißen Tagen in Hasbergen eingesetzt. "Je mehr wir haben, desto besser", bekräftigt Vereinsvorsitzender Christoph Schürmann. Dort gibt es bereits Bewerbungen für die kommende Saison.

Andere Schwimmbäder in Deutschland haben dagegen mit Personalmangel zu kämpfen. 700 Schwimmbäder seien in den vergangenen 18 Jahren geschlossen worden – darunter 500 Freibäder, erläutert Heuser. Grund sei in den meisten Fällen jedoch die Bausubstanz. "In Deutschland ist etwa jedes zweite Bad sanierungsbedürftig."

Die Kosten für Personal und Instandsetzung führen in Deutschland zum so genannten "Bädersterben". 500 Freibäder seien seit dem Jahr 2000 geschlossen worden, teilt die DGfdB mit. Symbolfoto: Caroline Seidel/dpa

Ein Freibad bei Heilbronn in Baden-Württemberg konnte diese Saison überhaupt nicht öffnen. Schon im vergangenen Jahr wurde das Bad verspätet geöffnet, weil Personal fehlte. Inzwischen wird die Bausubstanz auch den erforderlichen Sicherheitsstandards nicht mehr gerecht.

"Das Berufsbild Rettungsschwimmer, wie man es aus dem Fernsehen kennt, gibt es als solches nicht", erklärt Uwe Schürk, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Osnabrück. Dort werden Jugendliche und Erwachsene ausgebildet. Der Rettungsschwimmer in Silber ist immerhin Pflicht auch für eine Aushilfskraft.

Sechs Aufsichtskräfte gibt es am Freibad Bullerteich in Westernkappeln, die derzeit Hauptkraft Heinrich Elgert unterstützen. Der geht am Ende der Saison nach mehr als 30 Jahren als Schwimmmeister in Rente. Eine Nachfolge ist schon gefunden. Jörg Lichtenberg war jahrelang eine der Aushilfen und schon länger Elgerts Stellvertreter. Allein: Die Ausbildung zum Fachangestellten muss er noch beenden.

Auch bei den Osnabrücker Stadtwerken und im Panoramabad in Georgsmarienhütte wird ausgebildet. Bewerber, die Spaß am Umgang mit Kunden und technisches Verständnis haben und dazu sportlich ambitioniert sind, seien "Mangelware“, beschreibt Kaulingfrecks die Lage. 

Je mehr die Auszubildenden den Beruf kennenlernen, desto mehr reize sie die Tätigkeit, erklärt Hörmeyer. Auch die Stadtwerke bemühen sich um geeignete Bewerber, etwa auf Messen oder mit Aktionen. Mit Nette-, Schinkel- und Moskaubad sei die Ausbildung sehr vielseitig.


Deutsches Rettungsschwimmabzeichen Silber

Das Deutsche Rettungsschwimmer in Silber können Schwimmer ab 15 Jahren ablegen.

Folgende Prüfungen müssen dafür abgelegt werden (Quelle: DLRG):

  • 400 m Schwimmen in höchstens 15 min, davon 50 m Kraulschwimmen, 150 m Brustschwimmen und 200 m Schwimmen in Rückenlage mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit 
  • 300 m Schwimmen in Kleidung in höchstens 12 min, anschließend im Wasser entkleiden 
  • Sprung aus 3 m Höhe 
  • 25 m Streckentauchen 
  • dreimal Tieftauchen von der Wasseroberfläche, zweimal kopfwärts und einmal fußwärts innerhalb von 3 Minuten, mit dreimaligem Heraufholen eines 5 kg-Tauchrings oder eines gleichartigen Gegenstandes (Wassertiefe zwischen 3 und 5 m) 
  • 50 m Transportschwimmen: Schieben oder Ziehen in höchstens 1:30 Minuten 
  • Fertigkeiten zur Vermeidung von Umklammerungen sowie zur Befreiung aus Halsumklammerung von hinten und Halswürgegriff von hinten 
  • 50 m Schleppen in höchstens 4 Minuten, beide Partner in Kleidung, je eine Hälfte der Strecke mit Kopf- oder Achsel- und einem Fesselschleppgriff (Standard-Fesselschleppgriff oder Seemannsgriff) 
  • Durchführung der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) 
  • Kombinierte Übung, die ohne Pause in der angegebenen Reihenfolge zu erfüllen ist: 
  • 20 m Anschwimmen in Bauchlage 
  • Abtauchen auf 3-5 m Tiefe, Heraufholen eines 5-kg-Tauchrings oder eines gleichartigen Gegenstandes, diesen anschließend fallen lassen 
  • Lösen aus der Umklammerung durch einen Befreiungsgriff 
  • 25 m Schleppen 
  • Anlandbringen des Geretteten 
  • 3 Minuten Vorführen der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) 
  • Theoretische Prüfung 
  • Atmung und Blutkreislauf 
  • Gefahren am und im Wasser 
  • Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen (Selbst- und Fremdrettung) 
  • Vermeidung von Umklammerungen 
  • Erste Hilfe 
  • Rechte und Pflichten bei Hilfeleistungen 
  • Rettungsgeräte 
  • Aufgaben und Tätigkeiten der DLRG

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