AOK fördert Hospizdienste 2,65 Millionen Euro für 88 niedersächsische Hospize

Von Regine Hoffmeister

Vier ambulante Hospizdienste im Osnabrücker Land dürfen sich über Geld von der AOK freuen. Foto: Elvira PartonVier ambulante Hospizdienste im Osnabrücker Land dürfen sich über Geld von der AOK freuen. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Die AOK Niedersachsen finanziert die Qualifikation der ehrenamtlichen Sterbebegleiter sowie Personal- und Sachkosten.

Seit Inkrafttreten des Hospiz- und Palliativgesetzes Ende 2015 sind die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, neben den Personal- auch die Sachkosten von ambulanten Hospizdiensten zu fördern. Die Ausgaben steigen seitdem jedes Jahr. Die AOK Niedersachsen wendet in diesem Jahr 2,65 Millionen Euro für insgesamt 88 ambulante Hospizdienste in Niedersachsen auf. 

Eher kleiner Betrag

„Verglichen mit unserem Gesamthaushalt ist diese Summe ein eher kleiner Betrag“, gab Klaus Hachmeister, Regionaldirektor der AOK im Osnabrücker Land, beim Pressegespräch gegenüber den eingeladenen Vertretern von vier ambulanten Hospizdiensten aus dem Osnabrücker Land zu. Nichtsdestotrotz sei dieser Betrag „wichtig und sinnvoll“ investiert, um die Qualität der professionellen Begleitung von sterbenden Menschen weiter zu erhöhen. Die Förderung werde nämlich im Wesentlichen für die qualifizierte Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Sterbebegleiter sowie für die notwendigen Personal- und Sachkosten verwendet.

"Hospizarbeit entwickelt sich positiv"

Als Vordenker im Bereich Palliativmedizin und Hospizarbeit in der Region hob Hachmeister den Gründer der Hospiz- und Palliativinitiative Spes Viva, Winfried Hardinghaus, und Rüdiger Cording, Vorsitzender des Osnabrücker Hospizvereins, hervor: „Sie und einige andere haben Meilensteine gesetzt, sodass sich die Hospizarbeit sehr positiv entwickeln konnte.“ 

3733 Ehrenamtliche haben im vergangenen Jahr 4166 Sterbebegleitungen durchgeführt, davon 176 bei sterbenden Kindern, sagte AOK-Pressesprecherin Rebekka Hoffmann, bevor die Vertreter der vier geförderten ambulanten Hospizdienste aus dem Osnabrücker Land zu Wort kamen.

Arbeit zunehmend bekannter

Anja Olef vom Osnabrücker Hospiz begründete die steigenden Zahlen von Sterbebegleitungen durch ambulante Hospizdienste damit, dass ihre Arbeit zunehmend bekannter werde. „Das Hospiz kommt auch nach Hause beziehungsweise dorthin, wo Menschen sterben, in Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen.“ Speziell Senioren- und Pflegeheime öffnen sich zunehmend für die Betreuung durch ambulante Hospizdienste. Kritik äußerte Olef daran, dass die Trauerbegleitung für Angehörige von Verstorbenen immer noch rein spendenfinanziert sei. „Hier würden wir uns ein Umdenken wünschen.“

Spenden weiterhin gebraucht

Dieser Kritik pflichtete auch Reinhold Kassing vom Verein Spes Viva aus Ostercappeln bei. „Viele Menschen glauben, dass mit der Neuregelung der Gesetzgebung alle Kosten abgedeckt sind. Aber wir brauchen auch weiterhin Spenden!“ Nachtwachen bei Sterbenden oder auch die Ausstattung von Palliativstationen etwa seien nicht in den Regelsätzen enthalten, sondern rein spendenfinanziert.

Dass es ohne die vielen engagierten Ehrenamtlichen nicht geht, darin waren sich alle Vertreter der Hospizdienste einig. „Die Ehrenamtlichen schenken den Sterbenden und ihren Angehörigen ihre Zeit und ihr Ohr“, betonte Christa Wübben vom Ambulanten Hospizdienst St. Johannes in Ankum. Manche haben bis zu fünfzehn Einsätze pro Woche. „Das sollte mehr gewürdigt werden.“

Fördergeld 

Karin Mährlein vom Verein „Leben bis zuletzt“ aus Quakenbrück kritisierte, dass die Fahrkosten der ehrenamtlichen Sterbebegleiter nur mit 20 Cent pro Kilometer angesetzt seien. „Wir bezahlen ihnen freiwillig 30 Cent, weil die Ehrenamtlichen bei uns im ländlichen Raum sonst draufzahlen.“

Die Fördersummen der AOK Niedersachsen belaufen sich im Osnabrücker Land auf rund 29.000 Euro für den Hospizdienst St. Johannes in Ankum, 49.000 Euro für das Osnabrücker Hospiz, 28.000 Euro für den Ambulanten Kinderhospizdienst Osnabrück, rund 32.000 Euro für Spes Viva in Ostercappeln und rund 28.000 Euro für „Leben bis zuletzt“ in Quakenbrück.

Die gesetzlich vorgesehenen Fördergelder sind in Niedersachsen noch nicht ausgeschöpft. Ambulante Hospizdienste können ihre Anträge auf finanzielle Unterstützung für das laufende Jahr bis noch Ende März 2019 bei den Krankenkassen einreichen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN