Fledermäusen ein Forum geben Osnabrückerin zur Fledermausbotschafterin ausgebildet

Von Carolin Hlawatsch

Osnabrück hat eine Fledermaus-Expertin mehr: Ricarda Oßowski ließ sich beim Nabu Niedersachsen zur ehrenamtlichen Fledermausbotschafterin ausbilden und ist nun Ansprechpartnerin für Exkursionen und weitere Events rund um das Thema Fledermaus. Foto: Carolin HlawatschOsnabrück hat eine Fledermaus-Expertin mehr: Ricarda Oßowski ließ sich beim Nabu Niedersachsen zur ehrenamtlichen Fledermausbotschafterin ausbilden und ist nun Ansprechpartnerin für Exkursionen und weitere Events rund um das Thema Fledermaus. Foto: Carolin Hlawatsch

Osnabrück. Fledermäuse faszinieren. Und doch wissen viele Menschen wenig über ihre Lebensweise und die Möglichkeiten, die Tiere zu schützen. Entsprechende Fragen kann Ricarda Oßowski aus Osnabrück nun fachkundig beantworten. Sie hat sich beim NABU zur ehrenamtlichen Fledermausbotschafterin ausbilden lassen.

„Fledermäuse haben es nicht leicht. Sie werden heute von allen Ecken und Enden aus bedroht. Weil sie nachtaktiv sind, nehmen die Menschen sie häufig nicht so wahr und wenn, dann eher als Schädling, von dem angenommen wird, Schaden im Dachstuhl zu hinterlassen“, beklagt Ricarda Oßowski.

Die 30-Jährige ist hauptberuflich bei der Lega-S-Jugendhilfe tätig, Trägerin des Umweltbildungsortes „Nackte Mühle“. Sie möchte den Fledermäusen in Osnabrück ein größeres Forum verschaffen. Seit jeher liebt sie Tiere, hält zuhause mongolische Rennmäuse. „Also Mäuse ohne Flügel“, meint sie schmunzelnd und ergänzt fachkundig: „Die sind biologisch betrachtet natürlich überhaupt nicht verwandt mit den Fledermäusen.“

Die „Nackte Mühle“ hat gelegentlich schon Veranstaltungen rund um das Thema Fledermaus angeboten. Mit Ricarda Oßowski gibt es dort nun eine aktive Fledermausbotschafterin. An fünf Wochenenden innerhalb der vergangenen zwei Jahre lernte sie zusammen mit rund 50 weiteren Teilnehmern in Meppen und Oldenburg von erfahrenen Fledermausfachleuten Wissenswertes zur Ökologie, Lebensweise und Artbestimmung der Tiere, zu Artenschutzmaßnahmen, rechtlichen Rahmenbedingungen und zur Umweltbildung.

Praktischer Fledermausschutz

Nicht nur Theorieunterricht stand auf dem Programm. Die Gruppe besuchte auch einen Bunker nahe Lingen, um sich konkrete Fledermausschutzmaßnahmen anzuschauen. „Ein Höhepunkt der Ausbildung war sicherlich die nächtliche Exkursion mit den Fledermaus-Regionalbetreuern. Dabei schauten wir ihnen beim Netze aufstellen, wiegen und vermessen der Tiere zu“, erinnert sich Ricarda Oßowski mit Begeisterung. Mit der bloßen Hand anfassen durfte sie die Fledermäuse übrigens nicht. „Das können wirklich nur die Experten. Auch im Notfall, bei einem Fundtier, dürfen wir frisch ausgebildeten Botschafter Fledermäuse nur ganz vorsichtig mit Handschuhen oder einem Handtuch berühren.“

Die Aufgabenbereiche, die die Fledermausbotschafter übernehmen, sind vielfältig: Oßowskis Anliegen ist es, ihr Wissen an andere Naturfreunde weiterzugeben, zum Beispiel bei Fledermausexkursionen mit dem sogenannten Bat-Detektor. Dabei werden die Ultraschall-Laute der Fledermäuse für Menschen hörbar gemacht.

„Fledermausfreundliches Haus“

Auch die Nabu-Plakette „fledermausfreundliches Haus“ für Gebäude, in denen Fledermäuse Einflugnischen finden und ihr Quartier aufschlagen können, werden von den Botschaftern vergeben. Die Sanierung von Häusern, insbesondere die Dämmung von Dachstühlen, gehöre zu den größten Bedrohungen für die Tiere. Hinzu käme Nahrungsmangel, weil es weniger Insekten gebe. Oßowski: „Alle 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten ernähren sich von Insekten. Einige ausländische Arten saugen aber auch Nektar oder das Blut von Tieren – daher der Vampirmythos.“

In Niedersachsen kommen 14 verschiedene Fledermausarten vor. Alle sind streng geschützt und fast alle stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. In dieser Jahreszeit haben sich die Weibchen mit ihrem Nachwuchs oftmals zu großen, Hunderte Tiere umfassenden Wochenstuben in geeigneten Quartieren wie unter Kirchendächern zusammengefunden. Im September werden diese Wochenstuben aufgelöst. Der Nachwuchs wird selbstständig und die Paarungszeit beginnt.

Bestimmen und zählen könne man Fledermäuse am besten in ihren Winterquartieren in der Zeit von November bis März, sagt Oßowski. Bei derartigen Sichtungen zu helfen gehört ebenfalls ihren Aufgaben als Fledermausbotschafterin. Deren Ausbildung wird von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gefördert.


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