Zu Gefängnis und Therapie verurteilt Heroinabhängiger stahl Kamera der Osnabrücker Polizei

Von Markus Strothmann

Das Landgericht Osnabrück hat einen Drogenabhängigen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und seine Unterbringung in einer Therapieeinrichtung angeordnete. Foto: David EbenerDas Landgericht Osnabrück hat einen Drogenabhängigen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und seine Unterbringung in einer Therapieeinrichtung angeordnete. Foto: David Ebener

Osnabrück. Ausgerechnet die Polizei hat ein 36-Jähriger aus Osnabrück bestohlen. Da es nicht die erste Straftat des Heroinabhängigen war, schickte ihn das Landgericht jetzt ins Gefängnis, räumte ihm darüber hinaus aber auch die Chance einer Langzeittherapie ein.

Der Angeklagte hatte eine am Ickerweg angebrachte Wildkamera im Wert von rund 150 Euro mitgehen lassen – und sich damit ausgerechnet Eigentum der Osnabrücker Polizei angeeignet. Zu Beginn der Berufungsverhandlung erklärte die Verteidigerin, dass ihr Mandant den Diebstahl einräume. Die beiden vom Gericht geladenen Zeugen durften also gleich wieder gehen, die Berufung bezog sich lediglich noch auf das Strafmaß. Das hatte das Amtsgericht Osnabrück auf drei Monate Freiheitsstrafe festgesetzt – angesichts diverser Vorstrafen ohne Bewährung.

Seit 14 Jahren abhängig

Der 36-jährige ist seit mindestens 14 Jahren heroinsüchtig. Er spritzte sich die Hartdroge sogar dann noch, als er im Zuge einer Therapie mit Methadon substituiert wurde. Außerdem ist er von weiteren berauschenden Substanzen abhängig. Über die Jahre beging er unter Drogeneinfluss zahlreiche Diebstähle, um seinen Konsum zu finanzieren, fuhr vorsätzlich betrunken und ohne Führerschein und baute unter dem Einfluss des schläfrig machenden Methadons mehrere Unfälle.

Auch als er am Ickerweg die Wildkamera mitnahm, war der 36-Jährige berauscht. Trotzdem bemerkte er wohl eine zweite Kamera, die ihn bei der Tat filmte. Das aber ignorierte er. Der Ermittlungsaufwand für die Beamten hielt sich somit in Grenzen – schnell war die Identität des polizeibekannten Diebes geklärt.

Unterbringung sinnvoll?

Die Frage war nun vor allem, ob es wirklich sinnvoll ist, den 36-Jährigen stationär in einer Entziehungseinrichtung unterzubringen. Denn trotz einiger Entgiftungen in der Vergangenheit hatte er immer wieder zu Rauschmitteln gegriffen. „Nach der Entgiftung wurde er weiter ambulant substituiert, verfiel schnell wieder in den Beikonsum und wurde rückfällig“, resümierte ein Sachverständiger.

Der Umgang mit dem Angeklagten sei zudem nicht einfach. „Er ist recht undurchsichtig. Man weiß nicht, wann er die Wahrheit sagt und wann nicht.“ Der 36-jährige behaupte etwa, Erinnerungslücken zu haben und mache widersprüchliche Aussagen zu konkreten Vorfällen wie auch zu seiner Biografie. Er sei aber keineswegs therapieresistent, eine Chance auf ein drogenfreies Leben bestehe für ihn durchaus – allerdings nur mithilfe einer Langzeittherapie.

Die Verteidigerin appellierte in ihrem Plädoyer, ihrem Mandanten diese Chance noch einmal einzuräumen. „Für die Familie ist das eine unglaubliche Belastung“, sagte sie. Der 36-Jährige sei zwar nicht verheiratet, aber seit mehr als zehn Jahren mit einer Partnerin liiert. Das Paar habe zwei Kinder.

Letzte Chance?

Am Ende ließ sich das Gericht darauf ein. Es bleibt somit bei den drei Monaten Freiheitsstrafe, zu dem das Amtsgericht den Angeklagten verurteilt hatte – darüber hinaus wurde aber die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. „Der Angeklagte ist jetzt 36. Wenn er noch zehn Jahre so weitermacht, wird er keine 60 Jahre alt. Das ist eine Erfahrung, die man hier leider macht“, sagte der Richter und sprach dem Drogensüchtigen ins Gewissen. „Es ist noch nicht zu spät, um Ihr Leben in eine andere Bahn zu lenken.“

Der Angeklagte selbst kommentierte die Situation so: „Ich habe die Diebstähle nicht aus Spaß begangen.“ Es sei leicht, über eine Therapie zu reden. „Aber es ist hart, das durchzuziehen.“


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