Vom Folkpunk der Dropkick Murphys Al Barr: „Ich habe eine Menge Wurzeln bei euch“

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück Am Freitag, dem 10. August, tritt die amerikanische Folkpunk-Band Dropkick Murphys im Rahmen des Schlossgarten-Open-Air als Headliner auf. Wir unterhielten uns mit dem Frontsänger Al Barr über seine Musik, Deutschland und über eine Bar in Boston.

Al Barr, Sie haben 1998, zwei Jahre nach der Gründung der Dropkick Murphys, den Part als Frontsänger der Band übernommen. Das heißt, Sie feiern in diesem Jahr 20-jähriges DKM-Jubiläum?

Oh ja, das ist richtig. Aber wir haben das nicht großartig gefeiert. Für mich persönlich ist es natürlich bedeutsam, 20 Jahre lang mit derselben Band unterwegs zu sein und immer erfolgreicher zu werden. Aber ich habe das nicht an die große Glocke gehängt. Ich will das Jubiläum nicht relativieren, aber ich wurde 1968 geboren und habe vor den Dropkick Murphys bereits 16 Jahre mit anderen Bands gespielt.

Nun kommen Sie wieder einmal nach Deutschland, um hier aufzutreten. Ich erinnere mich an Ihren Auftritt 2011 beim Area 4 Festival, der vom WDR-Rockpalast aufgezeichnet wurde.

Oh ja, das war eine tolle Nacht. Wir haben die Show mit den Kollegen von NOFX beendet, die ebenfalls an dem Tag dort aufgetreten sind. Das hat richtig Spaß gemacht.

Wenn Sie in Amerika sind und daran denken, dass Sie bald wieder nach Deutschland reisen: Welche Erinnerungen kommen dann bei Ihnen hoch?

Da habe ich sehr viele Erinnerungen und Assoziationen, ob mit Musik oder auch ohne Musik. Sehen Sie, ich bin ein halber Deutscher, weil meine Mutter aus Deutschland stammt. Meine erste Sprache, die ich gesprochen habe, war Deutsch. In den 70er-Jahren habe ich in Westberlin gelebt, weil mein Vater, als er noch lebte, dort an einer Schule gearbeitet hat. Außerdem hat meine Familie viele Verbindungen in die Schweiz und nach München. Von daher: Ich habe eine Menge Wurzeln dort bei euch.

Aber es heißt überall, die Dropkick Murphys seien eine irisch-amerikanische Folkpunk-Band. Wie sieht es denn mit Ihren irischen Wurzeln aus?

Ich habe gar keine, wenn, dann keltische. Ehrlich gesagt, bin ich ein amerikanischer Deutschschotte, weil mein Vater aus Schottland kam.

Sprechen wir über Ken Casey, der als einziges Gründungsmitglied aktiv in der Band ist. Es heißt, er betreibt in Boston einen Irish Pub?

Das stimmt. Es ist eine Bar, und sie nennt sich McGreevy’s Third Base Saloon.

Treffen sich die Mitglieder der Dropkick Murphys im McGreevy’s, wenn sie in Boston sind?

Nein, eigentlich treffen wir uns fast nur zum Proben. Sehen Sie, wenn wir auf Tour sind, hängen wir immer ganz eng zusammen, ebenso im Studio, wenn wir Alben aufnehmen. Das heißt, die übrige Zeit sind wir mit unseren Frauen und Kindern zusammen. Okay, ein paar Mal haben wir uns auch schon mal im McGreevy’s getroffen, aber das passiert tatsächlich nicht oft.

Offenbar sind alle Bandmitglieder Sportfans und unterstützen beispielsweise die Boston Red Sox, die dortige Baseball-Mannschaft?

Na ja, ich persönlich bin wirklich nicht so der Sport-Typ. In den 80ern, als ich noch mehr im Punk unterwegs war, waren populäre Sportarten überhaupt nicht angesagt. Was die Red Sox betrifft: Ja, die lieben und unterstützen wir alle. Bei mir passiert das aber eher auf eine reduzierte Art.

Angeblich sollten die Dropkick Murphys in diesem

Jahr in Wacken auftreten.

Das stimmt aber gar nicht,

oder?

Nein. Im vergangenen Jahr

haben wir einmal darüber

nachgedacht, in Wacken zu

spielen, aber da ist dann

nichts daraus geworden. Wir

haben schon so viele verschiedene Festivals in

Deutschland gespielt, Wacken gehört nicht dazu, noch

nicht. Aber das kann ja noch

werden.

Stimmt es, dass alle Leute, die sich ein DKM-Rosenmotiv haben stechen lassen, dieses Tattoo ihr Leben lang als freie Eintrittskarte zu Ihren Konzerten nutzen können?

Nein, das stimmt nicht. Wir haben das Video gemacht, in dem man die Leute mit dem Tattoo unserer Band sieht, und dann haben es sich tatsächlich viele Fans stechen lassen. Unglaublich, wozu Leute bereit sind. Sie lieben eine Band so, dass sie sich so etwas für die Ewigkeit auf die Haut machen lassen.

In frühen DKM-Jahren haben Sie mit Shane MacGowan von den Pogues zusammengearbeitet. Hat er Sie beeinflusst?

Natürlich hatten die Pogues einen Einfluss auf uns, genauso wie viele andere Bands mit keltischen Einflüssen, die es vor uns gegeben hat. Aber es gibt einen Unterschied: Die Pogues waren eine Folkband mit Punkeinflüssen, wir sind eine Punkband mit Folkeinflüssen.

Ein anderer bekannter Musiker, der in Ihrer Biographie auftaucht, ist Bruce Springsteen.

Oh ja, ein toller Musiker. Wir trafen uns zum ersten Mal 2008. Er war mit seinem Sohn in New York City. Ein paar Jahre später kam er nach Boston und wir haben ein paar Sachen zusammen gemacht. Noch später haben wir dann seinen Song „Badlands“ für die Compilation „Respect Your Roots Worldwide“ aufgenommen. Das heißt, es gibt da einige Anknüpfungspunkte.

Von den Dropkick Murphys stammt der Song „First Class Loser“. Wie ist er zu verstehen?

Es geht darin um Typen, die jeder von uns kennt: Verwandte, Freunde, Nachbarn, Leute, die du im Grunde liebst, die dich aber irgendwie total nerven und verrückt machen. Kenny macht sich immer einen Spaß daraus, wenn er weiß, dass Freunde oder Verwandte in der Show sind. Dann begrüßt er sie: „Hey, hallo, heute ist mein Cousin hier, und jetzt spielen wir „First Class Loser“…

Al Barr, kommen wir noch einmal zu Ihren deutschen Wurzeln zurück: Hätten wir dieses Interview auch auf Deutsch führen können?

(Er antwortet auf Deutsch:) Das wäre wahrscheinlich keine gute Idee gewesen, denn mein Deutsch ist ziemlich gebrochen und meine Grammatik ist ganz beschissen. Da ich nicht jeden Tag Deutsch rede, fehlt mir die Übung.

Aber dann können Sie in Osnabrück einige Ansagen auf Deutsch machen?

Oh ja, klar, das mache ich schon ein bisschen, aber in der Regel reagieren die Leute dann ganz komisch: Was zum Teufel macht der da, er spricht Deutsch!


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN