Plastikreduzierung im Alltag Für Einweg-Trinkhalme hat auch in Osnabrück die letzte Stunde geschlagen

Von Lena Fischer

Anna und Felix trinken eine Limo mit Trinkhalmen, die nicht aus Plastik sind. Edelstahl, langlebiger Kunststoff, Glas oder eine Makkaroni sind Alternativen zum Wegwerfmaterial. Foto: Michael GründelAnna und Felix trinken eine Limo mit Trinkhalmen, die nicht aus Plastik sind. Edelstahl, langlebiger Kunststoff, Glas oder eine Makkaroni sind Alternativen zum Wegwerfmaterial. Foto: Michael Gründel

lf Osnabrück. Um weniger Plastikmüll zu produzieren, will die EU-Kommission auch Einweg-Trinkhalme aus Kunststoff verbieten. Bambus, Edelstahl, Glas: Diese nachhaltigen Alternativen halten langsam in den Bars und auch zu Hause Einzug. Doch der Wandel vollzieht sich langsam. Henrik Schrage, Inhaber der Bar Bottled in Osnabrück, spricht sich für nachhaltigere Produkte aus. Allerdings dürfe die Anschaffung von Alternativen zu Einwegprodukten für die Inhaber nicht zu teuer werden.

Als Ersatz zum herkömmlichen Trinkhalm aus Plastik hat vor allem der Bambushalm viele Vorteile: Als nachwachsender Rohstoff ist er vollständig biologisch abbaubar. Außerdem ist er antibakteriell und bruchsicher. Offenbar ist das Material aber nicht spülmaschinenfest und schwer zu reinigen. Der leichte Geschmack nach Bambus und die schnelle Verfärbung sind weitere Nachteile. Das Material hat nach Angaben der Internetseite www.nachhaltig-sein.info die kürzeste Lebensdauer im Vergleich zu anderen Alternativen.

Trinkhalm aus Edelstahl überzeugt

Eine weitere Möglichkeit stellt der Trinkhalm aus Silikon dar: Er ist in vielen verschiedenen Variationen erhältlich und bruchsicher. Wie sein Vorgänger ist er aber nicht geschmacksneutral und wird meistens nicht recycelt. Da er nicht biologisch abbaubar ist und den auch in Plastik enthaltenen Weichmacher BPA enthält, ist er eine weniger umweltfreundliche Alternative als der Bambushalm. Hinzu kommt die umständliche Reinigung. Der Trinkhalm aus Edelstahl scheint ein echter Gewinner zu sein: Er überzeugt damit, dass er lebenslang haltbar, spülmaschinenfest und bruchsicher ist. Außerdem enthält er kein BPA und ist recycelbar. Das einzig Negative ist, dass er nicht ganz geschmacksneutral ist.

Comeback für den Papierhalm

Auch Glas als alternatives Material bringt viele Vorteile mit sich: Es ist geschmacksneutral, BPA-frei und außerdem sehr hygienisch. Der Trinkhalm aus Glas kann mit der Spülmaschine gereinigt werden und lässt sich recyceln. Allerdings ist er zerbrechlicher als die anderen Materialien. In einigen Bars werden auch ungekochte Makkaronis als essbare Trinkhalme verwendet. Die Idee ist nicht nur witzig, sondern auch umweltfreundlich, da die Nudeln sogar mitgegessen werden können und biologisch abbaubar sind. Alternativ kann auch der bereits in früheren Zeiten verwendete Papierhalm ein würdiger Ersatz sein. In einer Zeit vor dem übermäßigen Plastikkonsum waren diese Halme im täglichen in Gebrauch. Selbstverständlich kann auch das Material verwendet werden, das dem „Strohhalm“ seinen Namen gab. In Osnabrück gibt es allerdings kaum Möglichkeiten, Alternativen vor Ort zu kaufen. Meistens muss man auf Onlineshops zurückgreifen.

Nachhaltigkeit in Osnabrücker Bars

In der Theorie erscheint es gar nicht so schwierig, auf Alternativen zu Plastik umzusteigen. Doch wie nachhaltig sind eigentlich die Osnabrücker Bars? Wenn Cocktails und Co. angeboten werden, entsteht beim Benutzen von Einwegprodukten viel Müll.

In der Bar Bottled hat sich im Bezug auf die Verwendung von Plastikstrohhalmen noch nichts geändert: Wer einen Cocktail im Bottled bestellt, bekommt entweder einen herkömmlichen Plastikstrohhalm oder kann auf Wunsch sein Getränk ohne genießen. „Unser To-Go-Besteck ist aber nachhaltig, da es aus Zuckerrohr besteht“, erklärt Inhaber Hendrik Schrage. Er begrüßt die Entwicklung, dass die EU einen Schritt weiter in Richtung Plastikreduzierung geht. Seine Meinung zu Edelstahlstrohhalmen als umweltschonende Alternative ist gespalten: Einerseits sei es nachhaltig, andererseits fürchte er beispielsweise die Verletzungsgefahr für Kinder, wenn diese unvorsichtig mit dem Trinkhalm spielen.

Biokunststoff als umweltschonende Alternative?

Voriges Jahr eröffnete das Redlinger‘s Deli & Cafe, ein Lokal mit nachhaltigem Konzept. Alle Produkte, die zum Mitnehmen verwendet werden, seien recycelbar und zu hundert Prozent biologisch abbaubar, erklärt Inhaber Henning Wiehemeyer. Das Einweggeschirr besteht laut Wiehemeyer beispielsweise aus Zuckerrohr und ist kompostierbar, die Strohhalme aus Biokunststoff werden erdölfrei hergestellt werden und sind ebenfalls biologisch abbaubar. „Auf Plastik kann man meiner Meinung nach gut verzichten, der komplette Verzicht auf Einweg ist allerdings schwierig.“ Die Trinkhalme bestehen in diesem Fall aus Polymilchsäure (PLA), die durch die Fermentation aus Stärke und Zucker durch Milchsäurebakterien entsteht. Vorteilhaft ist die hohe Stabilität, allerdings ist das Material nicht für Heißgetränke geeignet. Experten sind sich übrigens noch uneinig darüber, ob der Biokunststoff wirklich so eine gute Alternative zu Plastik ist oder die Umwelt auf ähnliche Weise belastet.

Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen

Im Cafe Extrablatt werden Plastiktrinkhalme für die Cocktails verwendet. Das war nicht immer so: Zwischenzeitlich wurden den Gästen Papierhalme angeboten. „Das ist aber nicht gut angekommen, vielen Gästen hat das Mundgefühl nicht gefallen.“, sagt Serviceleitung Hendrik Lambers. „Wenn es Alternativen zu Plastiktrinkhalmen zu vergleichbaren Preisen geben würde, würden wir umsteigen. Ich befürchte allerdings, dass die Anschaffung zu teuer wäre“, so Lambers. Wer Alternativen zu Einwegtrinkhalmen für zu Hause sucht, wird zum Beispiel bei Bees and Nectaries in der Redlingerstraße fündig: Das Geschäft hat neben vielen anderen nachhaltigen Produkten auch Edelstahltrinkhalme im Sortiment.


Laut Verpackungsverordnung hat der Strohhalm ab 2019 Verpackungsfunktionen. Aktuell wird er noch als „Packhilfsmittel“ definiert. Der Einwegstrohhalm ist eine Verpackung, wenn er zusammen mit einem Getränk angeboten wird, sagt Bettina Sunderdiek, Pressesprecherin der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister Osnabrück. Beim einzelnen Verkauf zähle er wiederum nicht als Verpackung. „Die Abgrenzung Verpackung/Nicht-Verpackung ergibt sich durch die europäische Verpackungsrichtlinie, die durch das deutsche Verpackungsrecht konkretisiert wird“, so Sunderdiek.

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