Ist das Müll oder nimmt´s wer mit? Strittiges Phänomen: "Zu verschenken" auf Osnabrücks Bürgersteigen

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Zugreifen: Manchmal haben Gehwege in Osnabrück den Hauch einer Geschenkmeile. Foto: Markus PöhlkingZugreifen: Manchmal haben Gehwege in Osnabrück den Hauch einer Geschenkmeile. Foto: Markus Pöhlking

Osnabrück. Wenn das alte Sofa weg muss oder die Wohnung ausgemistet wird, kann man Sperrmüll anmelden. Oder den Kram sozialen Kaufhäusern anbieten. Immer wieder aber stellen Menschen ihren Krempel einfach an die Straße, oft verziert mit dem Hinweis "zu verschenken". Was ist davon zu halten?

Es ist ein wiederkehrendes Phänomen in den innenstadtnahen Wohngebieten Osnabrücks. Irgendwo auf dem Gehweg stehen eine Box mit Büchern, ein paar ausrangierte Möbel, ein alter Fernseher vielleicht oder irgendein anderer Krempel. Daran haftet ein Zettel mit der Aufschrift "zu verschenken" oder wahlweise "zum mitnehmen". 

Ob das nun ein Ausdruck von Wohltätigkeit ist oder vielleicht doch eher ein Indiz für Faulheit, darüber könne man streiten, findet Katrin Hoffmann vom Osnabrücker Service Betrieb (OSB). "Grundsätzlich sollte man Sachen ja eine zweite Chance geben", erklärt sie. 

Aber es komme vor, dass eben niemand ihnen jene zweite Chance gebe, was wohl teils in den Sachen selbst begründet liegt. Einen alten Kühlschrank oder eine ausrangierte Couch als Geschenk zu etikettieren, sei möglicherweise gut gemeint – manchmal stünden solche Sachen aber in einem Zustand an der Straße, in dem sie praktisch für niemanden mehr einen Wert hätten. "Da drängt sich dann schon der Verdacht auf, dass jemand vielleicht zu faul ist, die Dinge korrekt zu entsorgen oder die Sperrmüllkosten sparen will", sagt Hofmann.


"Zum mitnehmen": Manchmal finden sich durchaus brauchbare Sachen auf Osnabrücks Straßen. Anderes gehört eigentlich entsorgt. Foto: Markus Pöhlking


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"Kein großes Fass wegen einer kleinen Bücherkiste"

Aus Sicht des OSB ist das spätestens dann ein Ärgernis, wenn nicht als Sperrmüll angemeldeter Krempel auf öffentlichem Grund steht – also auf dem Bürgersteig beispielsweise. Das sei als "unerlaubte Sondernutzung öffentlicher Fläche" zu werten, erklärt Heiko Brosig, der beim OSB im Bereich Umwelt und Klimaschutz arbeitet. 

Lässt sich der Verursacher ermitteln, sei ein Bußgeldverfahren die Folge. Im Falle von Elektrogeräten, die gefährliche Gegenstände oder giftige Stoffe enthalten können, sei sogar eine strafrechtliche Relevanz gegeben, sagt Brosig, um einzuräumen: "Wir werden jetzt wegen einer kleinen Bücherkiste am Wegesrand kein großes Fass aufmachen. Wichtig ist, dass die Verkehrssicherheit von Straßen und Fußwegen erhalten bleibt und die Umwelt nicht gefährdet wird."

Einladend: Dieses Sofa stand neulich an der Sutthauser Straße, ausweislich der beschriebenen Zettel war es "zu verschenken". Foto: Markus Pöhlking

Insgesamt trete das im Verwaltungsjargon als "verbotenes Ablagern von Abfällen" Phänomen eher in Randgebieten der Stadt auf, wo bisweilen ganze Wohnungseinrichtungen illegal entsorgt würden. Dennoch behalte man auch die Situation in den Wohngebieten im Auge. Brosig verweist in dem Zusammenhang auf die eigentlich vorgesehene Praxis: Sperrmüll bei der Stadt anmelden, frühestens drei Tage vor dem Abholtermin an die Straße stellen oder alternativ ausrangierte Gegenstände zu den Recyclinghöfen bringen. "Ansonsten müssen wir die Sachen auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen."

Verschenkgruppen und Ebay

Wer seine Sachen als für den Abfall zu Schade betrachtet, kann mittlerweile eine ganze Reihe von Online-Plattformen wählen, in denen Sachen verschenkt werden können. Ein entsprechendes Angebot gibt es beispielsweise bei Ebay-Kleinanzeigen, mit noch etwas weniger Aufwand können Sachen in Facebook-Gruppen wie "Verschenks Osnabrück" und "Mimmis Tauschrausch" angeboten werden, und möglicherweise bekommt Osnabrück bald einen Verschenkmarkt.

Irgendwer nimmt´s schon mit: Herumliegendes Gerümpel in der Osnabrücker Wüste. Foto: Markus Pöhlking

Und dann sind da noch Einrichtungen wie die Möwe. Der Katholische Verein für soziale Dienste (SKM) in Osnabrück trägt das Unternehmen, dessen Zweck die Qualifizierung, Förderung und Beschäftigung Langzeitarbeitsloser ist. Die Möwe setzt unter anderem alte Möbel und Fahrräder wieder instand und nimmt sich auch alter Kleidungsstücke, Bücher und sonstiger Haushaltsgegenstände an, um sie zu vermarkten. "Wir kommen auf Wunsch auch in die Wohnung, um vor Ort zu prüfen, inwiefern wir eine Schrankwand oder eine Sofagarnitur noch für unsere Zwecke nutzen können", wirbt Betriebsleiter Thomas Schulke für die Inanspruchnahme der Möwe.

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Die Möwe drückt ein Auge zu

Schulke verzeichnet über die Jahre eine steigende Zahl entsprechender Anfragen. Damit nimmt allerdings auch der Anteil an Offerten zu, die praktisch keinen Wert mehr haben:  "Es werden uns viele Dinge angeboten, die man beim besten Willen nicht mehr gebrauchen kann." Schulke rät dennoch dazu, im Zweifelsfall mal bei der Möwe vorzufühlen: "Wir drücken im Zweifelsfall sicher auch noch ein Auge zu, was die Weiterverwertbarkeit angeht", betont er. Und alles andere, dass müsse man akzeptieren, gehöre dann schlicht fachgerecht entsorgt.


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