Kammerjäger haben alle Hände voll zu tun Osnabrücker Schädlingsbekämpfer: „2018 ist ein Wespenjahr“

Von Antonia Wahmhoff


awa Osnabrück. Beim Essen im Freien ist in diesen Tagen fest mit ihnen zu rechnen: Wespen. Die schwarz-gelben Insekten profitieren von der aktuellen Witterung und können ganz schön lästig werden, wenn sie es erst einmal auf das Wurstbrot oder den Fruchtsaft abgesehen haben. Kein Wunder also, dass die Kammerjäger im Moment alle Hände voll zu tun haben. Wir durften einen Schädlingsbekämpfer bei seiner Arbeit begleiten.

„2018 ist ein Wespenjahr“, bestätigt Schädlingsbekämpfer Thomas Storksberger. Seit acht Jahren arbeitet er in diesem Beruf für das Unternehmen Angelkort. Der warme Frühling habe dafür gesorgt, dass sich die Wespen gut entwickeln konnten und auch der warme und trockene Sommer schaffe ideale Bedingungen für die Tiere. „Wir haben dieses Jahr viele und große Nester“, freut sich Storksberger. Was für den Fachmann aus biologischer Sicht durchaus sehr erfreulich ist, versetzt viele Bürger in Unruhe.

So häufen sich bei Angelkort die Anfragen von Privatleuten und Institutionen, die aufgrund von Wespennestern Rat suchen. Täglich erhält das Unternehmen ungezählte besorgte Anrufe. „An Spitzentagen haben wir 200 Aufträge“, berichtet Storksberger. Unter den Auftraggebern ist auch das Schulzentrum Sonnenhügel in Osnabrück: Ein großes Wespennest am Fenster soll weg, bevor die Schüler am Donnerstag aus den Ferien zurückkommen.

Nicht immer leicht zu erreichen sind die Wespennester, die Schädlingsbekämpfer Thomas Storksberger entfernen muss. „Gestochen wird man aber nur selten“, versichert er. Foto: Thomas Osterfeld

Nach seinem Eintreffen macht sich der Schädlingsbekämpfer zunächst ein Bild von der Situation. Relativ schnell steht fest: „Das Nest befindet sich an einer sensiblen Stelle. Die Wespen gelangen über das Fenster in den Flur und das kann gefährlich werden, besonders wenn sich hier wieder Schüler tummeln.“ Dann wird es ernst. Storksberger holt seine Ausrüstung aus dem Auto, zieht seinen Schutzanzug an und streift sich große Handschuhe über. „Wir arbeiten ausschließlich mit ökologischer Schädlingsbekämpfung“, versichert er. „Meistens setze ich ein Spray ein, aber dieses Wespennest befindet sich unter einer Verkleidung am Fensterrahmen und ist daher schwer zu erreichen. Hier kommt Silikatstaub zum Einsatz.“ Über ein langes Rohr pumpt Storksberger feines Puder in das Wespennest. „Wenn die Tiere nun mit der giftfreien Substanz in Kontakt kommen, wird ihr Körper benetzt“, erklärt er. Als Folge trocknen die Insekten aus. Innerhalb von zwei bis drei Tagen sei die Angelegenheit dann erledigt.

Natürlicherweise suchen sich die Wespen ruhige und geschützte Plätze. „Wespennester befinden sich häufig in Rollladenkästen, im Dachbereich oder auch in Vogelnistkästen“, weiß Storksberger. „Hier werden sie dem Menschen auch eigentlich nicht gefährlich.“ Aus Naturschutzgründen werden Wespennester auch nicht ohne Weiteres entfernt. „Bekämpft werden grundsätzlich nur die Deutsche und die Gemeine Wespe, da nur diese Arten als aggressiv gelten. Außerdem werden sie nur entfernt, wenn sie, so wie hier, in empfindlichen Durchgangsbereichen liegen.“ Ein wichtiger Teil seiner Arbeit sei daher auch die Beratung. „Wenn es möglich ist, versuchen wir die Völker umzusiedeln und zum Glück können wir viele Menschen auch davon überzeugen, die Nester an ihrem Ort zu belassen.“

Unwissenheit in der Bevölkerung

Arten wie die Gallische Wespe oder auch die Hornisse sind streng geschützt und werden daher nicht bekämpft. „Naturschutz wird in Osnabrück großgeschrieben“, sagt Monika Angelkort, die gemeinsam mit ihrem Mann Berthold das Unternehmen mit Hauptsitz in Ascheberg in Nordrhein-Westfalen führt. Seitdem sie die Schädlingsbekämpfung Brockmann im Jahr 2010 übernommen haben, sind die Angelkorts über das Münsterland hinaus auch im Raum Osnabrück tätig. Hinter den zahlreichen besorgten Anrufen, die die Firma täglich erhält, steckten häufig auch Missverständnisse, weiß die Unternehmerin aus Erfahrung: „Wir beobachten in der Bevölkerung eine hohe Unwissenheit. Viele Menschen werden panisch, dabei handelt es sich manchmal gar nicht um Wespen.“ Angelkort betont die Bedeutung der kleinen Tiere für unsere Umwelt: „Wespen sind natürliche Schädlingsbekämpfer, da sie andere Insekten fressen.“

Praktische Tipps

Generell möchte Angelkort zu mehr Gelassenheit im Umgang mit den Tieren aufrufen. „Aktuell sind die Tiere mit ihrer Brut und dem Nestbau beschäftigt“, sagt die. In dieser Zeit gehe keine große Gefahr von ihnen aus. „Wer ein Wespennest entdeckt, sollte Ruhe bewahren und einen Experten zur Hilfe holen.“ Fliegengitter oder -netze vor den Fenstern könnten helfen, dass Wespen nicht ins Haus gelangen. Verirre sich doch einmal ein Tier ins Wohnungsinnere, solle man versuchen, die Wespe behutsam wieder nach draußen zu transportieren. Um die ungebetenen Gäste von der Terrasse oder dem Balkon fernzuhalten, könnten etwas außerhalb Wespenfallen platziert werden, so Angelkort. Als Lockmittel empfiehlt die Expertin Fruchtsäfte oder Liköre. „Die kleinen Tierchen mögen nämlich ganz gerne Alkohol“, sagt sie und schmunzelt.

Grundsätzlich kann man sich also gegen Wespen schützen, wenn man sich ruhig verhält, anstatt um sich zu schlagen – und das ist bei den immer noch sommerlichen Temperaturen doch ohnehin das Beste.

Weiterlesen: Praktische Tipps zum Umgang mit Wespen


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