Hunderttausende Euro Schaden Hitzeschäden bei Jungbäumen in der Region Osnabrück: „Nichts mehr zu retten“

Von Jürgen Schwietert


Osnabrück/Bippen. Die außergewöhnlich lange Dürreperiode bedroht viele junge Bäume in der Region Osnabrück, wie der regionale Sprecher der niedersächsischen Landesforsten, Rainer Städing, auf Anfrage unserer Redaktion berichtet.

„Wir müssen damit rechnen, dass viele erst vor Kurzem gepflanzte Bäume im kommenden Jahr nicht mehr austreiben.“ Sie kommen nicht an die tiefer liegenden und noch wasserführenden Bodenschichten heran. Allerdings sind nicht nur Jungbäume, sondern auch ältere Bäume betroffen, die mit ihren längeren Wurzeln trotz der Trockenheit noch an die Wasserreserven im Boden herankommen. „Zurzeit finden wir auch andere Hitzeschäden vor. Bei manchen Bäumen verbrennen die Blätter förmlich. Das sieht man aktuell zum Beispiel bei der Buche öfter.“ Hitzeschäden gibt es im ganzen Osnabrücker Land. Besonders geschädigt sind jedoch einige Bereiche des Nordkreises.

Noch nie erlebt

Hermann Böhnisch ist bereits seit 48 Jahren Förster, davon 40 Jahre in dem Revier zwischen Bramsche-Engter, Menslage, Fürstenau und Holdorf, doch solche Ausmaße hat er in seiner Laufbahn noch nie erlebt. „Zehn Prozent meines insgesamt 2000 Hektar großen Reviers sind durch Trockenheit und Hitze geschädigt.“ Dramatisch sind die Ausmaße in einem Waldstück in Bippen-Hartlage. 25 Jahre alte Eichen, Birken und Lärchen hat es auf einem Gebiet von drei Hektar dahingerafft. „Da ist nichts mehr zu retten. So etwas Katastrophales habe ich in fast einem halben Jahrhundert nicht gesehen“, bedauert Böhnisch.

„1959 war auch ein sehr trockenes Jahr. So eine lang anhaltende Periode wie jetzt ohne Regen habe ich aber noch nicht erlebt“, betont der 65-jährige Fachmann. Die völlig verdörrten Birken haben die Blätter bereits komplett abgeworfen, die Eichen sehen aus wie sonst nur im Herbst. Mittlerweile sterben sogar die sonst eigentlich robusten Lärchen ab.

Hoffen auf frühe Knospen

Böhnisch hofft, dass sich die Knospen für das nächste Jahr schon ausgebildet haben und den Baum im kommenden Jahr wieder grün werden lassen. Der Saftdruck reiche aber nicht aus, um die Knospen in der obersten Etage zu erhalten. Wenn die Bäume im kommenden Jahr wieder austreiben, ist nur der Zuwachsverlust des laufenden Jahres zu beklagen. Hierbei handele es sich aber auch schon um viele Festmeter. Der Baum könne sich aber wieder erholen. Die durch die Eichenprozessionsspinner verursachten Schäden würden sich nicht auswirken. „Die Eichenprozessionsspinner haben hier ein ganz interessantes Erscheinungsbild. Normalerweise treten sie in großen Massen auf und fressen eine ganze Partie kahl. Hier sind sie auf gesunden und frischen Einzelbäumen aufgetreten“, so Böhnisch. Ihr Befall führe nicht zu verstärktem Absterben.

Wurzeln von jungen Bäumen nicht genug ausgebildet

Das werde vielmehr neben der enormen Trockenheit auch durch die Ausrichtung (Sonneneinstrahlung) beeinflusst. Die Durchwurzelung sei bei den hier gezeigten jungen Eichen sehr gut. „Sie haben sich schön frühzeitig das Wasser gesucht. Insgesamt sehen die älteren Eichen zu unserem Erstaunen frischer und besser aus“, so der Förster. Auch bei den Buchen würden sich Trockenschäden zeigen. Diese hätten aber die Blätter, die sie nicht mehr versorgen können, schon frühzeitig abgeworfen. Die Nadelgehölze haben auf Trockenmodus umgeschaltet. „Sie haben ihre Spaltöffnungen eisern zugehalten“, so Böhnisch. Aber nur für die älteren Nadelbäume gelte die noch anhaltende Trockenresistenz. Bei den im Frühjahr gepflanzten Nadelgehölzen sei ein großer Verlust zu verzeichnen.

Schadensschätzung

Für sein gesamtes Revier konstatiert Böhnisch, dass aufgrund des noch nicht ausgebildeten Wurzelwerks besonders die Jungpflanzen betroffen sind. „Die Hälfte der Neuanpflanzungen ist bereits tot. Bei so einer Hitze und Trockenheit hatten sie keine Chance.“ Böhnisch geht davon aus, dass es sich um einen absoluten Ausnahmesommer handelt, und hofft, dass die Jungpflanzen im kommenden Jahr mehr Glück haben. Fest steht, dass der Wald zumindest in Bippen-Hartlage neu aufgeforstet werden muss. „Ich selbst werde dann Rentner sein, da ich im November in den Ruhestand gehe, aber ich werde das dann natürlich noch mit großem Interesse verfolgen.“

Den durch die Dürreperiode entstandenen Forstschaden allein in Bippen-Hartlage beziffert er auf mindestens 15000 Euro. In seinem gesamten Revier geht der für den Staatswald zuständige Revierförster von einem Schaden von mindestens 50000 Euro aus. Damit prognostiziert Böhnisch, dass die durch die Hitze entstandenen Schäden bei den Bäumen im gesamten Osnabrücker Land in die Hunderttausende gehen.


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