Hilfsorganisation sucht Räume Osnabrück soll eine Arche für arme Kinder bekommen

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Das Hilfeprojekt „Die Arche“ hat sich bundesweit einen Namen gemacht. Standorte sind unter anderem Berlin, München, Frankfurt, Göttingen und Herne. Foto: Arche/Michael ClemensDas Hilfeprojekt „Die Arche“ hat sich bundesweit einen Namen gemacht. Standorte sind unter anderem Berlin, München, Frankfurt, Göttingen und Herne. Foto: Arche/Michael Clemens

Osnabrück. Osnabrück soll eine Arche für benachteiligte Kinder bekommen. Der bundesweit tätige und von vielen Promis unterstützte Verein „Die Arche“ plant, hier ein Betreuungs- und Freizeitangebot für 50 bis 80 Mädchen und Jungen ins Leben zu rufen. Nun sucht der Verein Räumlichkeiten und Sponsoren.

Den Anstoß, das Kinderhilfsprojekt hierher zu holen, gab der Osnabrücker Charity-Läufer John McGurk, der mit seinem Verein „Sportler 4 a childrens world“ schon mehrfach Spenden für die Berliner Organisation erlaufen hat.

Deutschlandweit betreut das christliche Kinder- und Jugendwerk Arche nach Angaben von Pressesprecher Wolfgang Büscher täglich 4500 Kinder und Jugendliche. In den Freizeiteinrichtungen bekommen sie kostenlose Mahlzeiten und eine Nachmittagsbetreuung.

Der Verein arbeite komplett spenden- und sponsorenfinanziert, so Büscher, und beschäftige 200 Pädagogen. Kooperationen mit den Fernsehsendern Pro Sieben oder RTL und die Unterstützung durch Promis wie Lukas Podolski, Wolfgang Thierse, Günther Jauch oder die Schauspielerin Claudia Michelsen haben dazu geführt, dass die Hilfseinrichtung bundesweit bekannt ist und über ein entsprechend hohes Spendenaufkommen verfügt.

In Deutschland dauere es laut einer aktuellen OECD-Studie sechs Generationen, um aus der Armut herauszukommen, betont Büscher, in Dänemark nur zwei Generationen. „Wir versuchen, den Kindern zu vermitteln, dass sie stark sind“, so Büscher. „Der schlimmste Spruch in der Politik ist: ‚Kinder sind Zukunft‘“, betont er. „Kinder sind Gegenwart.“

Jedes vierte Kind betroffen

In Osnabrück leben stadtweit 24,7 Prozent aller Kinder unter zehn Jahren – also jedes vierte – in Familien mit Sozialhilfebezug, sagt auf Anfrage Rita Alte-Bornholt von der städtischen Koordinierungsstelle Kinderschutz. Im Schinkel sind es sogar 47,1 Prozent, also fast jedes zweite Kind. „Die Brisanz des Themas ist da“, so Alte-Bornholt.  (Weiterlesen: Mehr als 5000 Kinder in Osnabrück leben in Armut)

Viele Unternehmer und Freunde hätten ihn gefragt, warum es in Osnabrück keine Arche gebe, berichtet John McGurk. Er sei aus tiefstem Herzen von dem Konzept überzeugt. „Wir wollen die Armut hier vor Ort bekämpfen.“ Ihm sei bewusst, dass es in Osnabrück schon Projekte wie etwa die Kindertafel gibt. „Aber das reicht nicht.“

Die Arche vor Ort soll eine Osnabrücker Einrichtung werden und ins bestehende Hilfenetzwerk eingebunden werden, sagt Pressesprecher Büscher. Ideal wären Geschäftsräume in der Größenordnung von 150 bis 200 Quadratmetern mit einem Außengelände, erläutert er. Und: „Wir wollen in ein Brennpunktgebiet.“ McGurk kann sich etwa die Quartiere Schinkel, Rosenplatz, Dodesheide, Eversburg oder Atter vorstellen. Starten will die Arche mit zwei bis vier festangestellten Mitarbeitern, die von Ehrenamtlichen unterstützt werden sollen, so Büscher.

Eine Zugangsbeschränkung für die Kinder, etwa den Osnabrück-Pass, den Sozialhilfempfänger und Geringverdiener bekommen, soll es nicht geben, so Büscher. „Bei uns kann jeder kommen. Wir sind eine offene Einrichtung und haben auch Kinder, wo beide Eltern arbeiten gehen.“ Altersmäßig peilt die Arche in Osnabrück zunächst Kinder von sechs bis zwölf Jahre an, die Einrichtung solle mit den Jahren dann in den Jugendbereich hineinwachsen.


Das steckt hinter dem Verein „Die Arche“

1995 gründete der evangelische Jugendpastor Bernd Siggelkow in Berlin-Hellersdorf den Verein „Die Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk“. Ziel des Vereins ist, sich um arme Kinder und Familien zu kümmern. Die Arche ist also ein christlicher Verein, der auch die entsprechenden Werte vermittelt. Das wird der Organisation immer mal wieder vorgeworfen. Sprecher Wolfgang Büscher betont jedoch: „Bei uns wird nicht missioniert.“

20 Jahre nach ihrer Gründung ist die Arche an 25 Standorten in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Dresden, Göttingen, Hamburg, Herne, Köln, Leipzig und Meißen vertreten, hinzu kommen ein Standort in Polen und zwei in der Schweiz.

Die Erfolgsgeschichte des fast ausschließlich spendengetragenen Vereins rührt von einer guten Öffentlichkeitsarbeit her. Die Arche arbeitet unter anderem mit Prominenten wie Lukas Podolski, Günther Jauch oder Caren Miosga, zusammen, bringt durch sie das Thema Kinderarmut nach vorne und akquiriert weitere Spenden. 2016 beliefen sich die Gesamteinnahmen laut Jahresbericht auf 10 Millionen Euro.

Teilweise ist die Arche direkt an Schulen tätig und versorgt die Kinder dort mit kostenlosem Frühstück. Ansonsten zählen kostenloses Mittag- und Abendessen zu den Angeboten in den Arche-Freizeitzentren. Daneben bietet der Verein Hausaufgabenhilfe, Freizeitbeschäftigungen und – das ist der Arche besonders wichtig – Beziehungsarbeit. Der Slogan des Vereins lautet: „Wir machen Kinder stark fürs Leben.“ Mädchen und Jungen, die aus armen Verhältnissen stammen, lernen dort teilweise, wie sie sich richtig die Zähne putzen, sagt Sprecher Büscher. In Berlin würden täglich 300 Kinder erreicht.

2008 erhielt Arche-Gründer Bernd Siggelkow für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz. 

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