Bild hängt jetzt im Museum Felix Nussbaums „Pernickelturm“ wiederentdeckt

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Osnabrück. Bis vor Kurzem gab es im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück nur eine Schwarz-Weiß-Fotografie seines Bildes „Pernickelturm in Osnabrück“. Nun ist das originale Gemälde wieder aufgetaucht und wird mit der Wiedereröffnung der Sammlungspräsentation im Museum der Öffentlichkeit gezeigt.

Der mittelalterliche Turm, die Fußgängerbrücke, die über die Hase führt – Ortskundige können das Bild „Pernickelturm in Osnabrück“ sofort zuordnen. Denn fast genauso wie Felix Nussbaum ihn und seine Umgebung 1926 gemalt hat, sieht es dort heute immer noch aus.

Das Gemälde hängt neu im Felix-Nussbaum-Haus. Mit der Wiedereröffnung der Sammlungspräsentation im Nussbaum-Haus am Mittwoch, 8. August, wird es zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Denn bis vor wenigen Monaten war dem Museum nur eine Schwarz-Weiß-Fotografie des Bildes bekannt. Ob das Original noch existiert, wusste niemand.

Signatur in NS-Zeit übermalt

Bekannt war nur, dass das Bild seit 1927 Irmgard Nickel aus Melle gehört hatte. Sie war viele Jahre Mitarbeiterin der Eisenwarenhandelsgesellschaft „Gossels & Co“ von Felix Nussbaums Vater Philipp und dessen Cousin Simon Gossels. Nickel gehörte auch zu den Zeitzeugen, die in 70er- und 80er-Jahren zu Felix Nussbaum interviewt wurden. Damals berichtete sie, dass sie in der NS-Zeit aus Angst vor Entdeckung die Signatur des jüdischen Künstlers auf dem Bild übermalt hatte. Die Signatur wurde inzwischen freigelegt, sodass Nussbaums Name wieder zu lesen ist.

Kinder hatte Irmgard Nickel nicht. Stattdessen vererbte sie das Bild einer Freundin. Die nahm vor einigen Monaten Kontakt zum Restaurator des Felix-Nussbaum-Hauses auf und hat ihr Eigentum inzwischen dem Museum als Leihgabe überlassen.

Mit dem Wiederauftauchen des Originals ist nun bekannt, welche Farben das Bild „Pernickelturm in Osnabrück“ überhaupt hat. Da sticht das dunkle Rot vom Violett des Himmels ab. Kuratorin Schwetter verweist außerdem darauf, dass Nussbaum an manchen Stellen sehr detailliert vorgeht, aber etwa die Fußgängerin bewusst grob malt. Vorbilder dieses noch jungen Nussbaums waren Maler wie der junge Vincent van Gogh oder Maurice Utrillo.

Auch eine Grafik ist aufgetaucht

Mit dem Bild überlässt die Eigentümerin dem Museum außerdem die Grafik „Die Grablegung 1“. Das Pendant, das Gemälde „Die Grablegung 2“, befindet sich bereits im Bestand des Nussbaum-Hauses. Das Motiv zeigt einen Bestatter vor dem Tor zum Grundstück eines Krematoriums. Die schwarzen Vögel auf dem Bild würde sich auch im späteren Werk Nussbaums wiederfinden, wo sie für den Tod stehen, so Anne Sibylle Schwetter. Doch schon der junge Nussbaum hatte Angst vor dem Sterben.

Vor etwa vier Wochen wurden Felix Nussbaums Bilder vorübergehend abgehängt. Der Grund war die Jubiläumsreihe zum 20. Geburtstag des von Daniel Libeskind entworfenen Museums, in der es um die Architektur des Gebäudes ging. Der große Saal bleibt vorerst weiterhin bilderlos. Dort sind ab Donnerstag, 16. August, Bilder des zeitgenössischen jüdischen Malers Yuri Kharchenko zu sehen.


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