Bundespräsident ehrt Prof. Zucchi Orden für einen streitbaren Osnabrücker Naturschützer

Von Rainer Lahmann-Lammert

Als Kind in den Zaubertrank Natur gefallen: Herbert Zucchi (rechts) erhielt das Bundesverdienstkreuz aus der Hand von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Foto: Thomas OsterfeldAls Kind in den Zaubertrank Natur gefallen: Herbert Zucchi (rechts) erhielt das Bundesverdienstkreuz aus der Hand von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Einer, der sich den Naturschutz und die Umweltbildung zur Lebensaufgabe gemacht hat, wurde jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt: Herbert Zucchi, scheidender Professor für Zoologie und Tierökologie an der Hochschule Osnabrück, bekam die Auszeichnung aus der Hand von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

„Sie haben das Bild der Naturerziehung in Deutschland wesentlich geprägt“, erklärte Griesert in seiner Laudatio vor zahlreichen geladenen Gästen im Friedenssaal des Rathauses. Zucchi sei es gelungen, vielen Menschen in Seminaren und Vorträgen, Führungen und Exkursionen die Tier- und Pflanzenwelt näherzubringen. Osnabrück habe in hohem Maße von diesem Engagement profitiert, etwa durch Zucchis Einsatz für den Erhalt von Wildinseln. Auch der Lernstandort Nackte Mühle sei von dem Geehrten initiiert und unterstützt worden. Zudem habe er an vielen Stellen sein Fachwissen für den Naturschutz eingebracht und seine Stimme für die ökologischen Belange erhoben.

Griesert verhehlte nicht, dass er es kompliziert finde, sich bei ökologischen Konflikten auf die richtige Seite zu stellen, weil sich nicht nur Naturschützer, sondern auch Jäger, Angler oder Landwirte zu Anwälten von Natur- und Umweltschutz erklärten. Bei der Auseinandersetzung um Wind- und Wasserkraft oder umweltfreundliche Mobilität komme die Gesellschaft manchmal nicht umhin, das kleinere Übel zu wählen.

Zucchi, so führte der Oberbürgermeister im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus, werde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, weil er sich für das „gemeinschaftliche Wohl“ engagiert habe. Die von Griesert angemahnte Kleiderordnung machte es erforderlich, dass der Held des Tages trotz der Hitze („ich entwickle mich zu einem Feuchtbiotop“) sein Jackett anlegen musste, obwohl der OB ihm die Verdienstmedaille aushändigte, ohne sie ihm ans Revers zu heften.

„Wären wir jetzt auf einem Fachsymposium, hätte ich Ihnen wahrscheinlich in etlichen Punkten widersprochen“, gab Zucchi zurück. Aber das wolle er sich an diesem Tag verkneifen. Als Kind sei er „in den Zaubertrank der Natur gefallen“ und habe stets den Drang verspürt, viel über sie zu lernen und für ihren Schutz zu streiten.

Das Engagement vieler Naturschützer habe zwar zu manchen Erfolgen geführt, bemerkte der Professor, und nannte in diesem Zusammenhang die Schaffung von 16 Nationalparks in Deutschland, den Rückgang der Schwefeldioxidemissionen und die Renaturierungsprojekte an Fließgewässern.

Bedrohlich sei jedoch die riesige Menge Verpackungsmüll, von der ein Teil ins Meer gespült werde. Zudem gehe die Flächenversiegelung unvermindert weiter, und damit gehe eine Art nach der anderen unwiederbringlich verloren. Da helfe nur noch eine neue Ethik des Verzichts: „Weniger Konsum, weniger Mobilität, mehr Bescheidenheit und Demut“. Nur so lasse sich das leise Sterben der Arten noch aufhalten, vermerkte Zucchi.

In diesem Sinne äußerte sich auch Friedhelm Scheel von der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land, der den 1950 geborenen Naturschützer beim Bundespräsidialamt für die Ehrung vorgeschlagen hatte. Herbert Zucchi sei „furchtlos und ehrlich“, wenn er für die bedrohte Tier- und Pflanzenwelt kämpfe. In diesem Zusammenhang kritisierte Scheel die Flächenversiegelung in Osnabrück durch die geplanten Wohn- und Gewerbegebiete als „Ausverkauf unserer Kulturlandschaft in dieser Stadt“.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier im Friedenssaal von Ute Rathke und Rüdiger Quast (Gesang und Gitarre). Beim Moorlied zum Schluss musste der mit dem Verdienstkreuz dekorierte Ordensträger nach vorne treten und mitsingen. Er hatte den Text für den Song in den 80er Jahren selbst geschrieben.


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