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Mustergültig oder Marketinggag? Osnabrücker Kartoffelhaus: Hitzefrei bis zum Abend

Von Markus Pöhlking

Die Küche bleibt kalt: Hitzebedingt hat das erste Osnabrücker Kartoffelhaus seinen Mitarbeitern am Dienstagnachmittag hitzefrei gegeben. Foto: Michael GründelDie Küche bleibt kalt: Hitzebedingt hat das erste Osnabrücker Kartoffelhaus seinen Mitarbeitern am Dienstagnachmittag hitzefrei gegeben. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Draußen nähern sich die Temperaturen der Marke von 40 Grad, in den Küchen der Gastronomie liegen sie dieser Tage oft sogar drüber. Das Kartoffelhaus Osnabrück hat daher seinen Mitarbeitern am Dienstag ein paar Stunden hitzefrei gegeben.

Es sei schon in den letzten Tagen einfach unerträglich heiß in der Küche gewesen, erklärte Jörg Radloff vom in der Bierstraße gelegenen ersten Osnabrücker Kartoffelhaus. "Wir können unseren Leuten da noch so viel Wasser und andere Getränke hinstellen – bei der aktuellen Hitze lindert das die Situation nur unerheblich."


Die Außenterasse des Kartoffelhauses. Ab 18 Uhr gibt es hier auch am Dienstag wieder was auf den Teller. Foto: Michael Gründel


Weil in den Wetterberichten für Dienstag von neuen Temperaturrekorden die Rede war, entschloss sich die Geschäftsführung kurzerhand, der Belegschaft am Dienstag bis 18 Uhr hitzefrei zu geben. "Abends haben wir mehrere Reservierungen, die wir natürlich einhalten werden. Weil aber nachmittags ohnehin nicht viel los gewesen wäre, haben wir kurzerhand ganz zu gemacht", sagt Radloff, "gutes Personal muss man schließlich pflegen." 

"Vorbildlicher Mitarbeiterschutz"

Auf dem Facebook-Profil des Osnabrücker Kartoffelhauses sahen sich die Mitarbeiter aufgefordert, den Tag im Schwimmbad, in einer Eisdiele, am Baggersee oder in der Kühltruhe zu verbringen – bei den Fans des Restaurants stieß die Entscheidung auf positive Resonanz. 


Positiv kommentiert auch Sebastian Zöppel vom Osnabrücker Regionalbüro der Gewerkschaft Nahrung Genuss-Gaststätten den Schritt des Kartoffelhauses. "Ich finde das mustergültig, das ist absolut vorbildlicher Mitarbeiterschutz", sagte der Gewerkschaftssekretär. In manchen Gastronomieküchen stiegen die Temperaturen derzeit auf bis zu 45 Grad, was Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter erforderlich mache. Vielerorts reagierten Arbeitgeber derzeit mit zusätzlichen Pausen und kostenlosen Getränken auf die außergewöhnliche Hitze. "Den Angestellten hitzefrei zu geben, ist allerdings eher ungewöhnlich – aber sicherlich nachahmenswert."

Oder doch ein Marketinggag?

Zurückhaltender beurteilt Dieter Westerkamp, Geschäftsführer des Dehoga-Geschäftsverbandes Osnabrück, die Maßnahme des Kartoffelhauses. Seiner Meinung nach gebe es ausreichend Schutzbestimmungen für Mitarbeiter in der Gastronomie. In einer modernen, etwa mit Induktionsherden ausgestatteten Restaurantküche unterscheide sich die Hitzeentwicklung nicht wesentlich von der etwa einer Tischlerei. "Und da arbeiten die Leute dieser Tage ja auch." 

Klimaanlagen und Lüftungstechnik seien in der Gastronomie ohnehin Vorschrift, sagt Westerkamp. In Einzelfällen müsse ein Restaurantbetreiber weitere Maßnahmen treffen, um seine Mitarbeiter zu schützen. "Natürlich kann man dann auch hitzefrei geben. Für mich sieht sowas allerdings eher nach einer Marketingmaßnahme aus", urteilt Westerkamp.

Das Osnabrücker Kartoffelhaus indes behält sich weitere Maßnahmen vor, sollte die Hitzewelle nach der für die nächsten Tage prognostizierten Abkühlung wieder aufflammen. "Wenn es erneut solche Temperaturen gibt, bleibt die Aktion vielleicht kein Einzelfall", teilt Jörg Radloff vom Kartoffelhaus mit. 



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