Eingeschleppte Krankheiten Osnabrücks Kastanienbäume sind gefährdet

Von Mareike Bader

In Osnabrück sind mehrere Kastanienbäume vom Bakterium Pseudomonas syringae befallen, wie Thomas Maag an der Lerchenstraße zeigt. Foto: Gert WestdörpIn Osnabrück sind mehrere Kastanienbäume vom Bakterium Pseudomonas syringae befallen, wie Thomas Maag an der Lerchenstraße zeigt. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Nicht nur die Trockenheit setzt dieses Jahr den Osnabrücker Kastanienbäume zu. Zwei weitere Krankheiten gefährden die Stadtbäume immer mehr. Der Osnabrücker Service-Betrieb (OSB) scheint machtlos.

Kastanien haben diesen Sommer wie alle Flachwurzler mit der Trockenheit zu kämpfen. "Wir versuchen natürlich unsere Bäume zu wässern", sagt Katrin Hofmann vom OSB. Aktuell seien gerade die Bäume mit flachen Wurzeln besonders anfällig für sekundäre Parasiten – also Pilzerkrankungen.

Doch den Rosskastanienbäumen in der Stadt setzen weiter zwei Krankheiten zu: "Die Kastanien sind von allen Seiten befallen", erklärt Thomas Maag, Experte für Grünschutz beim OSB. 

Schädling aus dem Balkan

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind die Bäume jedes Jahr von der Miniermotte befallen. Die Raupen fressen sich durch die Blätter der Kastanie. Die Wasserversorgung wird durchtrennt, das Blatt trocknet aus und sieht aus wie sonst erst im Herbst. "Da ist man machtlos. Die Miniermotten sind jetzt da", sagt Maag. Der Schädling sei vom Balkan über Österreich nach Deutschland eingeschleppt worden.

Die Massenvermehrung sei kaum aufzuhalten. Dazu müsse das heruntergefallene Laub verbrannt oder zur Kompostieranlage der Stadt gebracht werden. Das sei aber nicht jedem zuzumuten, gibt Maag zu. Selbst für alle Stadtbäume sei diese Art der Entsorgung zu aufwendig. 

Miniermotten-Befall zeigt sich dieses Jahr später

Der Baumschutz-Experte hat jedoch den subjektiven Eindruck, dass der Befall dieses Jahr später auftritt. "Vielleicht verzögert sich das durch die Trockenheit ein bisschen." Im vergangenen Jahr seien Anfang August die Bäume schlimmer befallen gewesen, erinnert sich der Baumpfleger.

Dunkle Flecken und eingerollte Ränder – so sehen Kastanienblätter mit Mottenbefall aus. Archivfoto: Michael Gründel

Doch ohne Laub kann der Baum nicht genug wachsen. Hinzu kommt seit etwa sieben Jahren das Bakterium Pseudomonas syringae. "Das ist schon gefährlicher", erläutert Maag. Denn anders als bei der Miniermotte befällt der Erreger den Baumstamm. Dabei nutzt das Bakterium eine Vorerkrankung oder Verletzung am Stamm aus. Die Stelle verfärbt sich.

Theoretisch kann man laut Maag bei einer Erkrankung nichts machen, da es ein bakterieller Befall ist. Das Gefährliche: Die Bakterien verstopfen die Leitungsbahnen. Die Versorgung der Krone ist unterbrochen. Im schlimmsten Fall könne die Krone sogar abbrechen und herunterfallen.

Der OSB versucht, die Kronen durch Beschneidung zu retten. Doch auch das ist aufwendig, denn es muss mit sterilem Schnittwerkzeug gearbeitet werden. 

Die große Kastanie auf der zentralen Rasenfläche im Schlossgarten Osnabrück wurde im Juni 2015 gefällt. Der Baum war zuvor durch den Pseudomonas-Befall innerlich abgestorben. Archivfoto: David Ebener

Die Krankheiten gefährden die einzelnen Bäume. Prominentestes Beispiel ist wohl die große Kastanie im Schlossgarten, die wegen Pseudomonas-Befall innerlich ausgestorben war und gefällt werden musste. "Das ging ganz schnell", berichtet Maag. Erinnert sei auch an die Kastanie im Wintergarten des Grünen Jägers. Sie musste im November vergangenen Jahres gefällt werden, weil Schädlinge und Krankheiten ihre Standfestigkeit beeinträchtigt hatten.

Der Gesamtbestand sei jedoch nicht gefährdet. Allerdings könne niemand sagen, wie sich die Lage weiterentwickelt. Aus Angst keine Kastanien zu pflanzen, hält er für falsch. Schließlich erkranke nicht jeder Kastanienbaum. "Die Vielfalt an Bäumen ist wichtig", bekräftigt er die Diversität, die auch dazu beitrage, dass sich Arten wieder erholen können.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN