Bewährungsstrafe für Osnabrücker Ohne Führerschein, aber mit aggressivem Fahrstil

Von Robert Schäfer

Mit der Lichthupe gab ein Osnabrücker einem anderen Autofahrer zu verstehen, dass er seiner Meinung nach zu langsam fährt. Symbolfoto: imago/Jochen TackMit der Lichthupe gab ein Osnabrücker einem anderen Autofahrer zu verstehen, dass er seiner Meinung nach zu langsam fährt. Symbolfoto: imago/Jochen Tack

Osnabrück. Er war immer wieder ohne Führerschein gefahren und fiel dann auch noch durch seine rüpelhafte Fahrweise auf – dieses Verhalten hätte einen 55-jährigen Osnabrücker fast ins Gefängnis gebracht. Das Landgericht Osnabrück gab ihm jetzt eine allerletzte Chance.

Mit einem Geständnis und nachvollziehbar geäußerter Reue hat ein 55-jähriger Osnabrücker jetzt eine eigentlich bereits gegen ihn verhängte Gefängnisstrafe abwenden können. Das Landgericht Osnabrück änderte das Urteil des Amtsgerichts wegen Fahrens ohne Führerschein und Nötigung und eröffnet dem Schausteller so noch eine letzte Chance auf ein weiteres Leben in Freiheit.

Mit der Justiz in Konflikt geraten war der Mann, weil er sich im November 2016 ohne gültige Fahrerlaubnis hinter das Steuer gesetzt und sich dann auch noch rüpelhaft verhalten hatte – und das nicht zum ersten Mal. Das Amtsgericht Osnabrück verurteilte den 55-Jährigen im März zu sechs Monaten ohne Bewährung. Zudem wurde ihm eine zweijährige Führerscheinsperre aufgebrummt.

Vor Grundschule langsamen Fahrer bedrängt

Dem Angeklagten war vorgeworfen worden, wieder einmal ohne Fahrerlaubnis mit dem Auto gefahren zu sein. Vor der Grundschule Hellern geriet er dann auch noch mit einem anderen Fahrer aneinander. Dieser war vor der Schule langsam gefahren, obwohl dort in den Abendstunden gar keine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt. Diese defensive Fahrweise quittierte der 55-Jährige zunächst mit dichtem Auffahren und der Nutzung der Lichthupe. Später überholte er das Auto des Jüngeren, bremste ihn aus und versuchte, ihn wegen seiner Fahrweise zur Rede zu stellen. Vor dem Amtsgericht behauptete er, dass gar nicht er, sondern sein Sohn gefahren sei. Doch darauf ließ sich das Gericht nicht ein und verurteilte den Schausteller zu der Freiheitsstrafe. Dagegen legte er Rechtsmittel ein.

Direkt zu Beginn der Berufungsverhandlung gab der Vorsitzende dem Angeklagten mit auf den Weg, dass er sich seine nächsten Schritte gut überlegen solle. „Das Urteil der Vorinstanz ist gut begründet“, musste sich der 55-Jährige anhören. „Es gibt viele gute Indizien, dass Sie gefahren sind.“ Falls es ihm vor allem darum gehen sollte, den Weg ins Gefängnis zu vermeiden, solle er sich gut überlegen, ob er wirklich bei seiner „Ich bin gar nicht gefahren“-Geschichte bleiben wolle.

Schuldspruch akzeptiert

Der Angeklagte überschritt die Brücke, die ihm vom Vorsitzenden gebaut worden war. Nach kurzer Unterbrechung gab er zu, selbst am Steuer gesessen zu haben. Den genauen Hergang des Abends sehe er zwar weiterhin anders, sei aber bereit, die Berufung alleine auf die Rechtsfolge – sprich: die Bestrafung – zu beschränken.

Zu der Tat sei es gekommen, weil seine Frau krank gewesen sei und nicht habe fahren können. Von dem langsamen Autofahrer habe er sich provoziert gefühlt. Auch Gründe für seine vielen aktenkundigen Verkehrsverstöße brachte der Angeklagte vor. Als Schausteller sei er darauf angewiesen, pünktlich auf den Märkten zu sein. Nachdem ihm der Führerschein entzogen worden sei, sei er auf die Hilfe von Kollegen angewiesen gewesen. Seien diese ausgefallen, habe er selbst fahren müssen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Diese Aufgabe könnten inzwischen aber seine beiden Söhne erledigen.

Schließlich ließ sich das Gericht davon überzeugen, die sechsmonatige Freiheitsstrafe doch noch einmal für vier Jahre zur Bewährung auszusetzen. Zudem muss der Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Ein Auto wird er allerdings so schnell nicht mehr fahren dürfen: Es blieb bei der zweijährigen Führerscheinsperre. Erst wenn diese abgelaufen ist, kann sich der 55-Jährige wieder um eine neue Fahrerlaubnis bemühen.


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