Delegation reist nach Çanakkale Beziehungen zu Osnabrücks türkischer Partnerstadt haben sich normalisiert

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Das antike Troja liegt bei Çanakkale. Jedes Jahr im August feiert die türkische Stadt deshalb ihr Trojafest. Foto: imago/Westend61Das antike Troja liegt bei Çanakkale. Jedes Jahr im August feiert die türkische Stadt deshalb ihr Trojafest. Foto: imago/Westend61

Osnabrück. Eine zehnköpfige Delegation aus Osnabrück bricht am Mittwoch in die türkische Partnerstadt Çanakkale auf. Die Beziehungen, die noch vor einem Jahr wegen der politischen Lage in der Türkei auf der Kippe standen, scheinen sich normalisiert zu haben.

Das sagt jedenfalls der Osnabrücker Beauftragte für die Städtepartnerschaften, Jens Koopmann: „Wir haben wieder so eine Art Normalzustand.“ Damit steht es um das Verhältnis zwischen den beiden Partnerstädten erheblich besser als um das zwischen Deutschland und der Türkei im Allgemeinen, wo das Foto-Posieren der Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit Staatspräsident Recep Erdogan zu einem Skandal wurde.

Tradition zum Trojafest

Es ist Tradition, dass die Osnabrücker ihrer Partnerstadt im Nordwesten der Türkei alljährlich zu deren Trojafest im August einen Besuch abstatten – genauso wie Politiker aus Çanakkale zur Maiwoche nach Osnabrück kommen. Letzteres fiel dieses Jahr wegen der Parlamentswahlen in der Türkei ins Wasser, und vor einem Jahr durfte der sozialdemokratische Bürgermeister Ülgür Gökhan von der oppositionellen Partei CHP wegen des Ausnahmezustandes das Land nicht verlassen.

2017: Nur Mini-Delgation

Daraufhin sprachen sich die Osnabrücker Ratsfraktionen für eine möglichst große Delegation zum Trojafest aus – doch am Ende reisten 2017 nur SPD-Ratsherr Heiko Schlatermund und die Integrationsbeauftragte Seda Rass-Turgut in die Türkei. Die beiden jedoch waren begeistert von der Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen in Çanakkale und gaben an, von Ausnahmezustand und willkürlichen Verhaftungen wie seinerzeit des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner nichts gespürt zu haben.

Liberale Stadt im Nordwesten der Türkei

Bürgermeister Gökhans Amtszeit dauert noch bis Frühjahr 2019, die Wahlen werden im März des Jahres stattfinden. Wer sich dann zur Wahl stellen wird, ist noch offen. Çanakkale gilt jedoch als liberal. Beim Verfassungsreferendum im vorigen Jahr stimmten 71,5 Prozent der Wähler aus Çanakkale mit „Nein“, während der Rest des Landes Erdogan mehr Macht verlieh. Bei der Präsidentschaftswahl am 24. Juni 2018 lag in Çanakkale der CHP-Kandidat Muharrem Ince mit 43,5 Prozent der Stimmen knapp vor Amtsinhaber Erdogan mit 41,9 Prozent.

Zehn Delegationsteilnehmer

In diesem Jahr reisen Bürgermeister Uwe Görtemöller (SPD), fünf Ratsmitglieder nebst Partnern sowie Stadtrat Wolfgang Beckermann in die Türkei. „Es ist eine außerordentlich große Freude für Çanakkale, dass dieses Jahr die Teilnahme am Trojafestival aus Osnabrück so groß ist“, berichtet Städtebotschafterin Elif Ercan, die die Hasestadt noch bis Herbst dort vertritt. „Und auch der Bürgermeister ist begeistert.“ Seit 2005 tauschen beide Städte Botschafter aus, um die Partnerschaft zu pflegen. „Die Freundschaft der beiden Friedensstädte ist sehr wichtig für Çanakkale“, so Ercan. Beim Trojafest dreht sich dieses Mal alles um das zur Stadt gehörige antike Troja, das vor 20 Jahren in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Austausch lebt

Auch die übrigen Austausch-Aktionen laufen erfolgreich, sagt Jens Koopmann. Im Mai waren Osnabrücker Freiwilligendienstler in Çanakkale, und kürzlich veranstaltete das Jugendamt eine Reise in die Türkei. Schüler aus Çanakkale wiederum kamen im Juni nach Osnabrück. Für Elif Ercans Nachfolge ab Herbst sei ebenfalls schon jemand gefunden.

Was nicht klappt: Zur Osnabrücker Kulturnacht am 25. August sollte eigentlich das Orchester der Universität aus Çanakkale in der Marienkirche auftreten. Aus finanziellen Gründen seitens der türkischen Seite falle das nun jedoch ins Wasser, bedauert Koopmann.


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