„Rasensprengen ist problematisch“ Osnabrücker sollen Wasser sparen, Bäume aber bewässern

Von Jean-Charles Fays

Auf Rasensprengen sollte im Osnabrücker Land zurzeit verzichtet werden, mahnt der Landkreis. Auch in Osnabrück ist der Wasserbedarf groß, die Wasserversorgung läuft aber weiterhin stabil. Die Stadt appelliert, Wasser zu sparen, den Baum vor der Haustür aber weiterhin zu gießen. Foto: Ina Fassbender/dpaAuf Rasensprengen sollte im Osnabrücker Land zurzeit verzichtet werden, mahnt der Landkreis. Auch in Osnabrück ist der Wasserbedarf groß, die Wasserversorgung läuft aber weiterhin stabil. Die Stadt appelliert, Wasser zu sparen, den Baum vor der Haustür aber weiterhin zu gießen. Foto: Ina Fassbender/dpa

Osnabrück. Obwohl Osnabrücker Wasser sparen sollen, ruft die Stadt Osnabrück sie weiterhin dazu auf, Stadtbäume zu wässern. Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff appelliert aufgrund der Trockenheit und des hohen Wasserverbrauchs sogar, auf das Rasensprengen und Befüllen von Pools im Osnabrücker Land komplett zu verzichten.

Die Sprecherin des Osnabrücker Service-Betriebs (OSB), Katrin Hofmann, sagt: „Die 60.000 Bäume in der Stadt tragen zu einem gesunden Stadtklima bei. Wegen des eingeschränkten Wurzelraums haben sie es bei der Hitze aber sehr schwer. Deshalb sollten die Bürger weiterhin den Baum vor ihrer Haustür gießen.“ Alleine die Gärtner des OSB und in den Abendstunden die Freiwillige Feuerwehr schaffen es nicht, alle Bäume zu bewässern. Die Sprecherin der Stadtwerke Osnabrück, Nicole Seifert, erläutert: „Wenn der Baum vor der Haustür mit ein paar Gießkannen bewässert wird, ist das kein Problem für die Wasserversorgung in der Stadt. Es sollte aber darauf verzichtet werden, in der prallen Sonne stundenlang den Rasen zu wässern.“ Mehr als 90 Prozent der Feuchtigkeit verdunsten nach dem Bewässern des Rasens in der Mittagszeit wieder. Wenn, dann solle der Garten nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden bewässert werden - „und dann auch nur mit Augenmaß“, fügt Seifert hinzu. Sie weist zudem darauf hin, dass die Rasenflächen, die sich aktuell braun verfärben, nach dem zum Ende der Woche angekündigten Regen wieder grün werden. (Weiterlesen: Sieben Osnabrücker Feuerwehren versorgen Bäume mit Wasser)

Jungbäume und Gehölze gießen

Wenn das Wasser im Planschbecken getauscht werden müsse, dann rät sie dazu, es nicht einfach abzulassen, sondern zum Wässern der Pflanzen zu nutzen. Sie empfiehlt zudem, Jungbäume und Gehölze im heimischen Garten zu gießen. Auf das Kärchern von Hofeinfahrten solle momentan verzichtet werden. Ein Verbot des Rasensprengens, wie es bereits in manchen Kommunen ausgesprochen wurde, werde es in der Stadt Osnabrück nicht geben. „Wir haben eine angespannte Versorgungslage, aber insgesamt ist die Wasserversorgung stabil“, stellt sie fest. Von insgesamt 25 Reservebrunnen der Stadtwerke Osnabrück sind laut Seifert erst drei zugeschaltet worden. Die Trinkwasserabgabe pro Tag liegt zurzeit bei rund 42.000 Kubikmetern, am 1. August lag sie in Osnabrück bei einem Tagesspitzenwert von 43.500 Kubikmetern. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Tagesbedarf liegt laut Seifert normalerweise bei 26.000 bis 30.000 Kubikmetern pro Tag.

Trinkwasserversorgung hat Vorrang

Im Landkreis Osnabrück spitzt sich die Lage hingegen zu. Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff sieht die private Gartenbewässerung als großes Problem: „Rasen sollten aktuell gar nicht gesprengt und Pools gar nicht befüllt werden. Die Trinkwasserversorgung hat Vorrang.“ Wenn die Bewohner im Landkreis ab 17 Uhr nach Hause kommen, steige der Wasserverbrauch schlagartig an. Noch bleibe es beim Appell, die private Rasenbewässerung zu unterlassen. Wenn der Verbrauch aber weiterhin so hoch bleibe, „dann könne der Wasserversorger als Ultima Ratio aber auch das Rasensprengen verbieten“, warnt Riepenhoff. Wenn dann trotz eines solchen Verbots der Rasen gesprengt werden sollte, dann würde dem Verbraucher drohen, dass der Wasserversorger ihm als Konsequenz das Wasser komplett abdreht.

Bürger verbrauchen aktuell mehr als doppelt so viel

Am stärksten betroffen ist der Nordkreis, weil die Leitungsnetze für die aktuellen Spitzenverbräuche nicht ausgelegt sind. Über das Verbundsystem von Stadt und Landkreis müssen die Engpässe dort aktuell ausgeglichen und Wasser zugeliefert werden. „Die Bürger verbrauchen aktuell mehr als doppelt so viel wie durchschnittlich“, klagt der Geschäftsführer des Wasserverbands Bersenbrück, Ralph-Erik Schaffer. Das Bewässern der Fußballplätze hingegen stelle normalerweise kein Problem dar, da die Vereine in der Regel über eigene Brunnen für die Bewässerung verfügten. Daher appelliert Schaffer in erster Linie an die Vernunft der Bürger, auf persönlichen Luxus beim Wasserverbrauch zu verzichten. Das Problem ist, dass die Samtgemeinde Bersenbrück stärker gewachsen ist als ursprünglich erwartet. „In Einzelbereichen werden wir die Leitungsnetze anpassen müssen und Entlastungsleitungen bauen“, kündigt Schaffer an.

Niedrigster Wasserstand der vergangenen zehn Jahre

Darüber hinaus bittet die Wasserbehörde des Landkreises darum, kein Wasser aus Flüssen und Bächen zu entnehmen, da die Pegel an den Fließgewässern zurzeit einen sehr niedrigen Wasserstand aufweisen. Die Düte habe am Pegel in Lotte-Wersen kurz vor Einmündung in die Hase mit einem Wasserstand von 54 Zentimetern den niedrigsten Wasserstand der vergangenen zehn Jahre unterschritten. Die Wasserentnahme aus Gewässern mittels Pumpe ohne behördliche Erlaubnis ist verboten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN