3700 Besucher bei „20 Jahre – 20 Tage“ Mit Stummfilm und Lichtkunst endet Jubiläumsfest des Nussbaum-Hauses

Von Anne Reinert


Osnabrück. Mit einer Stummfilmvorführung und Lichtkunst ist die Reihe „20 Jahre – 20 Tage Freunde zu Gast Felix-Nussbaum-Haus“ in Osnabrück zu Ende gegangen. Das Bürgerfest für die Osnabrücker darf als gelungen gelten.

Die zwei Jungs sind ratlos. „Was ist das?“, fragen sie ihren Vater. Denn im letzten Raum des Nussbaum-Hauses geht es eher meditativ zu. Lichtkünstler Tim Roßberg projiziert nichts als ein helles Rechteck auf die Wand. Wobei, ganz so einfach ist es doch nicht.

Betrachter müssen sich für das Kunstwerk Zeit nehmen. 20 Minuten dauert es, dann scheinen in dem weißen Rahmen die Abbilder von Felix Nussbaum, Daniel Libeskind und Tim Roßberg selbst auf.

Der Lichtkünstler nimmt mit seiner Installation Bezug auf das Museum und den Künstler Nussbaum. Er selbst steht an diesem Tag von „20 Jahre – 20 Tage Freunde zu Gast im Felix-Nussbaum-Haus“in einer Reihe mit den beiden anderen Künstlern.

Nussbaum-Haus selbst wird zum Protagonisten

In sechs Räumen des Museums hat Roßberg am Samstag Lichtinstallationen und Sounds präsentiert. Indem er Gebäudestrukturen nachzeichnet und sie variiert, macht er das Gebäude selbst zum Protagonisten.

An einer Decke etwa entsteht aus Dreiecken ein Davidstern. In einem anderen Raum zeichnen Lichtlinien die Struktur des Museums nach. Und im großen Saal schauen Leute wie hypnotisiert auf die sich stetig ändernden Linien an den Wänden.

Stummfilmklassiker mit neuer Musik

Einen Abend vorher ist eine Vorführung des Stummfilmklassikers „Metropolis“ mit Live-Musik zu sehen. Dass die Vorführung die Zuschauer im großen Saal so in den Bann zieht, ist zu einem guten Teil Roland „Role“ Wiegener, Nils Ferguson und Hartwig Germer von Le chat electrique und ihrer Neuvertonung des Filmklassikers zu verdanken. Verdient bekommen sie am Ende einen langen Applaus.

Keine üppige Orchestermusik, kein schief klimperndes Klavier ist zu hören. Le chat electrique - eigentlich ein Sextett, hier als Trio vertreten - holen den Film mit elektronischen und akustischen Instrumenten ins Hier und Jetzt.  Wiegener, Ferguson und Germer nutzen außerdem die einzigartige Akustik des Raums. So wie die Aufführung am Freitag zu erleben war, wird sie nie wieder zu hören sein.

Zu sehen ist die restaurierte, zweieinhalbstündige Fassung des Films. Viele Jahre galt fast ein Viertel von „Metropolis“ als verschollen – bis 2008 in Buenos Aires eine fast vollständige Kopie gefunden wurde.

Bürgerfest holte Osnabrücker ins Haus

Mit Stummfilm und Lichtkunst endete die Reihe zum 20. Geburtstag des Nussbaum-Hauses. Das Bürgerfest für die Osnabrücker, das die Stadt feiern wollte, darf mit über 3700 Besuchern als gelungen gelten. In der entspannten Atmosphäre ließ es sich gut ins Gespräch kommen. Und so manch ein Osnabrücker wird in dieser Zeit das Museum zum ersten Mal betreten haben – und sicher wiederkommen.

(Weiterlesen: „20 Jahre“: Performancekunst im Osnabrücker Nussbaum-Haus)


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