Mineralwasser und Ventilatoren werden knapp Rekordsommer fegt Osnabrücks Einkaufsregale leer

Von Viktoria Koenigs

Minderalwasser ist gefragt wie selten. In vielen Supermärkten wird der Wasserflaschenvorrat knapp. Foto: dpa/Sebastian GollnowMinderalwasser ist gefragt wie selten. In vielen Supermärkten wird der Wasserflaschenvorrat knapp. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Osnabrück. Bei über 30 Grad sehnt man sich meistens nur nach einer Sache: Abkühlung. Doch bei einem Besuch im nächsten Supermarkt fällt auf, dass die Getränkeregale leer sind und der Lieblingsdurstlöscher nicht verfügbar. Hamsterkäufe? Nein, aber trotzdem ist der Verbraucher nicht ganz unschuldig an der Situation. Das Konsumverhalten sorgt auch für Dürre im Ventilatorenregal.

In Supermärkten kommt es zu Engpässen bei Getränken jeglicher Art. Jedoch weniger durch gesteigerten Verbrauch und erhöhte Verkaufszahlen. Die Flaschenlager der Getränkelieferanten stehen leer, weswegen die Supermärkte nicht mehr beliefert werden können.

„Eine Katastrophe wie nie zuvor“

Tobias Hauser arbeitet bei Edeka Kutsche in der Lotter Straße und seit 13 Jahren im Einzelhandel. Eine Wasserknappheit wie dieses Jahr ist nach seiner Erfahrung bisher einmalig. Es sei „eine Katastrophe wie nie zuvor“, erklärt der Edeka-Mitarbeiter. Die Marke Salvus sei beispielsweise nicht geliefert worden. Bei Beschwerden von Kunden können die Mitarbeiter nur auf den Lieferanten verweisen. Denn die Mineralwasserflaschen werden knapp. Laut Pressemitteilung von Salvus kaufen die Kunden die doppelte Menge an Mineralwasserkisten. „Diese Kisten stehen in Garagen und Kellern und können nicht neu befüllt werden. Wichtig bei den aktuellen Temperaturen: Viel Trinken und das Leergut schnell wieder zurück zum Getränkemarkt bringen“, appelliert Salvus. Geschäftsführerin Heike Schürkötter sichert zu, dass sich die Warenverfügbarkeit je nach Händler in den nächsten zwei bis drei Wochen wieder normalisieren wird.

„Wir haben genug Leergut bei uns im Hof stehen“

Eine vergleichbare Problematik mit dem Leergut gibt es bei kleineren Wasserbrunnen wie dem Belmer Anbieter Avanus nicht. „Wir haben genug Leergut bei uns im Hof stehen“,erklärt er Avanus Vertreter. Mit der genormten Brunnenflasche hebt sich der regionale Anbieter in diesen Zeiten des Leergutmangels von den Großherstellern ab. Denn diese Flaschen können in ganz Deutschland befüllt werden und jedes Jahr werden neue auf den Markt gebracht. So kommt es nicht zu langen Wartezeiten, wie es zurzeit bei einigen großen Wasserherstellern der Fall ist. Diese haben individuell gestaltete Flaschen, die nur an einem zentralen Ort befüllt werden. Dorthin müssen Flaschen aus ganz Deutschland transportiert werden, was die Verzögerungen erklärt.

Auf die Kühlung der Waren haben die hohen Außentemperaturen nach Auskunft von Edeka Kutsche und dem Osnabrücker City Rewe keine negativen Auswirkungen. Sie könnten die Hitze durch gute Klimaanlagen, oder im Falle von Edeka durch die neuen Kühlsysteme, unter Kontrolle bringen. So bleiben die Lebensmittel im Kühlregal hitzegeschützt.

„Sie interessieren sich für die Verfügbarkeit von Ventilatoren und Klimaanlagen? Die schnellste Antwort liefert Ihnen unsere Homepage. Geht ganz einfach.“ Mit diesen Worten begrüßt die Hornbach-Warteschleife den Anrufer. Doch „ganz einfach“ geht das augenscheinlich nicht. Ein Blick in den Online-Shop von Hornbach genügt, um eine weitere Auswirkung der Hitzewelle zu beobachten: Ventilatoren und Kühlanlagen sind zurzeit nicht verfügbar. Ausverkauft. Und auch in den Geschäften neigt sich der Vorrat dem Ende zu.

Alle Vorräte sind ausverkauft

Manch einer mag sogar geneigt sein, für einen Ventilator in eine andere Stadt zu fahren, doch „die Situation ist deutschlandweit und in jeder Region ähnlich“, wie Hornbach-Pressesprecher Florian Preuss mitteilt. Die Anfrage sei zu hoch, und die Lieferanten stößen auf ihre Produktionsgrenzen. Mit Nachlieferungen sei deswegen nicht mehr zu rechnen. Wetterbedingtes Sortiment sei immer ein Risiko, meint Preuss, vergleichbar mit Streusalz und werde angeglichen an die vorjährigen Bedingungen bestellt. Denn wer weiß schon, wie der nächste Sommer oder Winter ausfällt und ob die Nachfrage im kommenden Jahr konstant bleibt.

Ebenso wetterabhängig ist auch die Modebranche. Zunächst verkaufte sich die Sommerware nur bedingt gut, da die Sonne sich zunächst nur schleppend blicken ließe, wie Boris Hoffmann-Schevel erklärt, Vertreter des Handels- und Dienstleistungsverbands Osnabrück-Emsland. Doch mit den steigenden Temperaturen und nicht endenden Sonnenstunden ist die leichte Sommerware noch der Verkaufsschlager des Jahres geworden. Für den aktuellen Schlussverkauf sei deswegen nicht mehr viel übrig geblieben. Übergangsware und Kleidung für den typisch kühlen Osnabrücker Sommer verkauften sich kaum. „Das war die Krux dieses Jahr“, wie Hoffmann-Schevel weiter erläutert. Und eben diese Ware ist jetzt stark reduziert.

Das Rekordwetter senkte außerdem die Zahlen der Kunden. Denn die Neigung bei 30 Grad zu shoppen und zu flanieren, werde mit steigender Temperatur zunehmend niedriger.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN