Verfolgungsjagd von Osnabrück nach Lotte Darf die Polizei einen Harley-Fahrer mit Tempo 180 verfolgen?

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Endstation Lotte: In Osnabrücks westfälischer Nachbargemeinde endete die Flucht eines Motorradfahrers vor der Polizei. Foto: dpaEndstation Lotte: In Osnabrücks westfälischer Nachbargemeinde endete die Flucht eines Motorradfahrers vor der Polizei. Foto: dpa

Osnabrück. Dürfen Polizisten einen fliehenden Motorradfahrer mit Tempo 140 durch innerörtliche Gebiete verfolgen? Anlässlich einer Verfolgungsjagd vom Mittwochabend, bei der ein Harley Davidson-Fahrer von Osnabrück über Hasbergen bis nach Lotte raste, erklärt die Polizei: Das Verhalten sei völlig angemessen.

Über eine Strecke von rund 19 Kilometern verfolgten die Beamten den fliehenden Motorradfahrer am Mittwoch, nachdem dieser sich einer Polizeikontrolle entziehen wollte. Innerhalb von 13 Minuten raste der 30-jährige Mann vom Osnabrücker Stadtgebiet aus über Hasbergen, Natrup-Hagen und Leeden bis nach Lotte. Innerorts hatte er dabei Geschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometern auf dem Tacho, außerorts steigerte er das Tempo bis auf 180 Stundenkilometer – die Polizei dabei stets im Nacken. 

"Mit allen Mitteln die Verfolgung aufnehmen"

Eine Sprecherin der Polizei Osnabrück erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass eine Verfolgung aus polizeilicher Sicht völlig gerechtfertigt sei. "Es lag eine Straftat vor, was soll die Polizei da sonst machen?", fragt die Beamtin und verweist auf die besondere Schwere des Falles: "Der Fahrer entzog sich zunächst der Kontrolle, riskierte mehrere heikle Fahrmanöver und durchbrach zwei Polizeisperren – da liegt der Verdacht nahe, dass er gute Gründe hat, der Polizei zu entwischen." Er habe alkoholisiert sein können oder ein Verbrecher auf der Flucht. "In so einem Fall ist es ganz klar, dass wir mit allen Mitteln die Verfolgung aufnehmen." Sämtliche Einsatzfahrzeuge hätten Blaulicht und Sirene benutzt, so dass der Einsatz für andere Verkehrsteilnehmer ausreichend gekennzeichnet gewesen sei. 

Tatsächlich ist in den Paragrafen 35 und 38 der Straßenverkehrsordnung (StVO) festgehalten, dass die Polizei  bei Einsätzen mit Blaulicht und Martinshorn berechtigt ist, gegen Vorschriften der StVO zu verstoßen und beispielsweise über Gehwege zu fahren und über rote Ampeln.

Derzeit wieder auf freiem Fuß 

Zunächst war der 30-jährige Motorradfahrer einer Polizeistreife auf der Lengericher Landstraße in Osnabrück aufgefallen, da seine Maschine einen hohen Geräuschpegel produzierte. Als die Beamten den Mann kontrollieren wollten, raste er davon. Mehrere Streifenwagen nahmen die Verfolgung auf. Es gelang der Polizei, den Mann in Lotte zu fassen, wo er sein Motorrad abstellte und über mehrere Grundstücke zu Fuß entkommen wollte. Er fuhr ohne gültige Fahrerlaubnis, für das gleiche Delikt lag gegen ihn bereits eine Bewährungsstrafe vor.  

Nach der Festnahme und den polizeilichen Maßnahmen auf dem Revier wurde der Mann zunächst wieder in die Freiheit entlassen, sein Motorrad behielt die Polizei ein. Er wird sich demnächst vor dem Gericht wegen einer ganzer Reihe von Delikten verantworten müssen – darunter Sachbeschädigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und einer Reihe weiterer Verkehrsverstöße. 


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