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Lebendige Tradition des Jazz Die „Echoes of Swing“ erhalten im Blue Note den Preis „Keeper of the Flame“ und bedanken sich mit Musik und Entertainment

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<em>Hält die Flamme des Jazz hoch: </em>Chris Hopkins (Mitte) erhält von Klaus D. Pott (rechts) die Trophäe. Erster musikalischer Gratulant: Colin Dawson (links). Foto: Hermann PentermannHält die Flamme des Jazz hoch: Chris Hopkins (Mitte) erhält von Klaus D. Pott (rechts) die Trophäe. Erster musikalischer Gratulant: Colin Dawson (links). Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. In einem guten Jahrhundert hat sich das Haus des Jazz zu einem verwinkelten, manche mögen sagen: verwunschenen Schloss entwicktelt. Im Parterre und auf der Veranda sitzen die Ragtime-Pianisten und die Vaudeville-Musikanten, während oben, direkt unter den Wolken, die postmodernen Grübler und Visionäre residieren.

Allerhand Gäste hat das Haus schon beherbergt, vom Schlager über Pop bis zum Hip-Hop; der Rock hat sich dauerhaft eingemietet, sogar die klassische Musik schaut gern mal vorbei. Und in irgendeiner Stube lärmen fröhlich die Freejazzer. Es ist nicht immer alles so schick hier, dafür herrscht das pralle Leben.

Trotzdem verlangt das Haus etwas Pflege. Ab und an sollte jemand nachsehen, ob die tragenden Wände und Stützen noch intakt sind – ob das Haus noch richtig swingt.Denn gerade ein Genre, dessen Prinzip die Innovation ist, baut auf gewachsene Strukturen – auf den Swing, der aus den widerborstigen Synkopen des Ragtime erwachsen und zum mächtigen Stützpfeiler des Jazz geworden ist.

Solche Aufgaben übernehmen Institutionen wie der Park Lane Jazz Club. Denn der Osnabrücker Verein sorgt, zusammen mit Bands wie den „Echoes of Swing“, dafür, dass diese Tradition nicht ins Museum abgeschoben wird, sondern lebendig bleibt. Und weil dem Saxofonisten und Pianisten Chris Hopkins das so gut gelingt, darf er sich in diesem Jahr als „Keeper of the Flame“ vom Osnabrücker Jazzclub auszeichnen lassen und von Vorstand Klaus D. Pott die Trophäe in Form einer Flamme entgegennehmen: Als Musiker, der die Flamme des traditionellen Jazz weiterträgt.

Da fallen beim Konzert im Blue Note Namen wie Harry Akst oder Irving Berlin, James P. Johnson oder King Oliver und immer wieder Duke Ellington, allesamt Vertreter einer vergangenen Moderne. Das macht aber nichts: Weich und elegant spielen die „Echoes“, zurückgenommen. Schlagzeuger Oliver Mewes benutzt häufig die Jazzbesen, Colin Dawson kann auch ohne Dämpfer leise trompeten, das Fundament legt Pianist Bernd Lhotzky dezent aus – er füllt nicht nur harmonisch auf, sondern ersetzt mit der linken Hand auch den Bass.

Diese Musik kennt noch nicht die raumgreifenden Soli, wie sie sich ab Mitte der 50er Jahre zunehmend etabliert haben. Nein, diese Musik sucht nicht den Diskurs, sondern die gepflegte Unterhaltung. Und tatsächlich sind die „Echoes“ nicht nur brillante Musiker, sondern auch Entertainer, die ihre Songs gern ausführlich und mit Pikanterien gespickt anmoderieren. Das schafft die lockere Atmosphäre, die diese Musik braucht. Um dann voller Witz zu musizieren.

Der musikalische Esprit stellt sich indes nicht von selbst ein, sondern ist das Ergebnis hoher Perfektion: Die Arrangements entwickeln vielfältige Farbigkeit durch den durchdachten Einsatz der Mittel. Mal umspielt das Saxofon die Hauptlinie der Trompete, mal vereinen sich beide Bläser mit dem Klavier zusammen zum vollstimmigen Satz. Die Arrangements sind authentisch, und eigene Kompositionen von Lhotzky und Dawson fügen sich ins Bild, ohne in Anachronismen zu erstarren. Und wenn Bandleader Hopkins sich mit „Ain’t Missbehavin“ als brillanter Stride-Pianist erweist, mit Lhotzky das Ganze auf drei und vier Hände erweitert, schließlich die Band komplett auf der Bühne steht – das ist einfach große Klasse.


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