DRK warnt, wie geht es den Kliniken? Blutspende-Engpass: "Wenn es so weiter geht, bekommen wir Probleme"

Von Meike Baars

Blutspenden werden momentan nicht gelagert, sondern direkt an die Kliniken verteilt. An heißen Tagen gibt es besonders wenig Spender. Foto: dpaBlutspenden werden momentan nicht gelagert, sondern direkt an die Kliniken verteilt. An heißen Tagen gibt es besonders wenig Spender. Foto: dpa

Osnabrück. An heißen Tagen geht das Blutspendeaufkommen drastisch zurück. In Niedersachsen schlägt das Deutsche Rote Kreuz Alarm. Die Lager mit Konserven seien leer. "Wenn das weiter so geht, bekommen wir ein Problem", sagt ein Verantwortlicher. Wie dramatisch ist es? Was sagen die Kliniken aus der Region? Fragen und Antworten.

Welche Blutspendemengen werden benötigt und wo kommen sie zum Einsatz?

Jeden Tag werden in Niedersachsen 2300 Blutspenden benötigt. 550.000 Blutspenden setzen Kliniken und Versorgungszentren im Jahr ein. "Hinter jeder einzelnen Transfusion steht ein Patientenschicksal", betont Jürgen Engelhard, Regionalleiter Niedersachsen und Bremen beim DRK-Blutspendedienst. Der Dienst deckt 75 Prozent des Bedarfs an Blutpräparaten im Raum Niedersachsen/Bremen ab. Viele Behandlungen von schweren Verletzungen und lebensbedrohlichen Krankheiten wären ohne gespendetes Blut nicht möglich. Laut DRK wird statistisch gesehen das meiste Blut in der Therapie von Krebspatienten benötigt. Bei Herz-, Magen- und Darmkrankheiten sind die Ärzte ebenfalls auf Blutkonserven angewiesen. Bei schwer verletzten Unfallpatienten kommen Blutspenden zum Einsatz, ebenso in der Geburtshilfe und bei der Behandlung von Blutarmut.

Woher rühren die aktuellen Engpässe bei den Blutkonserven?

Im niedersächsischen Springe werden die Blutspenden für Stadt und Landkreis Osnabrück aufbereitet und gelagert. Doch momentan hält das DRK dort kaum Reserven vor. In ganz Niedersachen ist das Spendeaufkommen stark zurückgegangen. Rund 400 Spender fehlen – jeden Tag. Zehn Prozent weniger Spenden verzeichnete das DRK im vergangenen Monat im Vergleich zu Durchschnittsmonaten. An besonders heißen Tagen gehe das Spendevolumen noch stärker zurück, berichtet Engelhard. Im Raum Osnabrück ist der Rückgang mit minus vier Prozent weniger stark. Eine Erklärung: Mit Sonderaktionen wie etwa dem freien Eintritt für Blutspender in die Ausstellung "Körperwelten" seien neue Spender gewonnen worden. Schon während der Fußball-WM habe die Bereitschaft Blut zu spenden abgenommen, heißt es beim DRK. Der heiße Sommer und die Urlaubszeit führten nun zu noch stärkeren Engpässen.

Welche Folgen hat die Abnahme der Spendebereitschaft?

Zunächst einmal schrumpft der Vorrat an Blutkonserven in den DRK-Zentren. Normalerweise hält der Dienst eine Ration von Blutkonserven vor, die die Kliniken und Behandlungszentren für vier Tage versorgen könnte. Diese Lagerbestände gibt es aktuell nicht. Blutspenden die hereinkommen, werden nach Untersuchung und Aufbereitung direkt an die Krankenhäuser verteilt. "Noch können wir jonglieren, so dass wir die Nachfrage aller Kliniken bedienen können", sagt der DRK-Regionalleiter. "Aber wenn es weiter so viele knallig heiße Tage gibt, bekommen wir Probleme."

Wie steht es um die Versorgung der Patienten in den Kliniken?

Als Krankenhaus der Maximalversorgung stehe das Klinikum Osnabrück ganz oben auf der Belieferungsliste mit Konserven, sagt Michael Heins, Leiter des Medizinischen Labors des Klinikums. Wenn der DRK-Dienst die Nachfrage nicht direkt bedienen könne, werde noch am selben Tag nachgeliefert, so Heins. Zu Engpässen komme es deshalb bei der Behandlung von Patienten nicht. Auch bei den Kliniken des Niels-Stensen-Verbunds macht sich die Knappheit an Konserven nicht bemerkbar, teilt Sprecherin Esther Alves-Spielmeyer mit. Aus Heins' Erfahrung treffe der Mangel zuallererst kleinere Krankenhäuser und Versorgungszentren. Bisher konnte das abgewendet werden, heißt es beim DRK.

Was könnte schlimmstenfall passieren, wenn das Spendeaufkommen so gering bleibt?

Gibt es Engpässe nur in einer Region, können die Blutspendezentren anderer Bundesländer aushelfen – sofern sie selbst genug Konserven vorrätig haben. Reichen die Blutspenden nicht mehr aus, um alle Patienten zu versorgen, müssten Therapien und geplante, nicht lebenswichtige Operationen verschoben werden, erklärt Engelhard. Das sei zwar möglich, bedeute für die Patienten aber zusätzliches Leid, da eine Operation stets mit Ängsten verbunden sei. Käme es in der Region zu einer Häufung schwerer Unfälle mit zahlreichen Verletzten wie beispielsweise nach einem Zugunglück, würde der aktuelle Lagerbestand an Konserven ebenfalls nicht reichen. 

Verkraftet der Körper Blutspenden an heißen Tagen?

Für den Kreislauf spielten die Temperaturen kaum eine Rolle, erklärt DRK-Experte Engelhard. Wichtig sei es, vor der Spende viel zu trinken und etwas zu essen. Bevor Blut abgenommen wird, werde bei jedem Spender die Fitness erfragt und der Blutdruck gemessen. Spricht etwas gegen die Spende, wird der Freiwillige nicht zugelassen.

Warum wirbt das DRK besonders um junge Blutspender?

Zwei Drittel der Blutspender in Niedersachsen sind älter als 40 Jahre alt. Während ein Teil der langjährigen treuen Spender bald zu alt werde, um sein Blut zur Verfügung zu stellen, kämen nicht genug junge Spender nach, erklärt Jürgen Engelhard. Sein Dienst appelliert deshalb besonders an junge Leute, sich über Blutspenden zu informieren und eine Spende in Erwägung zu ziehen. Denn mit einer alternden Bevölkerung steige gleichzeitig auch der Bedarf an Blutpräparaten.


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