Schwergewichte zum Ausklang Substanz und Abwechslung am Ende des Orgelsommers

Von Thomas Hitzemann

Kirchenmusiker Martin Tigges  in der Kleinen Kirche neben dem Dom in Osnabrück. Foto: David EbenerKirchenmusiker Martin Tigges in der Kleinen Kirche neben dem Dom in Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. In St. Johann gelingt es Martin Tigges, einen markanten Schlusspunkt beim Osnabrücker Orgelsommer 2018 zu setzen.

Johann Sebastian Bachs Passacaglia und Fuge c-Moll, BWV 582 ist ein Geschenk an die Fangemeinde des Orgelsommers. So ein Werk möchte man von Zeit zu Zeit einfach immer wieder hören. Die Ruhe des Bassthemas berührt tief. In allen Variationen bleibt es harmonisch präsent. Oberstimmen umspülen es wie Wasserströme einen unverrückbaren Felsen. Erst in der Fuge wird die Klanglichkeit heller und die Stimmführung dichter. Mit der Schlusskadenz bringt Tigges das gewaltige Werk zum Stehen, wie einen Lastzug mit langem Bremmsweg. 


Der  Choral in E-Dur von Cesar Frank ist zugleich eine Herausforderung an den Spieler wie auch an die Kreienbrink-Orgel. Das Werk wurde seinerzeit einem Cavaille-Coll Instrument auf den Leib komponiert. Tigges muss also sorgsam die Register wählen, um eine Klangähnlichkeit zu erreichen. Tatsächlich stellt sich der Effekt einer Orchesterimitation durch die Orgel ein. Besonders bei den Schlussakkorden meint man strahlende Blechbläser zu hören. 


Charmant spielt Tigges das Offertoire von Francois Couperin. Es spiegelt  die höfische Atmosphäre am Schloss von Versailles wider. So hört man ein beinahe galantes Menuett und jagdliche Motive. Der König und eben kein Bischof steht hinter dem Komponisten. 


Sehr unterschiedliche Klangfarben verlangt auch Jürgen Bostelmann in seinen Variationen über "Nobody Knows The Trouble I ´ve Seen". Bei "Fanfare" klingt es wie ein Holzbläsersatz. In der "Toccate" wird ungeniert das berühmte gleichnamige Werk von Charles Marie Widor zitiert. Bei Zsolt Gádonyis Mozart Changes ist das Ausgangsmaterial von Wolfgang Amadeus Mozart erfreulich gut erkennbar. In den Changes versteht es Tigges, die Syncopen so deutlich darzustellen, als spielte er einen Ragtime am Klavier. 




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