Serie: Politiker und ihre liebsten Kulturorte Anke Jacobsen findet am Piesberg „gelebte Vielfalt“

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Idylle mit Kulturfaktor: Anke Jacobsen im Kastaniengarten des Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Hermann PentermannIdylle mit Kulturfaktor: Anke Jacobsen im Kastaniengarten des Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Wohin zieht es die Mitglieder des Kulturausschusses, wenn sie Kultur erleben wollen? Für den sechsten Teil unserer Serie lädt Anke Jacobsen (Die Grünen), ins Piesberger Gesellschaftshaus.

Der Kastaniengarten des Piesberger Gesellschaftshauses ist eine Idylle. Die Stadt scheint weit weg zu sein; trotzdem ist man der Kultur hier oben sehr nahe. Als Kulturausschussmitglied Anke Jacobsen (Die Grünen) über ihre Liebe zum Piesberger Gesellschaftshaus spricht, grundiert zum Beispiel Schlagzeugspiel ihre Worte: Gleich beginnt im Haus ein afrikanischer Trommelworkshop. Weiterlesen: „Theateracker“ am Piesberger Gesellschaftshaus

Vergangenheit und Gegenwart am Piesberg

Jacobsen hat hier ihren Lieblings-Kulturort gefunden. „Ich habe hier in Eversburg gewohnt“, sagt sie, und da war der Piesberg wie ein spannender Garten, um mit der Tochter spazieren zu gehen. „Wir haben hier die Möglichkeit, in der Natur zu sein, uns zu bewegen, aktiv zu sein, Kultur zu machen.“ Zudem bildet das Areal ein breites Spektrum an Geschichte ab, ab Industriegeschichte, und vor allem an Sozialgeschichte aus der Zeit um 1900: „Da wurden die Bahnen eröffnet, was den Menschen die Möglichkeit gab, in die Natur zu fahren“, sagt Jacobsen. Neue Technik, die Umwälzungen nach sich zogen: „Das eröffnete ganz neue Freizeitmöglichkeiten.“ Aber nicht nur die Veränderungen der Vergangenheit bildet der Piesberg ab. Die Windkrafträder beispielsweise stehen für die Energiewende, womit Jacobsen bei einem Kernthema ihrer Partei ist.

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Gesellschaftshaus ein Ort der Freizeitgestaltung. Damals feierten die Bergleute im Saal und trafen sich sonntags zu Kaffee und Kuchen. Ein knappes Jahrhundert später Jacobsen einen Großteil ihrer Freizeit, mit Sinn und Inhalt: Sie hat Tango getanzt, sechs oder sieben Jahre jeden Dienstag, sie ist sonntags zum Chorsingen gekommen. Mit ihrer Tochter hat sie die Bergfeste besucht, sie hat die Tangobälle gefeiert. „Das Piesberger Gesellschaftshaus steht für Vielfalt“, sagt sie. Deshalb hat sie es zum Lieblings-Kulturort erhoben. Höhepunkt im Kulturjahr des Piesberger Gesellschaftshauses: Das Freilauftheater

„Kultur ist ein anderer Teil von mir“

Seit Kurzem gehört Jacobsen dem Kulturausschuss an, nach dem sie seit 2011 den Sozial- und Gesundheitsausschuss leitet. Ihre sozialen Interessen bestimmen außerdem ihren Arbeitsalltag: Sie arbeitet beim Kinder- und Flüchtlingshilfswerk Terre des Hommes. „Kultur ist ein anderer Teil von mir“, sagt sie.

Daran haben ihre Eltern großen Anteil. „Ich bin mit Beethoven aufgewachsen“, sagt Jacobsen. Eine frühe Liebe, die bis heute hält: Jacobsen erlebt jede Oper, die das Theater Osnabrück spielt. So hat sie auch schon einen Favoriten für die kommende Spielzeit: Auf „Fidelio“ freut sie sich sehr. Das ergibt sich fast von selbst: Schließlich verschmelzen da die Begeisterung für Beethoven und die für die Oper. In der politischen Arbeit aber setzt sie sich für „niederschwellige“ Angebote, sagt sie, für „offene Häuser“. Manchmal aber fließen soziales und kulturelles Interesse ineinander: „Sind da Geflüchtete dabei?“, fragt sie, als im Piesberger Gesellschaftshaus der Workshop für afrikanisches Trommeln beginnt. Wäre ihr also ein Afrika-Festival lieber als das Theater? Nein. „Das muss alles seinen Platz haben“, sagt Anke Jacobsen.


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