Erstauflage der 20 Nations Rallye Rallye made in Osnabrück: Torten im Gesicht, Brautpaar dringend gesucht

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Freie Fahrt: Der Wagen vom Team "The Leakers" überquert eine Donaubrücke bei Budapest. Foto: LekerFreie Fahrt: Der Wagen vom Team "The Leakers" überquert eine Donaubrücke bei Budapest. Foto: Leker

Osnabrück. Die Erstauflage der 20 Nations Rallye ist seit rund einer Woche vorbei. Die Teilnehmer sahen atemberaubende Landschaften, manche trafen Fremde, die sie mit Torten bewarfen. Ein Duo aus Osnabrück schaffte es auf das Treppchen.

Am 7. Juli waren 30 Teams aus Bremen zur Erstauflage der 20 Nations Rallye aufgebrochen, am 22. Juli kehrten sie in die Hansestadt zurück. Dazwischen lag – der Name lässt´s vermuten – die Passage von 20 Ländern und eine absolvierte Strecke von 6000 und mehr Kilometern. Ohne Navigationsgeräte und ohne die Benutzung von Autobahnen. "Uns war wichtig, den Flair des vergangenen Autofahrens wieder aufleben zu lassen. Deswegen haben wir ja auch nur Autos zugelassen, die älter als 20 Jahre sind", erklärt Max Schriever, aus Osnabrück stammender Mitorganisator der Rallye. Er ist überzeugt: "Durch die Routenplanung per Karte entwickelt man ein anderes Bewusstsein für die Umgebung und ist letztlich näher an Land und Leuten." Weitere Bedingung für die Teilnehmer: Spenden in Höhe von mindestens 555 Euro für ein Wohltätigkeitsprojekt zu generieren, insgesamt trugen die Teams rund 30.000 Euro zusammen. (Weiterlesen: Rallye-Abenteurer unterstützen Bersenbrücker Kita)


Da ging´s lang: Auf dieser Route absolvierten die Lekers die 20 Nations. Foto: Leker


Eigentlich eher durch einen Zufall kamen der aus Georgsmarienhütte stammende 48-jährige Jörg Leker und sein 20-jähriger Sohn Marlon zur Teilnahme, an deren Ende ein dritter Platz stehen würde. "Mein Sohn hat in Osnabrück öfter mal ein Auto mit dem Hinweis zum Rallye-Organisator gesehen und den Namen irgendwann gegoogelt", sagt Leker. Das war im Winter. 


Da ist das Ding: Jörg Leker und sein Sohn Marlon mit dem Pokal für den dritten Platz. Foto: Leker

Im Leichenwagen unterwegs

Sie stießen so auf den Wettbewerb und fassten dann ziemlich schnell den Plan, daran teilzunehmen. Als "The Lekers" organisierten sie einen Chervolet Impala, Baujahr 1981, der zuletzt vor ein paar Jahren als Leichenwagen gedient hatte – was bei den Lekers für kein größeres Unbehagen sorgte. Sie renovierten das Auto gründlich, bauten hinten eine Liegefläche zum Nächtigen rein und waren "somit wohl die ersten, die darin gelegen haben und wieder aufgestanden sind", scherzt Leker. (Weiterlesen: Auf Charity-Rallye durch den Balkan und die Karpaten) 


Der Chervolet Impala, den die Lekers für die Rallye wieder fahrtauglich gemacht hatten, diente früher mal als Leichenwagen. Foto: Leker


Gleich in mehrerlei Hinsicht zeigen sich beide begeistert von der Teilnahme an der 20 Nations. Von einer "super organisierten Rallye" schwärmen sie und von der guten Atmosphäre unter den Teilnehmern, die sich gegenseitig unterstützt und untereinander enge Kontakte gepflegt hätten. Und natürlich von der Landschaft: "Kroatien war sehr beeindruckend und überhaupt der ganze Balkan", erzählen die Lekers. Weiterer Höhepunkt – die Fahrt über die Transfagarasan, einer Hochstraße durch die rumänischen Karpaten. Ihr wird öfter mal das Attribut "schönste Straße der Welt" zuteil, die Lekers teilen diese Einschätzung: "Leider hatten wir wenig Zeit, die Schönheit zu genießen, weil wir von vornherein eine gute Platzierung angepeilt hatten."


Ganz schön kurvig: Die Transfagarasan in den rumänischen Karpaten – hier zur Winterzeit – gilt bisweilen als "schönste Straße der Welt." Foto: dpa picture alliance/obs/RTL II

Dringend gesucht: Ein Brautpaar

Um dieses Ziel zu erreichen, waren die beiden zwischen 8 und 14 Stunden täglich unterwegs, navigierten mit Faltkarten, mit Straßenschildern und mit Hilfe der Einheimischen – und hatten nebenbei noch zahlreiche Aufgaben aus dem Roadbook zu bewältigen. "In Mazedonien zum Beispiel mussten wir ein Brautpaar finden, dass sich mit unserem Auto transportieren und ablichten lassen würde." Durch eine zufällige Begegnung in einem Restaurant und nach ein paar Stunden Wartezeit hatten die Lekers dann tatsächlich ihr Hochzeitspaar und das erforderliche Beweisfoto - das jeweils tagesaktuell noch ganz klassisch zu entwickeln und in das Roadbook einzukleben war. "Durch die Aufgaben geriet unser Zeitplan teils ganz schön durcheinander", erklärt Leker. Sie zu erledigen sei zwar keine Pflicht, für eine gute Platzierung aber unabdingbar gewesen, "daher haben wir die auch alle abgearbeitet."


Brautpaar dringend gesucht: Als eines von drei Rallyeteams schafften es die Lekers, in Mazedonien ein Brautpaar in ihrem Wagen zu kutschieren und so die entsprechende Aufgabe aus der Roadmap zu erfüllen. Foto: Leker


Als deutlich weniger zeitraubend erwies sich, was die Organisatoren den Teilnehmern für die Slowakei aufgetragen hatten: "Lass dir von einem Fremden eine Torte ins Gesicht werfen." Leker berichtet, in einem Supermarkt eine Torte gekauft und auf dem Parkplatz einfach einen Passanten angesprochen zu haben, der den Wunsch dann erfüllte. 

"Komplett geerdet" nach Deutschland 

Am Ende reichte es dann tatsächlich für ein Platz auf dem Treppchen. Neben dem Pokal fuhren die Lekers auch knapp 600 Euro Spendengelder ein, die sie gleichermaßen an die Tafeln und an den Verein Exil, der sich für Belange von Flüchtlingen einsetzt, verteilten. 


Landeten im Mittelfeld: Jana Führer und Christine Nordmeyer mit ihrem Passat Helga. Foto: Gert Westdörp


Im Mittelfeld landete das ebenfalls aus Osnabrück stammende Team "Pathfinder", bestehed aus der 36-jährigen Christine Nordmeyer und der 50-jährigen Jana Führer. Über ihre Sponsoren sammelten sie 690 Euro für ein Projekt der Bürgerstiftung Osnabrück und eine Fülle einzigartiger Erfahrungen. "Eigentlich sollte jeder mal so eine Tour machen, um die Vielfalt unseres Kontinents zu verstehen und um gleichzeitig zu begreifen, in was für einem Luxus wir in Deutschland eigentlich leben", erzählt Führer. Sie sei "komplett geerdet" wieder in Deutschland angekommen und ist sich sicher: "Einige der Länder, durch die wir unterwegs durchgerast sind, will ich irgendwann mal länger besuchen."



20 Nations-Rallye

Die Erstauflage der „20 Nations“ begann am 7. Juli in Bremen und endete am 22. Juli ebenda. Teilnehmer müssen mit einem mindestens 20 Jahre alten Fahrzeug unterwegs sein und mindestens 555 Euro an einen guten Zweck spenden. Unterwegs durchqueren sie 20 Nationen, unter anderem geht es durch die Niederlande, Frankreich, die Schweiz, Italien und über den Balkan, durch Rumänien und die Slowakei.  Es gibt keine exakt vorgeschriebene Route, lediglich Streckenvorschläge in einem Roadbook. Nach der diesjährigen Erstauflage laufen die Planungen für die Fortsetzung. Ab dem 8. August sollen Anmeldungen für das Jahr 2019 möglich sein. Die Organisatoren wollen die Teilnehmerzahl beschränken, um die Veranstaltung "familiär" zu halten. 

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