Bauernverband Landvolk befürchtet Wettbewerbsnachteile Warum Erdbeeren und Spargel aus der Region Osnabrück teurer werden

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Osnabrück. Spargel und Erdbeeren in der Region Osnabrück werden teurer. Das haben Landwirte auf Anfrage unserer Redaktion angekündigt und als einen der Gründe dafür die schrittweise Anhebung des Mindestlohns von derzeit 8,84 Euro auf 9,35 Euro zum Januar 2020 angegeben. Der Bauernverband Landvolk warnt davor, dass der Preis für Obst und Gemüse aus unserer Region wettbewerbsfähig bleiben muss.

Die Geschäftsführerin des Erdbeer-Hofs Böckmann in Melle-Neuenkirchen, Elisabeth Aryus-Böckmann, kommentiert die Anhebung auf 9,19 Euro zum Januar 2019 und die weitere Erhöhung auf 9,35 Euro nur ein Jahr später: „Wie sollen wir die höheren Kosten durch den Mindestlohn denn sonst auffangen, wenn nicht über einen höheren Preis?“ An ihren Verkaufsständen in Melle sowie im ostwestfälischen Raum habe sie das halbe Kilo in den vergangenen Jahren zum Saisonstart stets für 4,20 Euro anbieten können. Mit den steigenden Erntemengen fällt der Preis. Anfang Juli kostete das Pfund laut Aryus-Böckmann noch 3,50 Euro. Die steigenden Lohnkosten für die insgesamt 150 Saisonkräfte müsse sie jedoch an die Kunden weitergeben. Daher werde im April 2019 entweder der Startpreis für die süße Frucht angehoben oder der Preis müsse auch mit den steigenden Erntemengen nach Saisonbeginn länger stabil gehalten werden. Sorge davor, dass die Kunden bei steigenden Preisen künftig auf die billigeren Erdbeeren aus Spanien oder Marokko in der Plastikverpackung im Discounter umsteigen, hat Aryus-Böckmann nicht: „Wir verkaufen die reife Frucht sofort nach der Ernte. Dadurch schmeckt sie so unwiderstehlich gut, dass die Kunden auch künftig bei uns kaufen werden.“

Spargelbauer Wenner: Natürlich wird das eine Preiserhöhung nach sich ziehen

Ähnlich wie mit der beliebten Sommerfrucht ist es auch mit dem beliebten Edelgemüse aus der Region Osnabrück. Spargelbauer Jörg Wenner aus Hilter kündigt an, dass die höheren Kosten für die Erntehelfer auch die Kunden spüren werden: „Natürlich wird das eine Preiserhöhung nach sich ziehen. Wenn der Mindestlohn in zwei Stufen steigt, werden wir in zwei Stufen auch den Durchschnittspreis anheben müssen.“ Weil in der Landwirtschaft erst seit diesem Jahr der allgemeine gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro gilt, hatte Wenner den Startpreis für den ersten Spargel aus der Region an seinen Verkaufsständen bereits in diesem Jahr um ein Euro auf 11,90 Euro für ein Kilo der Klasse 1 angehoben. Noch gravierendere Auswirkungen befürchtet Wenner sogar dadurch, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die sogenannte „70-Tage-Regelung“ für die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften über dieses Jahr hinaus nicht verlängern will.

„Sozialversicherungspflicht für Erntehelfer würde Arbeit erheblich verteuern“

Heil erinnert daran, dass die Regelung zur Anerkennung einer kurzfristigen Beschäftigung bis zu einer Dauer von 70 Tagen anstatt von 50 Tagen im Jahr 2014 nur wegen des gesetzlichen Mindestlohns als Übergangsregelung eingeführt worden sei. „Die 70 sozialversicherungsfreien Tage sind für die Erntehelfer enorm wichtig“, betont Wenner. Dadurch könnten die Arbeiter für eine komplette Erntesaison eingesetzt werden. Wenn diese aber nun für eine Erntesaison sozialversicherungspflichtig in Deutschland angestellt werden müssten, würde das die Arbeit laut Wenner erheblich verteuern. „Wenn die Übergangsregel für Saisonkräfte aber wirklich zum Jahresende auslaufen sollte, werden wir uns gezwungen sehen, die Erntehelfer mitten in der Saison auszutauschen. Die neuen Arbeiter müssten dann wieder angelernt werden, was wiederum deutliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten und somit auf den Spargelpreis haben wird“, kündigte Wenner an.

„Mit Auslaufen der 70-Tage-Regelung würde sich die Situation erheblich zuspitzen“

Darüber hinaus werde es durch das Auslaufen der Übergangsregelung noch schwieriger Arbeitskräfte zu bekommen: „Dadurch würde sich die Situation erheblich zuspitzen“, kritisiert Wenner und fordert, dass die Zeitgrenze für kurzfristig Beschäftigte zum Januar 2019 nicht wieder auf 50 Arbeitstage beschränkt wird. Er hofft, dass das Engagement des Bauernverbands Landvolk dazu beiträgt, die 70-tägige (also dreimonatige) Regelung bei Saisonarbeitern in der Landwirtschaft aufrechtzuerhalten.

Landvolk: Wir müssen mit spanischen Erdbeeren und mit polnischem Spargel wettbewerbsfähig bleiben

Der Chef des Bauernverbands Landvolk im Kreis Osnabrück, Albert Schulte to Brinke, warnt die Politik: „Wir müssen auch mit den spanischen Erdbeeren und mit dem polnischen Spargel wettbewerbsfähig bleiben.“ Foto: Archiv/Swaantje Hehmann

Der Chef des Bauernverbands Landvolk im Kreis Osnabrück, Albert Schulte to Brinke, bekräftigt: „Die 70-Tage-Regelung hat sich bewährt.“ Er fordert, dass die Politik Rücksicht darauf nimmt, dass es für die Landwirte immer schwieriger wird, die Erntesaison mit Arbeitskräften zu besetzen. Auch die Auswirkungen des steigenden Mindestlohns für den regionalen Obst- und Gemüsebau, die fast ausschließlich mit osteuropäischen Saisonkräften arbeiten, müsse die Politik im Blick behalten, denn dadurch steige natürlich auch der Preis für regionales Obst und Gemüse immer weiter. Er warnt die Politik, den Bogen nicht zu überspannen: „Wir müssen auch mit den spanischen Erdbeeren und mit dem polnischen Spargel wettbewerbsfähig bleiben.“


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