Familienoberhaupt auf Zeit Freie Ausbildungsplätze zur Dorfhelferin in Niedersachsen

Von Jana Henschen

Die Dorfhelferin unterstützt Familien in schwierigen Situation. Neben Haushalt gehört auch die Kinderbetreuung zu den Aufgaben. Foto: Ev. Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen e.V.Die Dorfhelferin unterstützt Familien in schwierigen Situation. Neben Haushalt gehört auch die Kinderbetreuung zu den Aufgaben. Foto: Ev. Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen e.V.

Osnabrück. Dorfhelferinnen unterstützen Familien, die in einer Notsituation sind. Wann Helferinnen zum Einsatz kommen, welche Aufgaben sie bewältigen und was sie in ihrer Ausbildung lernen, erklärt Birgit Steinmeier, Einsatzleiterin der Dorfhelferinnenstation Melle-Wittlage-Osnabrück.

Wann kommen Dorfhelferinnen zum Einsatz?

Bei Krankheit (ambulant oder stationär), Schwangerschaft, Entbindung, Unfall, Reha-Maßnahme oder wenn die haushaltsführende Person ein Kind ins Krankenhaus begleitet und Geschwisterkinder zu Hause zu versorgen sind, kann eine Dorfhelferin beantragt werden. Auch beim Tod kann Haushaltshilfe geleistet werden.

Springen Sie nur ein, wenn die Mütter in der Familie ausfallen?

Wir helfen, wenn die haushaltsführende Person ausfällt. Das kann auch der Ehemann oder Lebensgefährte sein. Wir unterstützen zum Beispiel alleinerziehende Väter, die erkranken. Die Dorfhelferinnen übernehmen die Haushaltsführung, betreuen die Kinder und falls es erforderlich ist, helfen sie im landwirtschaftlichen Betrieb mit. Die "Dorfhelferin" ist ein anerkannter Beruf, der nach Tarif bezahlt wird.

Wird der Beruf wertgeschätzt?

Die Dorfhelferinnen haben in ihrem Beruf ein hohes Ansehen. Sie kommen in eine Krisensituation und werden dort wertgeschätzt. Die Familien sagen später oft: Die kann kochen wie ein Weltmeister und die schafft alles. Entsprechend sind die Dorfhelferinnen, die den Familien helfen sollen, ausgebildet.

Wie ist die Weiterbildung aufgebaut?

Die Grundvoraussetzung für den Beruf der Dorfhelferin ist eine abgeschlossene Ausbildung in der Hauswirtschaft und ein Jahr praktische Erfahrung. Die 14-monatige Weiterbildung in Loccum ist berufsbegleitend und findet im Blockunterricht an Wochenenden oder an zwei bis fünf Tagen statt. Insgesamt sind es mehrere Schulungseinheiten im Jahr verbunden mit verschiedenen Praktika. 

Was lernen die Teilnehmer während der Ausbildung?

Die Teilnehmerinnen haben bereits hauswirtschaftliche Grundkenntnisse. Im Dorfhelferinnenseminar lernen sie Psychologie, Pädagogik, Konfliktbewältigung, Gesprächsführung und Rechtskunde. In Loccum wird soziale und psychologische Kompetenz vermittelt, um mit Krisen umgehen zu können und Konflikte zu bewältigen.

Zum Beispiel?

Wie gehe ich mit einer Familie um, in der ein Mitglied gestorben ist? Wir können den Familien den Schmerz nicht nehmen, aber wir können zumindest dafür sorgen, dass es in der Familie erst mal weitergeht. Dafür bekommen die Dorfhelferinnen eine ganze Menge Rüstzeug im Seminar.

Werden die Dorfhelferinnen bei schweren Einsätzen auch selbst unterstützt?

Besonders in schweren Situationen haben wir ein sehr enges Netz und die Kolleginnen können sich austauschen. Als Einsatzleitung stehe ich immer zur Verfügung, wenn es Probleme gibt und man einfach reden muss. Zusätzlich bietet das Werk regelmäßig Supervisionen an.

Wie können sich die Haushaltshilfen auf eine fremde Familie, die in einer Notsituation steckt, einstellen?

Das ist jedes Mal eine neue Herausforderung für alle. Die Frauen müssen ganz schnell die Situation erfassen und sehen, was zu tun ist. Wenn es möglich ist, machen wir ein sogenanntes Einsatzerstgespräch. Bei einer geplanten Kurmaßnahme kann die Dorfhelferin ein paar Tage vorher die Familie und Kinder kennenlernen und in den Kitas Bescheid sagen. Das Vorgespräch ist das Optimum, aber wir haben häufig Notfälle, in die wir ganz spontan rein müssen.

Wem können sie die Weiterbildung empfehlen?

Wer Dorfhelferin werden möchte, muss Familien mögen. Unsere Haushaltshilfen machen das mit großer Freude. Man muss Spaß an der Abwechslung, an immer wieder neuen Herausforderungen, anderen Menschen, Situationen und Umgebungen haben. Sie sind mal auf einem großen Bauernhof mit 400 Quadratmeter Wohnfläche und mal in einer 3-Zimmer-Wohnung. Zudem muss man eine zeitliche Flexibilität mitbringen.

Wie viele Stunden ist jemand am Tag im Einsatz?

Den klassischen Einsatz mit acht Stunden pro Tag haben wir immer seltener. Wir betreuen zunehmend in Randstunden. Denn die Kostenträger wie Krankenkassen übernehmen nur die Stunden, in denen die Mutter tatsächlich ihre Kinder betreut hätte. So kann ein Einsatz von 15 bis 21 Uhr sein.

Suchen Sie aktuell Dorfhelferinnen und wenn ja, wie viele?

Ich hätte gerne zwei oder drei Dorfhelferinnen mehr, aber in Teilzeit. So kann ich flexibler sein und die Randstunden besser abdecken.

Wie ist der Beruf entstanden?

In Niedersachsen ist der Beruf auf Initiativen der Landfrauen, des Landvolks und der evangelischen Kirchen zurückzuführen. Das Werk wurde in den 60er Jahren gegründet. Der Fokus lag ursprünglich auf landwirtschaftlichen Familien. Wenn die Mutter ausfiel, dann war auf den Höfen viel zu tun. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Ganze weiterentwickelt. Wir sind als diakonische Einrichtung bemüht, allen Familien im Falle der Not zu helfen. Wir unterstützen die alleinerziehende Mutter im Stadtgebiet Osnabrück, eine Familie auf dem Lande oder eine Familie mit Migrationshintergrund.

Muss man evangelisch sein, um die Ausbildung machen zu können?

Nein. Die Dorfhelferin muss einer christlichen Kirche angehören, aber wir arbeiten überkonfessionell und gehen in jede Familie. Für Einsätze bei Familien mit Migrationshintergrund bieten wir besondere Schulungen an, um die Lebensgewohnheiten besser kennenzulernen.

Wie bekommt man eine Dorfhelferin?

Wenn der Notfall eingetreten ist, können sich die Versicherten am besten direkt an die Dorfhelferinnenstation wenden. Ich spreche mit der Familie und wir machen eine Analyse der Familiensituation. Wichtig ist, dass ein ärztliches Attest über die Notwendigkeit der Haushaltshilfe vorliegt. Dann muss bei den Kostenträgern ein Antrag auf Haushaltshilfe gestellt werden.

Müssen die Krankenkassen eine Haushaltshilfe finanzieren?

Ja, nach §38 Sozialgesetzbuch V sind die Krankenkassen dazu verpflichtet, Haushaltshilfen zu finanzieren, wenn Kinder unter zwölf Jahren zu versorgen sind und niemand anderes aus der Familie diesen Haushalt weiterführen kann. Dafür muss der Ehemann nicht Urlaub nehmen. Wir machen eine umfassende Beratung, helfen bei der Beantragung und kümmern uns um die Formalitäten. 

Für die Region Melle-Wittlage-Osnabrück steht Birgit Steinmeier zur Verfügung, Tel.: 05746/8294. Die Station Badbergen-Bramsche leitet Gertrud Taphorn, Tel.: 05433/1384.


Das Dorfhelferinnenseminar

Im Evangelischen Dorfhelferinnenseminar in Loccum, dem einzigen Ausbildungsseminar für diesen Beruf in Niedersachsen, sind noch Ausbildungsplätze frei. Die 14-monatige Weiterbildung zur Dorfhelferin beginnt am 10. September 2018. Voraussetzung für die Kursteilnahme ist eine abgeschlossene hauswirtschaftliche Ausbildung. Der Kurs wird in Teilzeit durchgeführt und kann berufsbegleitend absolviert werden. Nach erfolgreicher Prüfung ist eine Anstellung beim Ev. Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen e.V. an 27 Dorfhelferinnenstationen in Niedersachsen möglich, gern auch in Teilzeit. Kursanmeldungen telefonisch unter 05766/7274 oder per Email unter DHW.Seminar.Loccum@evlka.de.

Die Dorfhelferinnen werden vergütet nach dem „Tarifvertrag der Länder (West), Entgeltgruppe 6“. Für die Berechnung nach individuellen Verhältnissen ist ein Tarifrechner online verfügbar: http://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/west/. Bei einer Vollzeitstelle und Entgeltgruppe 6 steht ein monatliches Bruttogehalt von 2.386,77 Euro. Je nach Steuerklasse und anderen Merkmalen verändert sich das Gehalt.

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