Ein Bild von Benjamin Havermann
30.07.2018, 12:13 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Angebliche Giftfässer im Gertrudenberg: (Noch) kein Skandal

Kommentar von Benjamin Havermann

Der Verein Gertrudenberger Höhlen vermutet, dass in dem Gangsystem Giftmüll lagert. Archivfoto: Andreas StoltenbergDer Verein Gertrudenberger Höhlen vermutet, dass in dem Gangsystem Giftmüll lagert. Archivfoto: Andreas Stoltenberg

Osnabrück. Der Verein Gertrudenberger Höhlen vermutet Giftfässer in dem Höhlensystem des Gertrudenbergs. Dabei ist der Verdacht unplausibel, ein vermeintlicher Umweltskandal ist dies noch nicht. Ein Kommentar.

Engagierte Bürger auf der einen Seite und untätige Bürokraten auf der anderen Seite. Das ist die Sicht, die Wilfried Kley und sein Verein vertreten. Seit Jahren kämpfen sie für die Öffnung der Gertrudenberger Höhlen und doch ist kaum etwas vorangekommen. Vielleicht bewegt sich ja was, wenn dort Giftfässer gefunden werden. Der Gedanke, dass die Höhlen früher auch als Mülldeponie verwendet wurden, liegt schließlich nicht ganz so fern. In anderen Städten gab es das auch schon.

Der Verdacht eines ungeheuerlichen Umweltskandals in einem Osnabrücker Kulturdenkmal scheint sich aber – zumindest vorerst – nicht zu bestätigen. Das Ergebnis des Ingenieurbüros und die Einschätzung des amtlichen Umweltschützers klingen plausibel. Warum sollte sich jemand die Mühe gemacht haben, die schweren Fässer umständlich bergauf zu rollen? In den 50er Jahren gab es da wesentlich einfachere Möglichkeiten.

Will der Verein um Kley in diesem Punkt Aufklärung schaffen, muss er weitere Beweise oder zumindest Indizien vorlegen, die eine erneute Untersuchung rechtfertigen. Andernfalls bewegt er sich im Bereich von Spekulationen. Wichtiger ist doch, dass die Höhlenforscher ihr eigentliches Ziel nicht aus den Augen verlieren: Die Öffnung der Höhlen für die Öffentlichkeit. Die angeblichen Giftfässer sind da nur ein Nebenschauplatz.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN