Gutenachtlauf in der Wüste Veganer treffen sich bei Vollmond

Von Andreas Wenk

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Nachtlauf: Die Veganer treffen sich bei Vollmond zum gemeinsamen Lauf gegen tierisches Leiden. Foto: Thomas OsterfeldNachtlauf: Die Veganer treffen sich bei Vollmond zum gemeinsamen Lauf gegen tierisches Leiden. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Strahlender Sonnenschein, rund 30 Grad. Auf dem Parkplatz vor dem Moskau-Freibad im Stadtteil Wüste herrscht reger Betrieb. Die meisten Passanten verlassen das Bad, steigen ins Auto und fahren nach Hause. Nahezu unscheinbar hat sich eine kleine Gruppe im Sportdress getroffen. Einige tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Vegan – Laufen gegen Leiden.“

Neun Sportler haben sich am Abend der totalen Mondfinsternis zum 41. „Gutenachtlauf“ getroffen. Sie vereint ein gemeinsames Ziel: Sie wollen die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Leid von Tieren lenken und gleichzeitig etwas für sich tun. Deshalb treffen sie sich an jedem Vollmond-Abend um 20.30 Uhr zum Joggen auf dem Moskau-Parkplatz.

Der Zuspruch ist recht unterschiedlich, bedingt durch extreme Hitze und Ferienzeit haben sich heute nur neun Personen zusammengefunden, 40 war bislang die höchste Teilnehmerzahl. Dann klingelt es in der Spendendose. Denn ein Mindestbeitrag von einem Euro pro Läufer für die gute Sache wird erwartet. Das Geld kommt wechselnden Tierschutzorganisationen zugute. Bislang profitierte davon Animals Angels, künftig möchte man aber verstärkt regionale Projekte unterstützen, sagt Katharina Opladen vom Osnabrücker Organisations-Komitee. Der Verein „Laufen gegen Leiden“ hat seinen Sitz in Nürnberg. Von dort hat trägt er seine Mission in die Welt. Mittlerweile haben sich 70 Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Dänemark und Spanien angeschlossen. Um die Organisation zu vereinfachen und Irritationen auszuschließen, trifft man sich stets bei Vollmond zum Laufen und immer um 20.30 Uhr. „Das hat Vor- und Nachteile, weil die Wochentage stets wechseln, aber der Termin lässt sich überall leicht recherchieren“, sagt Klaus Hess. Selbst hohe Feiertage wie Weihnachten machen da keine Ausnahme, so Opladen. Andrea Dohmann vom Organisations-Team hält nicht zuletzt diese Verlässlichkeit für wichtig.

Sie alle eint zudem der Glaube daran, dass die Welt durch eine vegane Lebensweise ein wenig besser wird, wenn Tiere nicht unnötig gehalten und getötet werden müssen. Dass Leder durch Plastik ersetzt wird, irritiert sie nicht. Und der Proteinhaushalt? Für Dohmann ist das kein Argument. Sie verweist auf Patrik Babourmian, einen Kraftsportler, der vegan lebt und 2011 den Titel „Stärkster Mann Deutschlands“ errang. Laut Hess gibt es genügend Pflanzen mit einem hohen Proteingehalt. Das sei kein Problem. Für Katharina Opladen bedeutet vegan keinen Verzicht. Sie fühlt sich einfach besser, erklärt sie. Ob das Umfeld mitmacht? Ihre Familie sei quasi „etwas zwangsveganisiert“, verrät sie augenzwinkernd und räumt zugleich mit einem Vorurteil auf, dass Veganer womöglich eher spaßbefreit und humorlos allein auf das eine Ziel fixiert seien.

Missionarischen Eifer versprüht die Gruppe nicht unbedingt, ein ernsthaftes Anliegen ist aber schon zu spüren. Sebastian Blume ist fast von Beginn an dabei. Der 42jährige Ingenieur hatte sich schon früher für veganes Leben interessiert, ebenso für den Ausdauerlauf. Via Facebook hat er zu der Osnabrücker Gruppe „Laufen gegen leiden“ gefunden. Arbeitskollegen, berichtet er, habe er noch nicht überzeugt, das aber auch nicht erwartet. Die Familie ziehe aber mit, berichtet er.

Die Gruppe freut sich über Zulauf. Natürlich werde das vegane Leben beim Laufen oder beim anschließenden Picknick immer wieder mal thematisiert, grundsätzlich stehe der Lauftreff aber jedermann offen, betont Hess. Schnell noch ein Gruppenfoto für die Facebookseite und dann geht es los. Gemäßigtes Tempo und je nach Leistungsfähigkeit über sechs oder neun Kilometer. Zurück am Parkplatz winken Melonenstücke als Belohnung.


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