Modern Talking verdient Osnabrück: 16. Büdchenfest auf dem Westerberg eröffnet

Von Andreas Wenk

Musik von Abba bis ZZ Top gab es auf dem Büdchenfest am Westerberg. Foto: Swaantje HehmannMusik von Abba bis ZZ Top gab es auf dem Büdchenfest am Westerberg. Foto: Swaantje Hehmann

awen Osnabrück. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hat mit einem Fassanstich das 16. Büdchenfestes auf dem Westerberg eröffnet. Anschließend reichte er dem Wirt Michael Werner Gläser an. Die ersten Besucher hatten geduldig gewartet, um sich ein Schluck Freibier zu sichern.Die Bilanz am Tag danach: Rund 800 Besucher.

Weniger wäre mehr gewesen, so das musikalische Fazit der Musik- und Kostümschau der Limited Edition am Büdchen: Weniger Phon, weniger Flokati auf dem Kopf, weniger Animationsprogramm à la Club Aldiana und weniger Madleys und dafür mehr ausgespielte Stücke hätten dem Coverband-Auftritt gut getan. Vor allem die übersteuerte Anlage im zweiten Teil nach der Pause grenzte an Körperverletzung. Dabei hatte es zu Beginn den Anschein, dass sich der aufwendige Soundcheck ausgezahlt hatte.

Dass die Performance erst mit zehnminütiger Verspätung begann, hatte sich gelohnt. Stimmen und Instrumente waren gut zu verstehen und spiegelten die Klasse der Musiker wider. Die lieferten in einem Parforceritt ein bunten Strauß der Rock- und Popgeschichte von Freddie Mercuri und Tom Jones über Nena und Rio Reiser bis hin zu Udo Lindenberg.

Outfits sind leblos und albern

Im Vorgespräch hatte Bandleader Michael Meier noch den Anspruch postuliert, nicht nur Coverstücke zu spielen, sondern durch originalgetreue Kostüme auch einen Augenschmaus zu bieten. Während die Musik souverän und routiniert mit den Vorbildern mithalten konnte, wirkten die in atemberaubendem Tempo wechselnden Outfits eher lieblos und albern. Man muss die Musik von Modern Talking nicht mögen, aber Thomas Anders mit an einen Flokati erinnernder Perücke und Dieter Bohlen mit notgeil heruntergeklapptem Kiefer zu persiflieren, wird weder deren Erfolg noch der Persiflage als künstlerischem Stil gerecht. Kaum besser erging es Freddie Mercury, der mit seinem schlecht angeklebten Bart zumindest äußerlich eher der Karikatur einer Karikatur als dem Weltstar ähnelte. Für Queen-Fans ein Auftritt zwischen Blasphemie und Denkmalschändung.

Völlig überflüssig auch die ständigen Appelle an „Osnabrück“, doch bitte vor die Bühne zu kommen und dort zu tanzen, ebenso der Weltruhm seiner Vorbilder suggerierende pseudoenglische Akzent mit dem das Publikum immer wieder zum Mittanzen, Klatschen und gegen Ende sogar zum Hinhocken und Aufspringen animiert werden sollte. Auch wenn sich sonst kein Lüftchen regte, wehte ein Hauch von Ballermann und Club Aldiana durchs noble Westerberger-Carée.

Rund 800 Gäste auf dem Westerberg

Ungeachtet dessen waren die meisten der später rund 800 Gäste fest entschlossen, sich zu amüsieren und folgten zunächst verhalten, dann immer bereitwilliger, den Anweisungen der Gesangs-Animateure. Sängerin Silke bemühte gar die gute Kinderstube und soziales Verhalten, um die nicht für spontanen Gefühlsüberschwang berüchtigten Osnabrücker vor die Bühne zu locken und droht damit, sich von dort hinab zu stürzen und mit entsprechenden Konsequenzen, sollte dort niemand stehen, um sie aufzufangen. Was offenbar lustig gemeint war, wirkte nicht unbedingt souverän, sondern eher hilflos. Dabei hätte ihre Musik durchaus mehr Wertschätzung verdient gehabt, nicht zuletzt durch einen behutsameren Umgang mit den Lautstärkereglern. Trotzdem bleiben zwei Dinge positiv in Erinnerung: Ein Percussion-Solo von Michael Meier, bei dem er phasenweise mit einer in die Luft gestreckten Hand andere Drummer vergleichsweise blass aussehen ließ und immer wieder Carmen Purperhart: Die Sängerin hatte bereits nach wenigen Minuten auf der Bühne mit ihrer Stimme eindrucksvoll demonstriert, wer unter den fünf Sängern den Ton angibt. Ob als Whitney Houston oder Tina Turner, ohne albernes Gehampel und mit einer innerlichen Verbeugung vor den von ihr verkörperten Stars setzte widerstand sie wohltuend jeglicher Versuchung zum Klamauk. Danke.


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