Feuchte Handtücher, leichte Ernährung Osnabrücker Schlafmediziner erklärt, was in Hitzenächten hilft

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In heißen Nächten schläft es sich schlecht. Es gibt aber ein paar Tricks, die dagegen helfen können. Foto: Colourbox.deIn heißen Nächten schläft es sich schlecht. Es gibt aber ein paar Tricks, die dagegen helfen können. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Die derzeitigen Tropennächte sorgen für heiße Schlafzimmer. Und in heißen Schlafzimmern schläft es sich schlecht. Ein Osnabrücker Schlafmediziner erklärt, was man tun kann für erholsame Nächte in Zeiten der Hitze. Wichtigste Regel: Ruhe bewahren.

Es gibt zumindest eine gute Nachricht für alle, die sich dieser Nächte schweißgebadet von links nach rechts wälzen, während Klingeln des Weckers näher und näher rückt: Im Sommer braucht der Körper weniger Schlaf. Um 30 bis 45 Minuten reduziere sich der Bedarf in den warmen Monaten, erklärt Christoph Schenk. Der Mediziner betreibt in Osnabrück ein schlafmedizinisches Zentrum mit angeschlossenem Schlaflabor. 

Gesunder Schlaf ist sein Geschäft und die Grundlagen dafür sind sommers wie winters eigentlich gleich: Die letzte Mahlzeit des Tages sollte nicht später als zwei Stunden vor dem Zubettgehen stattfinden, Alkohol reduziert die Schlafqualität, ein ruhiges Umfeld ist wichtig – Smartphones und Tablets etwa fördern das gerade nicht.

Besondere Härte für den Körper

Die gegenwärtig hohen Temperaturen – auch nachts sinkt das Thermometer nicht unter 20 Grad – stellen für den Körper dennoch eine besondere Härte dar: "Unser Körper ist nicht darauf eingestellt, bei solchen Temperaturen in den Schlaf zu finden", erklärt Schenk. Weil der Körper in der Nacht seine Temperatur um ein Grad nach unten reguliere, sei eine Raumtemperatur von 16 bis 18 Grad ideal zum Einschlafen.

Ist es wärmer, kann diese Funktion des Körpers gestört sein. Vermehrte Schweißproduktion ist ein Anzeichen dafür, weil er damit seine Oberfläche kühlt – was das Einschlafen nicht einfacher macht. "Wichtig ist daher, eine kühle Umgebung zu schaffen", erklärt Schenk, schränkt aber ein: "Klimaanlagen und Kühlpacks beispielsweise sind mit Vorsicht zu genießen, weil sie zwar kühlen, aber schnell auch zu Erkältungen führen können."

"Schlaf kann man nicht erzwingen", sagt der Osnabrücker Schlafmediziner Christof Schenk. Foto: David Ebener

Sinnvoller sei es, etwa ein mit kaltem Wasser benässtes Handtuch im Schlafzimmer aufzuhängen. Die Oberflächenverdunstung kühle dann die Raumtemperatur. Ein Ventilator könne helfen, die Abkühlung gleichmäßig im Raum zu verteilen. "Allerdings sollte er nicht direkt aufs Bett gerichtet sein – auch Zugluft erhöht das Erkältungsrisiko". Leichte Schlafbekleidung und dünne Decken seien weitere Hilfsmittel, um die Hitze im Zaum zu halten, zudem schwört Schenk auf offene Fenster. "Ich rate immer dazu, sie im Sommer während der Nacht grundsätzlich offen zu lassen, damit frische Luft in die Wohnung kommt." 

Mediterraner Lifestyle

Wenn die Temperaturen in mediterrane Bereiche klettern, sei es zudem sinnvoll, den traditionellen Lebensrhythmus mediterraner Länder als Blaupause heranzuziehen. Das heißt: "Besorgungen in die Morgen- und Abendstunden verlegen, besonders am Abend eine leichte Ernährung etwa mit Fisch, Joghurt und Salat und, wenn möglich, dazu ein Nickerchen in der Mittagszeit", rät der Arzt. Mediterraner Lifestyle kann sich positiv auf den Schlaf auswirken - etwa, wenn mittags Zeit für eine kleine Siesta bleibt. Foto: Roman Maerzinger/imago

Führt all das nicht zum gewünschten Erfolg, gelte es, Ruhe zu bewahren. "Schlaf kann man nicht erzwingen und wenn man nicht einschläft, sollte man das akzeptieren", erklärt Schenk. "Es kann helfen, in schönen Erinnerungen zu schwelgen, entspannende Musik zu hören oder ein Hörbuch oder vielleicht ein paar Seiten zu lesen. Irgendwann kommt die Müdigkeit dann." 

Kontraproduktiv sei, die Schlaflosigkeit für wichtige Angelegenheiten zu nutzen. "Etwas für die Arbeit zu erledigen, sich um Behördenkram zu kümmern oder den nächsten Urlaub zu planen ist nichts, was nachts erledigt werden sollte." 

"Der Körper steckt das weg"

Von Schlafmitteln zur Linderung hitzebedingter Schlafbeschwerden hält Schenk wenig: "Medikamente können bei ernsthaften Schlafstörungen eine Hilfe sein." Die lägen aber erst dann vor, wenn die entsprechende Symptomatik über einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen anhalte. "Ein paar schlecht durchschlafene Sommernächte sind indes nichts, was eine Intervention erfordern würde. Sowas steckt ein gesunder Körper weg." 


Tropennächte

Von Tropennächten ist die Rede, wenn das Thermometer zwischen 18 Uhr und sechs Uhr nicht unter zwanzig Grad sinkt. Aus medizinischer Sicht sind sie problematisch, besonders für ältere und geschwächte Menschen können sie belastend sein. In Deutschland kommen Tropennächte sehr selten vor, der Deutsche Wetterdienst misst an den meisten seiner Messstationen im Mittel weniger als eine Tropennacht pro Jahr.

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