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30.07.2018, 09:11 Uhr MEHR BABYS IN OSNABRÜCK

Weite Wege zur Geburt

Kommentar von Jana Henschen

Die Anzahl der Geburten steigt bundesweit und in Osnabrück seit Jahren. Foto: dpa/ Jens KalaeneDie Anzahl der Geburten steigt bundesweit und in Osnabrück seit Jahren. Foto: dpa/ Jens Kalaene

Osnabrück. Weniger als 400 Geburten im Jahr sind für Krankenhäuser nicht rentabel. Diese Kommerzialisierung hat einen faden Beigeschmack. Denn schließlich geht es um neues Leben.

Geburten sind nicht planbar. Also müssen an 365 Tagen Ärzte und Hebammen in Bereitschaft sein. Für Betreiber ein hoher Kostenfaktor. Während früher nahezu jedes Krankenhaus eine Geburtshilfestation hatte, ist die Zahl der Stationen heute deutlich niedriger. Viele Geburtsstationen in der Region wurden in den letzten Jahren geschlossen: Dissen, Ostercappeln, Lengerich, Warendorf und Bünde sind da nur einige Beispiele. Positiv ist, dass das Marienhospital und Klinikum am Finkenhügel zum sogenannten Perinatalzentrum Level 1 gehören. Diese Häuser sind an eine Kinderintensivstation angeschlossen. Patienten mit höchstem Risiko und Hoch-Risikogeburten werden hier von Spezialisten betreut. Das ist ohne Frage gut. 

Doch obwohl die Zahl der Babys steigt, sinkt die Zahl der Geburtsstationen. Damit haben werdende Eltern auf dem Land weniger Möglichkeiten. Die Anfahrtswege werden länger und die Sorge, nicht rechtzeitig zu sein, größer. Einige Mütter bevorzugen nicht nur einen kurzen Weg, sondern möchten in der Heimat entbinden. Die Hausgeburt ist möglich, aber nicht für jede Familie vorstellbar. Gerade bei diesem Thema ist das Wohlfühlen und das Sicherheitsgefühl der Mütter enorm wichtig. Die weiten Wege sind bedauerlich, aber aus wirtschaftlicher Sicht unvermeidbar.


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