Auf dem Limberg Osnabrück kauft die letzte Briten-Kaserne

Von Dietmar Kröger


Osnabrück. Das letzte noch im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) befindliche ehemals britische Kasernengelände wechselt Ende August den Besitzer. Dann unterzeichnet Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Kaufvertrag für die Fläche am Limberg. Mit diesem Autogramm des OB wird die Stadt um 70 Hektar Fläche größer und reicher.

Wer noch einmal so ein bisschen britisches Kasernenfeeling genießen möchte, kann das auf dem Limberg haben. Dort muss, wer in den inneren Bereich dringen will, noch immer ein massives Tor passieren, dass nur nach Anforderung geöffnet wird. In den Ferien ist das fatal, da augenscheinlich der Hüter des Tores seine sommerliche Auszeit genommen und sich in den Urlaub verabschiedet hat. So ist es jedenfalls dieser Tage für das scharfe und in Weitsicht geübte Auge auf einem kleinen Schild an des Torwächters kleiner Behausung zu lesen.

Allerdings kommt der Eingangsbereich der Limbergkaserne heute nicht mehr so martialisch daher, wie noch zu Britenzeiten, als ein zweites Tor die Schleusenfunktion perfektionierte und schwerbewaffnete Soldaten Tor und Kaserne sicherten. Das war so bis zum 26. März 2009. Dann löschten die letzten Soldaten auf dem Limberg das Licht.

Seit 1945 waren auf der größten Kasernenfläche der Osnabrücker Garnison die Mercer und Imphal Barracks untergebracht. Die Doppelkaserne wurde von den britischen Streiktkräften vor allem für ihre Logistikeinheiten genutzt, was auch heute noch gut an den großen Fahrzeughallen und Abstellflächen entlang der Vehrter Landstraße zu erkennen ist.

Gewerbe, Sport- und Freizeit

Fast zehn Jahre nach Abzug der Briten aus Osnabrück wird es nun also auch auf dem Limberg ernst mit der Neustrukturierung. Ist der Vertrag zwischen Bima und Stadt unterschrieben, können theoretisch auch die Bagger anrücken und die alten Britengebäude abräumen, um die Fläche ihrer neuen Bestimmung zuzuführen. Gewerbe, Sport- und Freizeit sind die Hauptschlagworte, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Limberg verbanden. Immerhin haben die Briten eine moderne Sporthalle und vor allem auch einen Kunstrasenplatz hinterlassen, nach dem sich die Osnabrücker Sportvereine vor allem für das Wintertraining die Finger lecken. Allerdings ist der Bebauungsplan, der die Erschließung des Limbergs regeln soll, mittlerweile auch schon gut abgehangen. Der Aufstellungsbeschluss datiert vom 13. September 2007. Auf Basis eines Bebauungs- und Erschließungskonzepts wurde dann im April 2015 die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und Träger öffentlicher Belange durchgeführt. Allerdings fehlt dem Bebauungsplan noch der Segen des Rates.

Was geschieht mit den heutigen Nutzern?

Die Verwaltung hat die Zukunft des Limbergs in einer Ratsvorlage in diese Worte gefasst: „Ziel der Planung ist die Schaffung eines etwa 25 Hektar großen Gewerbegebietes bestehend aus zwei Teilbereichen im Norden und Süden der ehemaligen Kasernenfläche. Im mittleren Bereich der ehemaligen Kaserne sollen die vorhandenen sportlichen Anlagen und vorhandenen Gebäude weiter genutzt und ergänzt werden. Daneben ist die Erhaltung und die Aufwertung der vorhandenen vielfältigen Freiräume ein zentrales Planungsziel. Im Zuge einer gesamtstädtischen Stadtentwicklung ist es von großer Bedeutung, dass Gewerbeflächen in verschiedenen Lagen und unterschiedlichen Grundstücksgrößen für unterschiedlichste Nutzungen vorgehalten werden. Hier bietet sich die Fläche als ehemalige Kaserne als guter Standort aufgrund der Größe und der Lage in der Stadt an.“

Nun ist es aber so, dass sich im Laufe der Jahre seit Abzug der Briten so einiges Leben auf dem Limberg angesiedelt hat. „Zwischennutzer“ werden die derzeitigen Mieter zum Teil tituliert. Und wer nutzt da so zwischen? In erster Linie ist da wohl eine üppig blühende Musikszene zu nennen, die in den alten Kasernengebäuden eine stattliche Zahl an Probenräumen gefunden hat. Größe und Abgeschiedenheit des Geländes haben den unendlichen Charme, dass selbst der härteste Hardrock nicht auf empfindliche Ohren trifft. Etwa 60 Bands haben hier ihr geschütztes Biotop gefunden, dass sie nur ungerne aufgeben würden.

Eine Flüchtlingsunterkunft gibt es auch auf dem Gelände. Ihre Zukunft ist ebenfalls noch nicht final geklärt. Stadtsportbund, Hochschule, eine Kita, die Feuerwehr – die Liste der Nutzer und Zwischennutzer ist lang. Nicht alle werden das Gelände verlassen müssen. Ein Teil aber wird sich nach einem neuen Zuhause umsehen müssen.


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