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27.07.2018, 10:00 Uhr SCHUTZLOS

Keine Beratung für Prostituierte in Osnabrück: Ein Skandal

Kommentar von Sandra Dorn

Die meisten Prostituierten in Osnabrück stammen aus Rumänien und Bulgarien. Foto: Michael GründelDie meisten Prostituierten in Osnabrück stammen aus Rumänien und Bulgarien. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Wie verzweifelt müssen die Frauen sein, die sich aus purer finanzieller Not prostituieren? Es mag solche geben, die sich selbstbewusst als Sexarbeiterinnen bezeichnen und denen der Job Spaß macht, doch sie sind die Minderheit.

Vor allem die anderen, die keinen anderen Ausweg sehen als anschaffen zu gehen, soll das neue Prostituiertenschutzgesetz schützen. Nun kritisiert selbst ein Bordellbetreiber, dass genau das nicht gewährleistet ist – und er hat Recht. Viele der Frauen aus Rumänien oder Bulgarien, die zum Geldverdienen nach Deutschland kommen, sprechen kaum Deutsch. Sie sind den Bordellbetreibern, an die sie gerade geraten, schutzlos ausgeliefert. 

Problematisch ist, dass nicht nur die Betreiber ordnungswidrig handeln, wenn sie die Frauen ohne Anmeldung und Bescheinigung im Haus arbeiten lassen, sondern eben auch die Frauen, die dadurch zwangsläufig kriminalisiert werden. Dass die Anmeldung als Prostituierte noch dazu 15 Euro Verwaltungsgebühr kostet, muss denen, die aus purer Not ihren Körper verkaufen, wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen.

Das einzige, was den Frauen helfen könnte, wäre ein Beratungsangebot in Kombination mit aufsuchender Arbeit. Dass es das in Osnabrück nicht gibt, ist ein Skandal.


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