"Keine Fehlplanungen" Nach Baustellen-Kritik: Stadt und Stadtwerke Osnabrück weisen Vorwürfe zurück

Von Wilfried Hinrichs

Baustelle Hansastraße. Archivfoto: Michael GründelBaustelle Hansastraße. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Stadt und Stadtwerke Osnabrück haben die Kritik der IHK am Baustellenmanagement zurückgewiesen. Die Probleme seien "nicht das Resultat von Fehlplanungen oder unkoodiniertem Handeln, sondern liegen in der Natur der Dinge", heißt es in einer Reaktion auf die Kritik der Wirtschaft an der Verkehrslenkung in Osnabrück.

Anke Schweda, Mitglied der Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück, hatte der Stadt und den Stadtwerken vorgehalten, dass Baustellen unzureichend abgestimmt seien und im Schnitt zu lange dauerten. Das belaste die Bürger und Autofahrer unnötig, schade der Wirtschaft und führe zu hoher Unzufriedenheit.

Stadt und Stadtwerke lassen die Vorwürfe nicht auf sich sitzen und reagierten am Mittwoch mit einer ausführlichen Stellungnahme. Darin wird "eins vorneweg" geschickt, wie es wörtlich heißt: "Die meisten Baustellen werden noch in diesem Jahr abgeschlossen. Und: Viele Baustellen wurden und einige Baustellen werden noch vor ihrem terminierten Ende fertig!"

Stadt und Stadtwerke räumen ein, dass die Bauarbeiten zu Einschränkungen im Verkehrsfluss führen. Niemand sei froh über diese Eingriffe in den Straßenraum, aber die Baumaßnahmen seien für die reibungslose Versorgung der Menschen" unvermeidlich. Die Probleme seien aber "nicht Resultat von Fehlplanungen oder unkoordiniertem Handeln, sondern liegen in der Natur der Dinge begründet: In einer urbanen Umgebung mit einer starken Verflechtung mit dem Umland mit über 50.000 Ein- und fast 20.000 Auspendlern, von denen viele das Auto benutzen, sind die Straßen zu den Hauptverkehrszeiten auch ohne Baustellen ausgelastet".

Stadt und Stadtwerke arbeiteten kontinuierlich daran, das gemeinsame Baustellenmanagement noch weiter zu optimieren. Dabei hätten die Planer auch die Bauprojekte auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen im Umland im Blick. "Das ist Anspruch und Aufgabe", heißt es in der Stellungnahme, "deshalb koordinieren wir  in regelmäßigen Abständen die aktuellen und anstehenden Projekte und optimieren kontinuierlich deren Abläufe". 

Die Vorwürfe und die Antworten

Die IHK sagt: Die Baustellen dauern zu lange. Die durchschnittliche Bauzeit der derzeit 23 Baustellen in der Stadt betrage 290 Tage. Es sollte öfter in zwei Schichten, nachts und samstags gearbeitet werden, um die Baustellen schneller zu schließen.

Antwort der Stadt: Die Bauarbeiten dauerten durchschnittlich 39 Wochen (das sind 273 Tage). Eine durchschnittliche Betrachtung der Baustellentätigkeit sei aber wenig hilfreich, "da diese den individuellen Erfordernissen der jeweiligen Baustelle nicht gerecht wird". Nacht- und Wochenendarbeit seien nur begrenzt möglich und müssten jeweils vom Gewerbeaufsichtsamt genehmigt werden. In Wohngebieten dürfe wegen der Nachtruhe nachts nicht laut gearbeitet werden. Die Arbeitszeit auszudehnen sei kaum möglich, denn die Arbeitsschutzverordnung verbiete Einsätze über 10 Stunden am Tag. Ein Mehrschichtbetrieb lasse sich nur schwer organisieren, weil den Firmen die Fachkräfte fehlten.

Die IHK sagt: Manchmal werden Baustellen zu früh eingerichtet und der Verkehr dadurch unnötig behindert.

Antwort der Stadt: Vor Einrichtung einer Baustelle würden "sämtliche Aspekte für die Planung eines optimierten Bauablaufs beleuchtet". Ein Hauptaspekt bilde dabei immer die Frage, wie der ÖPNV und der Individualverkehr beeinflusst werden. Zudem seien der Arbeitsschutz und die Verkehrssicherheit zu berücksichtigen, die Art und Umfang der Absperrungen entscheidend beeinflussen. Selbst wenn nur Leitungen im Gehweg erneuert werden müssten, könne eine halbseitige Straßensperrung notwendig sein. Arbeiten am Kanalnetz seien besonders herausfordernd, "denn diese Leitungen liegen mitten unter der Straße".  

Die IHK sagt:  Es sollten verstärkt innovative Bauverfahren wie der Tunnelbau bei der Kanalerneuerung angewandt werden, um Beeinträchtigungen für Autofahrer, Anwohner und Unternehmen zu minimieren. Der Bau selbst wäre zwar teurer, volkswirtschaftlich betrachtet würde aber Schaden vermieden.

Antwort der Stadt:  "Keine Baustelle ist wie die andere. Das Schema F gibt es in den wenigsten Fällen." So werde bei jeder Baustelle intensiv geprüft, welches Bauverfahren zur Anwendung kommen könne – von der offenen Bauweise mit einer Grube, über Inlinerverfahren bis zum Tunnelbau. Nicht jedes Verfahren sei aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen überall anwendbar. 

Die IHK sagt: Auf vielen Baustellen gebe es zeitweiligen Stillstand. Eine "aktive Bautätigkeit" sei an vielen Baustellen häufig nicht erkennbar.

Antwort der Stadt:  Ob auf einer Baustelle gerade gearbeitet werde oder wie viele Bauarbeiter auf einer Baustelle tätig seien, sei nicht allein ausschlaggebend für den Baufortschritt. "Hier sind auch Abhängigkeiten zu den Abläufen für die einzelnen Arbeitsschritte gegeben, sodass erst aus der Kombination von eingesetztem Personal und notwendigem Gerät bezogen auf die auszuführende Tätigkeit der optimale Baufortschritt erzielt wird." Dies gelte auch für die einzelnen Arbeitsschritte, die nicht beliebig kombinierbar, sondern aufeinander abzustimmen seien, um gegenseitige Behinderungen auszuschließen.


Bauverfahren

Linktipps zu unterschiedlichen Bauverfahren:

Bramscher Straße 

Hasetor 

Kanalisation 

Schlachthofstraße 

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