Zahl der Geburten steigt 1000. Baby so früh wie nie: Kinderboom in Osnabrück?

Von Jana Henschen

1000. Baby im Marienhospital Osnabrück: Mutter Ekaterina Shpara mit Baby Jana. Foto: André Havergo1000. Baby im Marienhospital Osnabrück: Mutter Ekaterina Shpara mit Baby Jana. Foto: André Havergo

Osnabrück. Die Zahl der Geburten steigt in Osnabrück seit Jahren an. Dieses Jahr ist das 1000. Baby im Klinikum Osnabrück so früh wie noch nie im Jahr geboren. Auch das Marienhospital hat diese Woche die 1000-Marke erreicht. Steuert Osnabrück auf neuen Rekord zu?

Das 1000. Baby kam am Dienstag, 24. Juli, um 17:33 Uhr im Marienhospital Osnabrück (MHO) zur Welt. Die kleine Jana ist 44 Zentimeter groß und wiegt 2.300 Gramm. Eigentlich war eine normale Geburt im MHO geplant. Da jedoch Komplikationen auftraten, kam die Tochter von Ekaterina Shpara per Kaiserschnitt zur Welt. "Das Baby ist rund ein Kilo leichter als durchschnittliche Kinder", erklärt Dr. Götz Menke, Chefarzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde. "Mit 2.300 Gramm ist sie zwar klein, aber fit", so der Chefarzt. Daher könne sie im MHO weiter betreut werden und müsse nicht in das Kinderhospital nebenan.

Jana ist das 1000. Baby dieses Jahr im Marienhospital. V.L: Dr. Götz Menke, Stationsleiterin Ursula Frankenberg, Hebamme Kristin Ehrling und Mutter Ekaterina Shpara mit Baby Jana Shpara. Foto. André Havergo

Für Familie Shpara ist die kleine Jana das vierte Kind und die dritte Tochter. Die älteste Tochter (11 Jahre) ist in der Heimat in Kasachstan geboren. Vor zehn Jahren kam die Familie nach Deutschland und wohnt heute in Bersenbrück, wo für die Kleine schon alles vorbereitet ist.

1000. Baby im Klinikum am Finkenhügel heißt Benedikt

Im Klinikum Osnabrück kam das 1000. Baby bereits am 20. Juli um 14 Uhr, also vier Tage früher, zur Welt. Der Junge heißt Benedikt und ist 3.800 Gramm schwer. Er ist das dritte Kind von Nadine und Holger Meyer. Die Familie aus Osnabrück freut sich, dass alles gut geklappt hat. Nur der Zeitpunkt von Benedikts Geburt habe die Reisepläne über den Haufen geworfen. Die Familie schmiede aber schon Pläne für eine Fahrt ans Meer, bei der auch Benedikt dabei sein wird.

1000. Baby im Klinikum Osnabrück heißt Benedikt Meyer. Vordere Reihe: Filippa (8) Meyer, Nadine Meyer mit Benedikt, Linda (5) Meyer hintere Reihe: Holger Meyer, Oberärztin Dr. Helga Brachmann-Michalski, Hebamme Karin Siepelmeyer. Foto: Klinikum Osnabrück/Jens Lintel

Das 1000. Baby ist im MHO drei Tage später als 2017, im Klinikum Osnabrück hingegen zwei Wochen früher als im Vorjahr geboren. "Das bedeutet, dass wir wieder auf eine besonders große Zahl von Babys kommen", meint Dr. Brachmann-Michalski.

Zahl der Babys steigt seit Jahren

2016 wurden in Deutschland 792.131 Kinder geboren. Das waren 54.556 Babys oder sieben Prozent mehr als 2015 (737.575). Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stieg die Anzahl der Geborenen damit das fünfte Jahr in Folge und erreichte wieder das Niveau von 1996. Auch in Osnabrück wächst die Geborenenanzahl: 3.483 Kinder wurden im Jahr 2017 beim Standesamt der Friedensstadt gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr 31 mehr. Während das Standesamt alle Geburten in Osnabrück erfasst, zählt die Stadt Osnabrück die Geburten von Babys, die in Osnabrück auch wohnen. Demnach wurden in Osnabrück 1.648 Kinder im Jahr 2017 geboren. Damit liegt die Zahl der Geburten um 14 unter dem Vorjahreswert, aber um 168 Kinder über den Geburten des Jahres 2007. Die meisten Geburten zählt Osnabrück mit 2.404 im Babyboomer-Jahr 1964.

Mehr Kinder pro Frau

Aufgrund der Demografie sind die Kinder der Babyboomer der 60er Jahre heute selbst eine zahlenmäßig starke Elterngeneration. Durch die Migration steigt die Anzahl der Mütter mit ausländischer Staatsangehörigkeit und zudem ist eine Tendenz zu mehr Kindern zu verzeichnen. 2016 bekam eine Frau im Durchschnitt 1,59 Kinder. Das ist der höchste seit 1973 gemessene Wert und deutlich höher als 2015 (1,50 Kinder je Frau). Bei den deutschen Frauen stieg die Geburtenziffer von 1,43 Kindern je Frau im Jahr 2015 auf 1,46 Kinder je Frau im Jahr 2016. Bei den Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nahm sie von 1,95 auf 2,28 Kinder je Frau zu.

Größeres Einzugsgebiet für Krankenhäuser in der Stadt

Das Einzugsgebiet der Krankenhäuser in Osnabrück hat sich in den letzten Jahren vergrößert. „Heute kommen Mütter aus Versmold oder Greven zu uns“, erklärt der MHO-Chefarzt Menke. Denn viele Geburtsstationen in der Region wurden geschlossen. Dissen, Ostercappeln, Lengerich, Warendorf und Bünde sind da nur einige Beispiele. „300 bis 400 Geburten im Jahr lohnen sich wirtschaftlich nicht für die Krankenhäuser“, sagt Menke. Zum Vergleich: Im MHO werden pro Woche durchschnittlich 25 bis 30 Kinder geboren. Er habe von einigen werdenden Eltern erfahren, dass sie gerne in der Heimat entbunden hätten. Manche haben eine Anreise von 30 bis 40 Minuten. "Ich kann nur raten, früh genug los zu fahren, aber eine Geburt lässt sich nicht planen, und daher ist die Sorge bei den Müttern groß", erklärt der Chefarzt.





Mehr Babys in Osnabrücker Krankenhäuser

Osnabrück und Umland haben drei Krankenhäuser mit Geburtsstation: Klinikum am Finkenhügel, Marienhospital Osnabrück (MHO) und das Franziskus-Hospital Harderbeg. Im Klinikum wurden im vergangenen Jahr 1.708 Kinder bei 1.657 Geburten auf die Welt gebracht. Die Differenz zwischen den Zahlen basiert auf Mehrlingsgeburten. Die allgemein steigende Geburtenzahl lässt sich somit auch an der Statistik des Klinikums ablesen: Immerhin sind am Finkenhügel 99 Kinder mehr geboren worden als noch in 2016. Auch das MHO verzeichnet einen Anstieg der Geburten: 1.868 Kinder kamen hier bei 1.812 Geburten zur Welt. 2016 waren es 1.741 Neugeborene.

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Im GMHütter Franziskus-Hospital kamen im vergangenen Jahr 865 Kinder zur Welt. Die Gesamtzahl der Geburten im Franziskus ging im Vergleich zum Rekordjahr 2016 deutlich zurück. Damals halfen Ärzte und Hebammen 949 Babys auf die Welt.


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