Vom Gefängnis ins Heiligtum Kinder besichtigen das Stadion des VfL Osnabrück

Von Thomas Wübker

In den VIP-Bereich kommen die Kinder normalerweise nicht. Bei der Ferienpass-Führung durften sie nun Logenluft schnuppern.  Foto: Michael GründelIn den VIP-Bereich kommen die Kinder normalerweise nicht. Bei der Ferienpass-Führung durften sie nun Logenluft schnuppern. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. 25 Spieler sind im Kader des VfL Osnabrück. 25 Kinder gingen am Mittwoch mit dem GZ Lerchenstraße ins Stadion an der Bremer Brücke, wo die Lila-Weißen ihre Spiele austragen. Sie konnten in Bereiche gehen, in denen Fans sonst keinen Zutritt haben.

Durch das Stadion wurden die Kinder von Torsten Erk und Peter Scharmacher geführt. Sie fragten die Kinder zu Beginn der etwa eineinhalbstündigen Führung, wann das Stadion gebaut wurde. Mia (10) meldete sich und sagte: „1899.“ Diese Jahreszahl spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte des VfL. Damals wurde der Verein unter dem Namen FC 1899 Osnabrück gegründet. Gebaut wurde das Stadion aber erst von 1931 bis 1933 von dem Verein Rapid Osnabrück. Der spielte in den Farben Lila und Weiß.

Heute heißt die Arena, wo der VfL seine Heimspiele austrägt, Bremer Brücke. Das liegt an der Eisenbahnbrücke in der Nähe des Stadions, die diesen Namen trägt, weil darüber die Züge in Richtung Bremen fahren. „Spielt in dem Stadion nur der VfL?“, wollte Emely (10) wissen. Torsten Erk antwortete, dass die Arena auch von anderen Vereinen gemietet werden kann. So spielten die Sportfreunde Lotte im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund an der Bremer Brücke und der BSV Rheden im gleichen Wettbewerb gegen Bayern München.

Auch Länderspiele finden an der Bremer Brücke statt. Mesut Özil und Toni Kroos haben dort mal mit einer Nachwuchs-Mannschaft gespielt. Und die Frauen sind 1989 in Osnabrück Europameisterinnen geworden. Der DFB plant übrigens, hier ein Frauen-Länderspiel auszutragen, falls die National-Elf in die Play-Offs zur Weltmeisterschaft muss.

Dann nimmt Horst Hrubesch auf der Trainerbank Platz, wo am Mittwoch Kinder saßen und sonst VfL-Coach Daniel Thioune sitzt. Die Trainerbank wurde extra vor der Süd-Tribüne aufgebaut, weil die Sonne am Nachmittag, wenn der VfL meistens spielt, direkt auf die Nord-Tribüne scheint, erklärte Torsten Erk. Da könnten die Trainer sonst ihre Spieler nicht erkennen, wenn sie in die Sonne gucken müssten.

Unter der West-Tribüne ist ein Gefängnis. Da kommen sonst Leute rein, die sich im Stadion nicht benehmen können, sich prügeln oder Stadionverbot haben. Auf der anderen Seite liegt die Ostkurve. „Da sind die Leute ein bisschen wild“, meinte Bennet (11). Er war dort, als der VfL in der vergangenen Saison 0:5 gegen Paderborn verloren hat. „Ein paar Fans haben geschrien und andere beleidigt“, erzählte er. Aber viele hätten auch gefeiert.

Unter der Nord-Tribüne sind die Spielerkabinen und die Mixed Zone sowie das VfL-Museum und der Presse-Bereich beim Neubau dieses Abschnitts vor zehn Jahren eingerichtet worden. Dort dürfen normale Stadionbesucher nicht hin. Deswegen nannte Torsten Erk es den „Heiligen Bereich“. In der Mixed Zone geben die Spieler beider Mannschaften nach den Matches Interviews.

Dort ist auch ein großes Graffiti zu sehen, dass Rene Turrek dort gesprayt hat. Auf ihm sind viele VfL-Legenden zu sehen wie Werner Biskup, der Rekordspieler und ehemalige Trainer Joe Enochs, Uwe Brunn sowie der Torwart und heutige Torwart-Trainer Rolf Meyer und Trainer Radoslav Momirski, die dabei waren, als der VfL vor 40 Jahren im Pokal 5:4 in München gegen die Bayern gewonnen hat. Mia kannte aber nur eine Legende: Addy Waku Menga, der auf dem Graffiti das gleiche Trikot trug wie sie: Eins mit lila-weißen Querstreifen.

Die Saison des VfL Osnabrück startet am Samstag mit dem Spiel gegen die Würzburger Kickers. Wer das Stadion besichtigen möchte, kann eine Mail an museum@vfl.de schreiben oder die Nummer 0541/7708712 anrufen.


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