Nach langer Trockenheit Gewässer in Osnabrück und in der Region steuern Tiefstände an

Von Benjamin Havermann

Nur noch wenige Zentimeter: Der Wasserstand der Hase ist in der Osnabrücker Innenstadt hinter der Bundesbank sehr niedrig. Foto: Benjamin HavermannNur noch wenige Zentimeter: Der Wasserstand der Hase ist in der Osnabrücker Innenstadt hinter der Bundesbank sehr niedrig. Foto: Benjamin Havermann

Osnabrück. Seit Monaten hat es kaum geregnet, jetzt kommt auch noch hochsommerliche Hitze hinzu. Diese Trockenheitsphase lässt die Gewässer in der Region nicht unberührt. Teilweise haben die Pegel einiger Flüsse schon Niedrigstände erreicht – oder werden dies in den nächsten Tagen tun.

Die Seerosen liegen auf dem Trockenen. An einigen Stellen in der Osnabrücker Innenstadt wie hinter der Bundesbank hat die Hase nur noch wenige Zentimeter Wasser. Sandbänke sind zu sehen und wenn man wollte, könnte man zu Fuß durch den Fluss gehen.

Wegen der Trockenheit in den vergangenen Wochen sind die Wasserstände vieler Gewässer gesunken. Das zeigt der Pegel an der Hase in Lüstringen, dort ist der Stand in den vergangenen vier Wochen von 81 cm auf 73 cm gesunken. Nur Anfang Juli ist ein Ausreißer festzustellen, als es kurzzeitig geregnet hat. Der Wasserstand stieg aber nicht nachhaltig. Damit ist der Pegel nur einen Zentimenter vom niedrigsten Wasserstand von 72 cm seit 2008 entfernt. Bleibt es so trocken, könnte der Tiefstand schnell erreicht sein. Am zweiten Pegel der Hase in Eversburg ist der Wasserstand ebenfalls gesunken, aber weniger dramatisch. Ende Juni stand dort das Wasser bei 58 cm, aktuell bei 53 cm. Damit befindet sich in diesem Abschnitt in etwa genauso viel Wasser wie im Durchschnitt (51 cm).

Auch der Pegel an der Hunte ist in den letzten Wochen gesunken. Der Messpunkt am Dümmer zeigt ein Absinken von 216 cm Ende Juni auf 195 cm aktuell. Der niedrigste Wasserstand von 175 cm ist damit noch nicht erreicht. Trotzdem gibt es auch dort weniger Wasser als normalerweise. (Weiterlesen: Hitzewarnung für die Region Osnabrück und das Emsland)

Düte hat Tiefstand erreicht

Besonders schlimm betroffen ist die Düte. Am Pegel in Wersen kurz vor Einmündung in die Hase beträgt der Wasserstand nur noch 55 cm – der niedrigste Stand der letzten zehn Jahre. Der mittlere Wasserstand liegt bei 78 cm, also weit entfernt von dem aktuellen Wasserstand. (Weiterlesen: Wälder in Norddeutschland leiden unter Trockenheit)

„In erster Linie sind von der Trockenheit die Oberläufe und kleinere Gewässer betroffen“, sagt Burkhard Riepenhoff vom Landkreis Osnabrück. Maßgebend für das Trockenfallen eines Gewässers sei dabei jedoch nicht allein der fehlende Niederschlag. Vielmehr würden hier auch natürliche Gegebenheiten wie zum Beispiel das Speichervermögen des Bodens und die angrenzende Vegetation, sowie die Nutzung durch den Menschen eine Rolle spielen.

Das Absinken der Wasserstände hat auch Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. „Das (teilweise) Trockenfallen eines Gewässers führt zumindest für Fische und wassergebundene Kleinstlebewesen zu einem kompletten Verlust des Lebensraumes“, erklärt Riepenhoff. Ein niedriger Wasserstand in den Gewässern gehe mit der zunehmenden Erwärmung des Wassers einher, was sich wiederum direkt auf den Sauerstoffgehalt auswirke. „Der Sauerstoffgehalt sinkt mit zunehmender Temperatur des Wassers.“ Neben Fischen leiden auch Wasser- und Sumpfpflanzen unter der derzeitigen Trockenheit, sodass vorhandene Bestände zurückgehen.

Kein Wasser aus Flüssen entnehmen

Da die Lage momentan sehr kritisch ist, bittet die Wasserbehörde des Landkreises Osnabrück die Bevölkerung darum, kein Wasser aus Fließgewässer mit zum Beispiel Tauchpumpen zu entnehmen. „Durch massive Wasserentnahmen wird der ökologische Zustand des betroffenen Gewässers mit seinen Fischen, Amphibien und Insekten nicht nur gefährdet, sondern kann sogar völlig zerstört werden“, betont der Sprecher des Landkreises. (Weiterlesen: Freiwillige Feuerwehren bewässern Bäume in Osnabrück)

Der Pegel an der Hase in Lüstringen sinkt seit vier Wochen. Screenshot: NOZ/Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz

Was den Umgang mit Grundwasser zur Gartenbewässerung angeht, sieht der Landkreis momentan keinen Handlungsdruck. „Bei uns sind von den Wasserversorgern noch keine Meldungen über größere Probleme eingegangen“, sagt Riepenhoff. Über versiegende Brunnen ist ihm nichts bekannt. Außerdem seien diese Entnahmen auch wasserwirtschaftlich eher unbedeutend.


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