Kaum Vermittlungen in der Urlaubszeit Tierheime rund um Osnabrück klagen über Katzenschwemme

Von Meike Baars

Jedes Gehege im Katzenhaus des Osnabrücker Tierheims ist derzeit belegt. Archivfoto: David EbenerJedes Gehege im Katzenhaus des Osnabrücker Tierheims ist derzeit belegt. Archivfoto: David Ebener

Osnabrück. Tierheime im Landkreis Osnabrück arbeiten derzeit an der Belastungsgrenze. Das Hauptproblem sind nicht etwa in der Urlaubszeit ausgesetzte Tiere, sondern Unmengen von Fundkatzen. Nur ein Bruchteil lässt sich in den Ferien an neue Besitzer vermitteln.

Wolfgang Herkt kann sich nicht erinnern, jemals so viele Katzen aufgenommen zu haben. Er ist Vorsitzender des Tierschutzvereins Osnabrück, der das Tierheim in Osnabrück-Hellern betreibt. 170 Katzen müssen die Mitarbeiter des Heims gerade versorgen. Beinahe täglich kommen Tiere hinzu, aber kaum eines wird aktuell an neue Besitzer vermittelt. Eigentlich sind die Räume für maximal 100 Katzen ausgelegt.

Unerwünschter Nachwuchs

Die Schwemme an Fundkatzen habe mehrere Ursachen, glaubt Tierschützer Herkt. Noch immer gebe es im Osnabrücker Land zu viele nicht kastrierte Katzen, die für unerwünschten Nachwuchs sorgen. Der trockene und warme Frühling ermöglichte es vielen Jungtieren, draußen zu überleben. Menschen, die hilfebedürftige Katzen entdeckten, reagierten außerdem vorbildlich, so Herkt. "Dass es eine erhöhte Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft gibt, ist ja eigentlich eine sehr schöne Sache. Aber sie führt dazu, dass uns noch mehr Katzen als sonst gebracht werden." 

Zwischen dem Tierheim in Hellern und zahlreichen Kommunen aus dem Osnabrücker Umland bestehen Verträge, die das Heim zur Aufnahme von Fundtieren verpflichten. Ablehnen können und wollen die Mitarbeiter also keine Fundkatzen. In der Urlaubszeit sei zeitgleich die Vermittlungsquote bei den Heimtieren deutlich geringer, erklärt Herkt. Wer in den Ferien wegfahre, belaste sich nicht vorher noch mit einem Haustier.

100 Tiere finden normalerweise im Katzenhaus des Osnabrücker Tierheims Platz. Aktuell müssen dort 170 Katzen unterkommen. Archivfoto: David Ebener

Die Pflege der Katzen ist aufwendig und teuer. Auf der Quarantänestation des Osnabrücker Tierheims, auf der die Katzen zunächst aufgenommen werden, werden Infektionen oder Würmer behandelt. Erst danach können die Tiere ins Katzenhaus des Heimes wechseln. Die Behandlung durch einen Tierarzt kostet Geld, die Medikamente müssen bezahlt werden, außerdem verschluckt das Tierfutter hohe Summen. 

Auf seiner Homepage bittet der Tierschutzverein um Futter- und Geldspenden. Auch Mitarbeiter werden dringend gesucht. "Wir wollen einstellen, finden aber niemanden", sagt Herkt. "Unsere Mitarbeiter ersticken in Arbeit." Das Heim verkürzte seine Öffnungszeiten, weil die Angestellten der Lage nicht mehr Herr wurden.

Quälender Katzenschnupfen 

Ähnlich sieht es im Meller Tierheim aus. "Wir nehmen noch Katzen auf, aber das Haus ist gut gefüllt", sagt Panela Opitz aus dem Verein Tier- und Naturschutz Melle, der das Tierheim führt. Auf dessen Quarantänestation arbeiten die Mitarbeiter am Limit, denn dort würden gehäuft sehr kranke Katzen abgegeben, berichtet Opitz. Viele der Tiere hätten mit dem sogenannten Katzenschnupfen zu kämpfen. Unter die Sammelbezeichnung fallen zahlreiche ansteckende Erkrankungen der Atemwege und der Schleimhäute. Für die Katzen sind sie quälend, für andere Tiere und Menschen aber ungefährlich.

Kater Tobi in Melle ist vom Katzenschnupfen schwer gezeichnet. Wenn der Infekt behandelt wird, klingt er schnell wieder ab. Foto: Panela Opitz

Besonders ältere Tiere hätten es schwer, neue Besitzer zu finden, berichtet Katzenliebhaberin Opitz. In der Urlaubszeit gebe es aber generell deutlich weniger Vermittlungen. 

Der Tierschutzhof im Artland will Katzen solange aufnehmen, wie sie guten Gewissens gepflegt werden können. "Wir kümmern uns um ausgesetzte, kranke, verletzte und alte Tiere. Aber es gibt eine Grenze", sagt Marion Schmidt, die den Tierhof leitet. Eigentlich sei das kleine Haus für 25 bis 30 Tiere ausgelegt. Derzeit kümmere man sich um 40 Katzen. Auch Schmidt beklagt die Kosten, die mit steigender Zahl der Tiere kaum noch zu bewerkstelligen seien. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssten noch mehr Energie in den Hof stecken als ohnehin schon.

Sommer als Hauptsaison

Das Tierheim Lübbecke verzichtete zunächst auf einen generellen Aufnahmestopp, reservierte die verbleibenden Plätze allerdings für Fundtiere. "Für Besitzer, die ihre Tiere abgeben wollen, weil sie sich selbst nicht mehr kümmern können, gibt es eine Warteliste", erklärte Tierpflegerin Sara Meinsen. Inzwischen gibt es jedoch auch eine Warteliste für Fundkatzen. Es seien einfach zu viele. Meinsen sieht ebenfalls in unkastrierten Katern die Hauptursache für die Masse an Jungkatzen. Um 60 der Tiere kümmern sie sich aktuell in Lübbecke. "Wir sind sehr voll belegt. Der Sommer ist die absolute Hauptsaison", sagt Meinsen. Menschen, die nicht weiter wüssten oder kranke Tiere finden, sollten sich aber weiter an das Tierheim wenden, betont sie. Dann werde gemeinsam eine Lösung gefunden.

Ausgesetzte Hunde seien glücklicherweise inzwischen zu einem Randphänomen in der Region geworden, ist aus den Tierheimen zu hören. Seit Hunde in Niedersachsen einen Chip tragen und Besitzer einen Hundeführerschein machen müssen, gehörten Bilder von verbannten Tieren an Autobahnraststätten und Parkplätzen der Vergangenheit an.


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